Pressespiegel

12. Krimi-Literaturtage gehen mit furiosem Finale zu Ende

Netzschkau. Mit der 13. Kriminacht im Schloss Netzschkau sind die zwölften Krimi-Literaturtage Vogtland am Samstag zu Ende gegangen. Fünf Autoren stellten im ausverkauften Schloss ihre aktuellen Bücher vor und bildeten dabei ein breites Spektrum der Kriminalliteratur vom Thriller bis zu zum historischen Kriminalfall ab. Drei von ihnen waren bereits einmal Gast beim Literatur- und Lesefestival, zwei zum ersten Mal im Vogtland.

Den Reigen eröffnete der bekannte Thriller-Autor Arno Strobel, der zurzeit an einer dreiteiligen Serie mit dem Thema "Im Kopf des Mörders" arbeitet. Er erwies sich sowohl als guter Vorleser wie auch als Entertainer, der das Publikum in einer anschließenden Fragerunde gut unterhielt. "Wenn man nicht selbst einen an der Klatsche hat, reicht es, ein paar verhaltensauffällige Freunde zu haben", erklärte er zur Frage nach der Ideenfindung und empfahl, die Umwelt sowie die Menschen darin aktiv zu beobachten. Begeistert war er von der Dekoration im Schloss mit einem Fliegenmann, der dem im Buch entsprach. "So eine Deko hatte ich noch nie", meinte er. In den folgenden Staffeln lasen drei Autoren parallel in verschiedenen Räumen. Einem gesellschaftskritischen Thema hat sich Leif Tewes zugewandt, der für die Recherche zu seinem Roman ein Jahr lang unter falschem Namen in der AfD aktiv war und unglaubliche Dinge berichten konnte. Er war auch in den Pausen ein gefragter Gesprächspartner. Einem ernsten Thema widmete sich auch Regina Schleheck, die sich in ihrem Buch mit dem Kirmesmörder Jürgen Bartsch beschäftigt hat. Er suchte seine Opfer auf Rummelplätzen und hatte in den 1960er Jahren vier Jungen umgebracht. Großen Zulauf hatte Elke Pistor. Obwohl einige die Abenteuer der Bäckerin Annemie Engel schon gelesen hatten, besuchten sie die Lesung, um die Autorin kennenzulernen oder wieder zu treffen.

Schwarzhumorige Kurzkrimis und Gedichte erlebten die Besucher in der Schlusslesung von Ralf Kramp, der das Publikum in den Weg einer immer wieder verschenkten Pralinenschachtel einbezog oder mit seinen Nacktwanderern nachhaltiges Kopfkino erzeugte. "Wir hatten ein super Publikum, eine tolle Location, und eine wunderbare Organisation. Die eigentliche Leistung ist ja die Vorbereitung", fasste Regina Schleheck zusammen. Die fünf Autoren, allesamt zum ersten Mal im Netzschkauer Schloss, begeisterten sich für das kriminell dekorierte Kleinod und dessen architektonische Besonderheiten.

Nach dem Lesemarathon wurden unter den Besuchern Bücher verlost. Präsente erhielten auch die am weitesten angereisten Gäste, die diesmal aus Peine und Neumarkt/Oberpfalz kamen, sowie Heidrun Döhler als Stammgast bei vielen Veranstaltungen und Beate Werner, die das Schaufenster in ihrem Haus immer für die Krimitage dekoriert. Die Veranstalter vom Förderverein Schloss Netzschkau bedankten sich bei allen Förderern, Unterstützern und Sponsoren und wurden selbst mit lang anhaltendem Beifall bedacht. Am Vortag der Kriminacht fand die zehnte Krimiblutspende statt, zu der 50 Spender kamen. Die zum Projekt gehörende Ausstellung kann noch bis Ende Juni im Schloss besichtigt werden. Für die Wohnzimmerlesung, die Familie Lochmann aus Mylau gewonnen hat, ist bis Ende September Zeit.

Freie Presse (11.06.2018)

Wer die Königin der Instrumente erschafft

Die Dauer der Ausstellung zur Orgelbauer-Familie Jehmlich im Schloss Netzschkau wurde verlängert. Recherchen zu historischen Fakten erschienen wie ein Krimi.

Netzschkau. Der Förderverein des Schlosses Netzschkau hatte jüngst zur Sonderausstellung "Jehmlich - eine Orgelbauerfamilie" einen Fachmann eingeladen, der einen Vortrag zu Leben und Werk der Orgelbauer hielt. Siegfried Meyer berichtete dabei von Recherchen, die manchmal wie ein Krimi anmuteten, weshalb die Ausstellung und sein dazu in Arbeit befindliches Buch auch gut zu den Krimi-Literaturtagen Vogtland passen, in dessen Rahmen die Ausstellung zu sehen ist. Bis zum 1. Juli wurde nun die Ausstellungsdauer verlängert, das teilten gestern die Veranstalter mit.

Meyer berichtete in seinem Vortrag, manchmal habe es bei der Recherche zum Thema Ergebnisse gegeben, mit denen keiner gerechnet habe, zum Beispiel falsche Schilder und verschiedene Aufzeichnungen zu einem Fakt. Für das Auffinden von Dokumenten und Fotos sei detektivischer Spürsinn notwendig gewesen. Und Geduld, denn nicht überall sei das Interesse gleich hoch gewesen.

Carry Reuther aus Auma sagte dazu: "Mein Sohn schreibt mit einer Gruppe eine Seminararbeit über Orgeln und hat dabei das Thema Jehmlich ausgewählt. Über die Orgeln haben wir etwas gefunden, aber nichts über die Familie. Das scheint ein weißer Fleck zu sein. Gut, dass sich Herr Meyer des Themas angenommen hat." Sie hatte sich mit ihrem Sohn die Ausstellung angeschaut und kam speziell wegen der Veranstaltung noch einmal ins Schloss. Ihr Sohn Marcus fragte derweil Siegfried Meyer aus, dessen Buch noch immer nicht erschienen ist, weil ständig neue Erkenntnisse auftauchen und verarbeitet werden wollen.

"Das ist wie eine Sucht", gestand der Autor, der die Jehmlich-Forschungen mit der Aufarbeitung des losen Archivs seines Männerchores Liederkranz Zwickau begonnen hatte. In diesem Zusammenhang stieß er auf verschiedene Persönlichkeiten, darunter auch auf Carl Gottlieb Jehmlich und dessen Sohn Wilhelm Fürchtegott. Jehmlichs bauten in Zwickau Orgeln, bevor ein Sohn die Werkstatt des Onkels in Dresden übernahm und dann zum königlich-sächsischer Hoforgelbauer wurde. 29 der Jehmlich-Orgeln sind der Zwickauer Zeit zuzuordnen, darunter die Instrumente in Rodewisch, Lengenfeld oder Wernesgrün. "Heute gibt es mehr als 1000 Jehmlich-Orgeln in aller Welt, gebaut von sechs Generationen", erzählte der Heimatforscher dazu. "Mir ist erst hier in der Ausstellung bewusst geworden, dass es auch Jehmlich-Orgeln aus Zwickau gibt. Ich hatte immer nur etwas von Dresden gehört", so Carry Reuther.

Meyer zeigte sich froh, dass ihn der Förderverein eingeladen hatte, seine Forschungen im Schloss zu präsentieren. Er erklärte nach dem Vortrag die einzelnen Schautafeln in der Ausstellung, meist mit einer Anekdote zur Orgel oder zu den Recherchen. Die Sonderschau mit seinen Texten und Bildern ist ergänzt durch Orgelpfeifen und andere Teile vom Vogtländischen Orgelbau Thomas Wolf in Limbach. Der Heimatforscher möchte die Schau noch an weiteren Orten zeigen und nannte die Kirchgemeinde Auerbach als möglichen Interessenten.

Freie Presse (08.06.2018)

Ich verstecke die Kippa nicht gern

Alfred Bodenheimer tritt bei Krimi-Literaturtagen auf

Alfred Bodenheimer aus der Schweiz, Professor für jüdische Religionsgeschichte und Literatur, kommt am Montag zu einer Lesung im Rahmen der Krimi-Literaturtage Vogtland nach Reichenbach. Er war jüngst Gast auf der Criminale, dem größten Treffen deutschsprachiger Krimiautoren. Petra Steps traf den Buchautor, der sich selbst als modern-orthodoxen Juden bezeichnet, in Halle.

Presse: Herr Bodenheimer, Ihr vierter Krimi "Ihr sollt den Fremden lieben" war für den Glauser-Preis nominiert. Sie bekamen den Preis nicht. Sind Sie enttäuscht oder erleichtert?

Alfred Bodenheimer: Für mich war die Nominierung unter die letzten fünf von über 400 Krimis ein großer Erfolg. Mit dem Preis habe ich offen gestanden nicht gerechnet. Aber aufregend war es schon.

Wie kommt man eigentlich von wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Krimi?

Die Schwellen sind kleiner geworden. Krimi wird nicht mehr unmittelbar als Schmuddelkind begriffen, da er auch literarische Ansprüche erfüllen kann. Früher war das undenkbar und hätte einer wissenschaftlichen Laufbahn geschadet. Mein erstes Buch war übrigens ein experimenteller Roman, den ich mit 18 Jahren geschrieben habe, aber den wollte keiner drucken. Dann kam die wissenschaftliche Karriere, und jetzt bin ich wieder zur Belletristik zurückgekehrt, zumindest teilweise, denn die Krimis schreibe ich in den Semesterferien. Der erste entstand in einem Freisemester in Israel. Außerdem: Leute lesen mehr Krimis als wissenschaftliche Veröffentlichungen. Man wird also breiter wahrgenommen.

Wie hat das Krimischreiben die Wahrnehmung beeinflusst, vor allem auch unter Wissenschaftlern?

Ich dachte mir: Wenn ich mir mit den Krimis meine Reputation kaputt mache, dann war sie schon kaputt, und wenn die Leute etwas von mir halten, dann schadet der Krimi nicht. An der Fakultät sind die Leute begeistert. Man schmückt sich eher mit dem Krimiautor aus den eigenen Reihen, als dass man sich für ihn schämen würde.

Ihre Hauptfigur ist Rabbi Gabriel Klein, der zum Detektiv wider Willen wird und in der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich verortet ist. Was sagen die Mitglieder dort zu Ihren Krimis?

Ich war selbst 15 Jahre Mitglied dieser Gemeinde, bevor wir vor einigen Jahren von Zürich wegzogen. Die Krimis sind etwas ganz anderes, als das, was ich sonst mache. Aber ich bewege mich trotzdem in einer Welt, in der ich mich ganz gut auskenne. Die Bücher kommen dort erstaunlich gut an. Manche glauben sogar zu wissen, wer die Figuren im Buch sind. Mir geht es aber eher um bestimmte Typen als um konkrete Personen. Wenn jemand darin eine reale Person sieht, dann habe ich diesen Typ Mensch gut getroffen.

Die Titel Ihrer Krimis haben einen Bezug zur Bibel. Von wem stammen sie? Warum ist das so?

Die Titel stammen von mir. Mein Protagonist hat ja täglichen Umgang mit der religiösen Gedankenwelt. Es ist mir wichtig, dass ein Bezug existiert, der jedoch mit der Handlung in Zusammenhang stehen muss, denn der Krimi soll nicht die Bibel erklären.

Wie sehen Sie das Leben der Juden in der Gegenwart? Gibt es besondere Probleme, zum Beispiel, wenn Sie mit Kippa unterwegs sind?

In der Schweiz ist die Kippa bislang kein Problem, in Paris oder Berlin sieht das anders aus. Manchmal trage ich dort eine Mütze darüber, vor allem auch auf Druck meiner Familie. Aber ich verstecke die Kippa nicht gern und bin auch nicht einer Meinung mit Josef Schuster vom Zentralrat der Juden in Deutschland, der öffentlich vom Tragen abrät, denn das klingt wie eine Kapitulation. Gleichwohl meine ich: Wenn die Hemmschwelle gegenüber Juden fällt, fällt sie flächenübergreifend. Das wird wohl auch vor der Schweiz nicht Halt machen. Viele haben das dort nicht realisiert, auch, dass der Schutz der jüdischen Minderheit Sache der Bürger ist und nicht nur der Juden selbst.

Alfred Bodenheimer, Jahrgang 1965, lebt in Basel und Jerusalem. Er absolvierte Talmudstudien in Israel und den USA, studierte in Basel Germanistik und Geschichte und promovierte zum Thema Emigration von Else Lasker-Schüler nach Palästina. Er forschte und lehrte in Israel und an der Universität Luzern. Seit 2003 ist er Professor für Jüdische Literatur- und Religionsgeschichte an der Universität Basel. Er veröffentlichte unter anderem Studien über Moses und den Ewigen Juden, jüdische Narrative, Traditionsvermittlung und seit 2016 Krimis.

Veranstaltung: Montag, 19 Uhr, Zentrum für jüdisch-christliche Geschichte und Kultur, Wiesenstraße 62 in Reichenbach, "Ihr sollt den Fremden lieben". Der Eintritt ist frei. Es wird um Spenden gebeten. Reservierung ist nicht notwendig.

Freie Presse (31.05.2018)

Betrug gestern und heute

Schneeballsysteme besitzen eine lange, unrühmliche Vergangenheit. Doch Schnee von gestern ist das nicht, warnte Verbraucherschützerin Heike Teubner.

Lengenfeld. Heike Teubner von der Verbraucherschutzzentrale in Auerbach hat nach 25 Jahren der Tätigkeit im Dienste der Verbraucher schon so gut wie alles erlebt: von Dankbarkeit bis zu Morddrohungen, von dreistem Betrüger über den Unbelehrbaren bis zu Menschen, die alles verloren haben. Es finden sich trotzdem immer wieder Dinge, die der Fachfrau neu sind. Das sagte sie bei der Veranstaltung im Lengenfelder Hof, in der es um Schneeballsysteme ging.

Der Autor Julian Nebel hat dort im Rahmen der Krimi-Literaturtage Vogtland sein Buch "Adele Spitzeder: Der größte Bankenbetrug aller Zeiten" vorgestellt. Es ist anlässlich des 125. Jahrestages der Verhaftung der Betrügerin erschienen. Die erfolglose Schauspielerin, in Berlin geboren und in Wien aufgewachsen, hatte in München eine Privatbank gegründet und etwa 33.000 Menschen um ihr Vermögen gebracht. Ihre Kunden kamen nicht etwa aus der High Society der damals noch ländlich geprägten Stadt, sondern waren kleine Leute, die oft ihr Ganzes bei ihr ablieferten. Ihr Modell war so einfach wie zum Scheitern verurteilt: Sie nahm Geld, das sie nach drei Monaten mit zehn Prozent Zinsen monatlich zurückzahlen wollte. Die Zinsen für zwei Monate gab es in bar gegen einen Schein bei der Einzahlung. Allerdings ließ die Betrügerin das Geld nicht arbeiten. Sie bewahrte es an allen möglichen Orten auf und verlor allmählich den Überblick über Einnahmen und Ausgaben, die auch nur mangelhaft dokumentiert waren. Einen großen Teil gab sie für sich selbst aus.

Statt zehn Prozent Zinsen erhielten die meisten Einzahler nach dem Bankrott lediglich noch zehn Prozent ihrer Einlagen. Um schätzungsweise 38 Millionen Gulden (456 Millionen Euro) soll Spitzeder Ahnungslose mit ihrem Schneeballsystem geprellt haben. Etwa 1500 Selbstmorde von bankrotten Anlegern sollen eine Folge sein. Nebel veranschaulichte seine Forschungen mit Bildern, Zeitungsausschnitten und anderen Dokumenten.

Teubner: "Ich hatte bisher gedacht, dass Charles Ponzi das Schneeballsystem so um 1920 erfunden hat, aber es ist offenbar älter." Sie zog Parallelen von Spitzeder zu Betrugsmaschen, die das Vogtland nach 1990 überschwemmten und der Region hunderte Millionen Euro und damit Finanz- und Wirtschaftskraft entzogen. Gleichzeitig empfahl sie, wachsam bei hohen Rendite-Versprechen zu sein. Dubiose Firmen, ein Verein, Schenkkreise und andere Geschäftsmodelle sind ihr in ihrer Tätigkeit zuhauf begegnet. Die Niedrigzinsphase lasse angepasste Modelle sprießen.

Mit Dekoration komplettierte Jörg Troidl vom Lengenfelder Hof den Abend. Er hatte die Figur eines Geldberaters an eine Tafel gestellt. Der rechnete den potenziellen Kunden das Wachsen ihres Kapitals vor, wenn sie es denn bei der eigens dafür gegründeten fiktiven Bank einzahlten. Der Abend, der vom Kulturbund Lengenfeld unterstützt wurde, war eine runde Sache, bei der Geschichte und Gegenwart, Kriminalität und Prävention eine thematische Einheit bildeten.

Freie Presse (31.05.2018)

Das war mein schönster Leseort

Glauser-Preisträger Roland Spranger war Gast der Krimi-Literatur-Tage Vogtland. Der Autor war wie die Gäste der Lesung vom Gärtnerhaus Mylau angetan. erschienen am 23.05.2018 Mylau. Die Teilnehmer an der Lesung am Pfingstsonntag im Mylauer Gärtnerhaus hatten Glück. Aufgrund der durchaus hohen Temperaturen konnte die Veranstaltung der Krimi-Literatur-Tage Vogtland im Kulturgarten hinter dem Haus stattfinden. Mit Vogelgezwitscher, strahlendem Sonnenschein und Blick zur Burg stellte Roland Spranger aus Hof seinen neuen Krimi "Tiefenscharf" vor.

Der Autor erwies sich dabei als charmanter Unterhalter, der schweren Stoff auf wohltuende Art zu vermitteln vermag. Im dritten Krimi des Glauser-Preisträgers geht es in zwei Handlungssträngen, die sich irgendwann kreuzen, um einen Drogendealer mit Nazihintergrund und einen alkoholabhängigen Video-Journalisten sowie die entsprechenden Damen dazu. "Tiefenscharf" erschien Anfang Februar im neu gegründeten Polar-Verlag, der - ähnlich dem amerikanischen oder dem französischen Polar - Krimis jenseits des Mainstreams herausgibt. Verleger Wolfgang Franßen geht es "um die Poesie des letzten Aufschreis". "Tiefenscharf" mit seinen zwielichtigen oder tragischen Gestalten, den verkorksten Beziehungen und Biografien mit Brüchen sowie der feinsinnigen Überzeichnung der realen Welt war der erste Krimi des Verlags, dem weitere folgen sollen. Das Buch wurde bereits in mehreren Feuilletons und im Bayrischen Rundfunk gut besprochen, was für ein großes Interesse am Verlag und am Verlagsstart spricht. Die Lesung mit Roland Spranger kam bei den Besuchern gut an.

Sabine und Hans Fischer vom Gärtnerhaus sorgten in bewährter Weise für die Verköstigung der Krimifreunde, mit Toter Oma (gebackenem Blut) und anderen Gerichten. Der zweite Teil der Lesung gehörte dem Kurzkrimi, den Roland Spranger genau so gut wie die Langform oder das Schreiben von Theaterstücken beherrscht. Als störend erwies sich dabei eine Drohne, die immer wieder über den Gästen kreiste, obwohl der Besitzer die Menschen auf seinem Monitor sehen musste und sicher weiß, dass das Fliegen über Personen nicht zulässig ist. Dennoch fiel das Fazit des Gastes positiv aus: "Das war mein schönster Leseort", erklärte Roland Spranger den Gärtnerhaus-Eigentümern bei der Verabschiedung. Die Krimi-Literatur-Tage gehen nun weiter mit Christiane Dieckerhoff in der Genusswerkstatt Schaller in Reichenbach. Die Lesung ist allerdings ausverkauft, genau wie die Veranstaltung am 31. Mai mit Romy Fölck und Angelique Mundt am Amtsgericht Auerbach. Für die anderen Veranstaltungen sind noch Karten vorhanden.

Freie Presse (23.05.2018)

Ausstellung zeigt Orgelbauer-Dynastie

Im Schloss Netzschkau können Besucher das Wirken der Familie Jehmlich nachvollziehen. Sie baute bedeutende Instrumente auch im Vogtland.

Die Sonderausstellung unter dem Titel "Jehmlich - eine Orgelbauerfamilie" ist seit gestern im Netzschkauer Schloss zu sehen. Die Schau vereint Ergebnisse von Recherchen des Buchautors Siegfried Meyer aus Zwickau mit Exponaten des Vogtländischen Orgelbaus von Thomas Wolf aus Limbach. Ausstellungsbesucher erfahren Fakten über Leben und Wirken der Orgelbauerfamilie Jehmlich, die bereits um 1800 als Gebrüder Gämlich in Neuwernsdorf bei Cämmerswalde nachgewiesen ist. Schon damals wurden die Fähigkeiten bei der Herstellung von Instrumenten erwähnt. 1818 bauten sie die Orgel von Lauenstein. Zwei Brüder gingen nach Dresden. Carl Gottlieb Jehmlich wurde in Zwickau ansässig und baute ab 1839 die große Orgel von St. Marien. Seine Söhne arbeiteten in der Werkstatt am Marienkirchhof. In der Ausstellung sind der Stammbaum der Familie und eine Übersicht über die Orgelneubauten zu sehen. Als Beispiele für den Jehmlich-Orgelbau werden die vogtländischen Jehmlich-Orgeln in Auerbach, Lengenfeld, Rodewisch und Wernesgrün angeführt. Erwähnung findet auch der Zwickauer Männergesangsverein Liederkranz, zu dessen prominenten Gründungsmitgliedern zwei Jehmlichs gehören und in dem Siegfried Meyer Mitglied ist.

In der Ausstellung stehen Orgelpfeifen verschiedener Größen, eine so hoch, dass sie vom Tisch bis fast an die Decke reicht. Auch Jehmlich-Pfeifen sind dabei, denn Thomas Wolf hat mehrere Orgeln der Gebrüder Jehmlich und von Carl Gottlieb Jehmlich restauriert, darunter in der Friedenskirche Aue, der Jakobuskirche Lunzenau und der St. Laurentius-Kirche Elsterberg. In den Vitrinen sind kleinere Teile ausgestellt. Es gab keine Vernissage zur Ausstellung. Dafür findet am 27. Mai, 15 Uhr, eine Veranstaltung mit Siegfried Meyer statt, in der er sich, sein noch im Druck befindliches Buch und seine Forschungen vorstellt. Die Ausstellung ist Bestandteil des Programms der Krimi-Literaturtage Vogtland, deren Organisatoren in jedem Jahr eine Sonderausstellung im Netzschkauer Schloss gestalten. Den Heimatforscher trafen sie bei einem Besuch zum 20-jährigen Geschäftsbestehen des Orgelbaumeisters Wolf, der seit Januar 2002 unter dem Namen Vogtländischer Orgelbau Thomas Wolf in Limbach firmiert. 1997 hatte er das Unternehmen des Greizer Orgelbauers Hartmut Schüßler gekauft, bei dem er auch tätig war.

An der Museumskasse ist die Jubiläums-CD der Limbacher Werkstatt erhältlich. Ausdrucke geben Auskunft zu 20 Jahren Bau und Sanierung durch die Meisterwerkstatt für historischen und zeitgenössischen Orgelbau unter der Ägide von Thomas Wolf. Das von Siegfried Meyer verfasste Buch zur Familie Jehmlich soll bald erscheinen. Geöffnet hat das Netzschkauer Schloss samstags, sonntags und an Feiertagen jeweils von 13 bis 17 Uhr.

Freie Presse (02.05.2018)

Autor rückt Klischees aus TV-Krimis zurecht

Der Schriftsteller Norbert Horst hat in der Kräutergärtnerei Sagan gelesen. Die Krimi-Literaturtage Vogtland feierten Bergfest. Von Petra Steps erschienen am 02.05.2018 Brockau. 15 Aktivitäten des diesjährigen Programms waren geschafft, ebenso viele liegen vor den Veranstaltern vom Förderverein Schloss Netzschkau und den Krimifans. Norbert Horst, der 2015 schon bei der Kriminacht im Schloss Netzschkau zu Gast war, kam mit seiner Frau Elke nach Brockau.

Elke Horst ist im therapeutischen Bereich tätig und berät ihren Mann auch in psychologischen Fragen. Beispielsweise sagte er, dass ihm die Aufstellung von Personen, die unter anderem durch das Familienaufstellen von Hellinger bekannt wurde, eine wesentliche Hilfe ist und manches Buch verändert hat. In Sachen Polizeiarbeit braucht der Kriminalhauptkommissar hingegen keine Anleitung. In diesem Metier kennt er sich aus, was seinen Büchern wie dem aktuellen Krimi "Kaltes Land" gut bekommt. Es geht um Bodypacking, um das Schmuggeln von Rauschgift im Körper, um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und alles, was Geld bringt. Die knapp 60 Zuhörer bekamen Hinweise zur Polizeiarbeit, mit denen der Autor einiges an TV-Krimi-Klischees zurechtrückte.

Das Kräuterbüfett der Familie Sagan komplettierte die Veranstaltung. "Ein wunderschöner Veranstaltungsort und ein super Publikum", fand Norbert Horst. Sieben Interessenten haben sich für die Wohnzimmerlesung beworben. Die Auslosung erfolgt nach dem Syndikats-Autorentreffen Criminale in Halle, zu dem die Organisatoren bis zum Sonntag weilen. Dort werden am Samstag die Glauser-Preise und der Hans-Jörg-Martin-Preis verliehen. Unter den Nominierten sind Monika Geier, die bei ihrer Lesung für eine ausverkaufte Vogtländische Buchhandlung sorgte und Alfred Bodenheimer, ein Krimis schreibender Professor für jüdische Religionsgeschichte und Literatur aus Basel und Jerusalem, der am 4. Juni im Zentrum für jüdisch-christliche Geschichte und Literatur Reichenbach zu Gast ist.

Freie Presse (02.05.2018)

Bei Krimiliteraturtagen wird's politisch

Autorin Jennifer Benkau liest aus "Es war einmal in Aleppo" - 60 Vogtländer dabei erschienen am 28.04.2018 Steinsdorf. Weil Jennifer Benkau im Jahr 2015 mehr Fragen als Antworten hatte, schrieb die Fantasy-Autorin aus Nordrhein-Westfalen erstmals ein politisches Jugendbuch: "Es war einmal in Aleppo". Darin setzt sie sich mit der sogenannten Flüchtlingskrise auseinander. Der auf Tatsachen beruhende Inhalt stand am Donnerstagabend im Zentrum der Krimiliteraturtage Vogtland. Welcher Ort könnte geeigneter sein als das Steinsdorfer Tanzstudio "Merhaba", dachten sich die Organisatoren um Melanie Tilch und Petra Steps. "Das Thema ist kompliziert, dennoch passe es hervorragend zum Motto "Licht und Schatten", so Steps.

Rund 60 Vogtländer lauschten, als Benkau las und von ihren persönlichen Erfahrungen mit Geflüchteten erzählte. In einer Notunterkunft hatte sie versucht, ihnen Deutsch beizubringen. Die Menschen hätten aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat verlassen, waren zum Beispiel wegen des Assad-Regimes oder des IS-Terrors aus Syrien geflohen. Oder wegen der Taliban-Diktatur aus Afghanistan.

Benkau hatte es bereits im Vorfeld der Lesung spannend gemacht - sodass zumindest die Umstände einem Krimi glichen. Zunächst verloste sie die Veranstaltung. Inspiriert von der Bundestagswahl, bei der die AfD in Sachsen viele Stimmen holte, habe sich die Schriftstellerin gesagt: "Da musst du mal hin." Dann war ihr Auto auf der Fahrt ins Vogtland kaputtgegangen. Sieben Minuten vor Beginn der Lesung kam sie an.

In Benkaus Roman wird eine 16-Jährige nach einem dreiwöchigen Urlaub in Dänemark ohne Internet und Fernsehen mit den zahlreichen "Asylanten" konfrontiert, die nun nebenan in einem Camp leben. "Sehr interessant", fand die Plauenerin Ursula Dziub die literarische Aufarbeitung. Auch Heidrun Döhler aus Rodewisch, treuer Gast bei der Reihe, war begeistert, sich dem Thema auf diesem Weg zu nähern. "Ich habe im Alltag keinen Kontakt zu Geflüchteten", so Döhler. Die Tänze von Melanie Tilch und ihren Schülerinnen lockerten die Lesung auf, ebenso orientalische Köstlichkeiten. Gestern Früh hat Benkau in einer Netzschkauer Schule aus ihrem Roman gelesen.

Freie Presse (28.04.2018) – Text: sasch

Bisher fünf Bewerber für Lesung im Wohnzimmer

Krimi-Literaturtage sind gut gestartet - Tickets teils schon ausverkauft

"Fünf von 30 Veranstaltungen der Krimi-Literaturtage Vogtland liegen bereits hinter uns", sagt Organisatorin Petra Steps. "Zufriedene Gäste, zufriedene Autoren, viele Partner - es läuft rund", zieht sie ein zufriedenes Zwischenfazit. In Greiz läuft bereits mit der Ausstellung und Wahl zum Bloody Cover 2018 die sechste Aktivität. Dort können Teilnehmer unter zwölf Büchern das attraktivste Cover wählen. Die Bücher sind in der Bibliothek ausgestellt. Dort liegen auch die Stimmzettel, Teilnehmer können Bücherpreise gewinnen. Mit dabei ist dort auch "Eleven", der Thriller von Leon Sachs, der im Mittelpunkt der Lesung am 19. April in der Salzgrotte Reichenbach steht.

Noch bis 30. April können sich Interessenten für die Wohnzimmerlesung bewerben, die anschließend verlost wird. "Es liegen bereits fünf Bewerbungen vor, so viele wie nie", sagt Petra Steps. Im Vorjahr gab es zwei Bewerber. Für die Veranstaltung heute bei Bestattungen Bögel in Plauen gibt es nur noch wenige Restkarten in der Buchhandlung Klüger Plauen. Christiane Fux wird dort ihre Bestatter-Krimis vorstellen. Die Lesung in der Vogtländischen Buchhandlung Reichenbach (11. April), die Premierenlesung mit Maren Schwarz (12. April, Auerbach) sowie Lesungen im Gärtnerhaus Mylau (20. Mai) und in der Genusswerkstatt Schaller Reichenbach sind ausverkauft (23. Mai). Ausgebucht ist auch die Veranstaltung am Amtsgericht Auerbach am 31. Mai. Für viele andere interessante Veranstaltungen gibt es jedoch noch Karten. (ur)

Freie Presse (07.04.2018)

Lauter gelungene Premieren

Mylau. Die Motive, die etwa 50 Besucher zur Lesung mit Clemens Meyer aus Leipzig in die Villa am Karl-Marx-Ring in Mylau lockten, waren ganz unterschiedlicher Art. Gäste aus Halle und dem Erzgebirge, Pädagogen und Freunde der Krimi-Literaturtage Vogtland kamen zuallererst wegen des Autors und der Lesung. Einige reizte das Haus, in dem erstmals eine literarische Veranstaltung stattfand, weil sie es aus Kindertagen kannten oder wissen wollten, wie es dort heute aussieht. Andere waren gekommen, weil Sara Grasnick sie persönlich eingeladen hat, darunter auch Mitarbeiter ihres Reichenbacher Lackierzentrums, die nicht unbedingt zur literaturverrückten Szene gehören, jedoch aufgeschlossen und neugierig sind.

Genau diese Verbindung von heterogenem Publikum mit dem besonderen Raum und einem preisgekrönten Schriftsteller machte den Reiz dieser Lesung aus, die die fünfte Veranstaltung der Krimi-Literaturtage Vogtland war und sich besonders dem Begriff Literatur im Rahmen der Krimitage widmete. Sie kam über persönliche Kontakte von Sara Grasnicks Mann Jan zu Clemens Meyer zustande und reiht sich ein in Lesungen mit anderen Autoren aus der krimifremden Szene, mit Arno Camisch, Susanne Schädlich, Mirjam Pressler, Chaim Noll oder Antje Babendererde.

Anders als angekündigt, stellte Clemens Meyer nicht "Gewalten" vor, sondern "Die Stillen Trabanten" und "Im Stein". Dabei las er zuerst Auszüge aus Kurzgeschichten, von einer Frau in roter Warnweste, von Gleisen und einem Bahnhof, von der Eckkneipe und den Kurzen, die über den Tresen gingen, vom Besuch eines Mannes bei einer Frau im trostlosen Kohlenviertel oder dem Argonauten Phineus, der auf die Erde zurückkehrte. Im zweiten Teil der Lesung stellte er eine Figur seines Romanes "Im Stein" vor, eine Prostituierte, die aus ihrem Leben und von ihrer Arbeit erzählte, unprätentiös, vielschichtig, ohne Blatt vom Mund.

Genau wie sein Buch "Als wir träumten" soll auch "Im Stein" verfilmt werden, jedoch als Serie. "Vier Stunden Film macht heute keiner mehr, schon wegen der Kosten, deshalb werden es mehrere Teile", erklärte der Schriftsteller, der gerade mit einem Regisseur am Drehbuch brütet. Er räumte ein, dass er diesen besonderen Leseabend so nicht erwartet hatte - Krimi und vogtländische Provinz, die ihm sofort bekannt vorkam, weil er vor Jahren in der Greizer Bibliothek las. "Ich lese manchmal nur 45 Minuten, heute war es deutlich länger, weil das Publikum mitging und das Ambiente super war", erklärte er nach fast 90 Minuten gekonnter Darbietung mit sonorer Stimme. Beim Signieren kam er mit Besuchern ins Gespräch. Das Ambiente: Es war die restaurierte Villa der früheren Textilfirma Schneider & Claviez, vielen aus DDR-Zeiten als Pflegeheim bekannt und seit dem Auszug der Futurum-Verwaltung nach neuer Bestimmung suchend. Selbst die Standuhr, die 20 Uhr achtmal schlug, unterstrich die besondere Stimmung des Abends, an dem die Besucher noch lange blieben, zum Glas Wein, zum Gedankenaustausch oder weil sie das Flair einfach genießen wollten. Dabei erinnerten sie sich an Besuche bei der Oma im Pflegeheim oder wie sie als Kinder den Patienten mit ihrem Gesang eine Freude machten, stellten Fragen zur Geschichte des Hauses oder unterhielten sich mit der Hauptperson Clemens Meyer, der zum Abschied sagte: "Hierher komme ich gern wieder.")

Freie Presse (31.03.2018)

Bestsellerautor Clemens Meyer kommt nach Mylau

Auftritt bei Krimi-Literaturtagen in Villa am Karl-Marx-Ring - "Gewalten: Ein Tagebuch" auf dem Programm erschienen am 27.03.2018 Mylau.

Die Veranstalter der Krimi-Literaturtage erwarten mit dem morgigen Auftritt des Bestsellerautors Clemens Meyer einen literarischen Höhepunkt im vogtländischen Festival. Der 1977 in Halle geborenen Schriftsteller präsentiert sich ab 19 Uhr in der Villa am Karl-Marx-Ring 22 in Mylau. Meyer lebt in Leipzig. 2006 erschien sein Aufsehen erregender Debütroman "Als wir träumten". Es folgten "Die Nacht, die Lichter. Stories", "Gewalten. Ein Tagebuch", der Roman "Im Stein" sowie die Frankfurter Poetikvorlesungen "Der Untergang der Äkschn GmbH". Für sein Werk erhielt Meyer zahlreiche Preise, darunter den Preis der Leipziger Buchmesse. "Im Stein"' stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis, wurde mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet und für den Man Booker International Prize 2017 nominiert.

Das Buch "Als wir träumten"' wurde im Jahr 2015 von Andreas Dresen verfilmt und lief dann im Wettbewerb der Berlinale. Im Frühjahr des vorigen Jahres sind die Erzählungen "Die stillen Trabanten" erschienen. Meyer wird aus seinem Buch "Gewalten: Ein Tagebuch" lesen. Der Klappentext gibt Auskunft zum Inhalt: Meyer schreibt ein Tagebuch über "die Gewalten unserer Zeit". Eine Stadt sucht ihren Mörder, Jubel beim Pferderennen, der beste Freund liegt im Hospiz. Ein Hund stirbt. Endlose Zahlenreihen fließen über einen Bildschirm in einer menschenleeren Fabrikhalle. Die psychiatrische Notaufnahme wird zur Endstation einer heillosen Nacht.

Die Veranstaltung eigne sich auch für Literaturfreunde, die sich nicht ausschließlich mit Krimi- und Spannungsliteratur identifizieren, so die Festival-Veranstalter. (fp)

Freie Presse (27.03.2018)

Kursus vermittelt biografisches Schreiben

Teilnehmerinnen aus dem gesamten Vogtland trafen sich in Reichenbach zur Schreibwerkstatt. Sie übten den Blick zurück. Reichenbach.

Die Schreibwerkstatt der Krimi-Literaturtage Vogtland hat am Samstag zehn schreibinteressierte Teilnehmer aus dem ganzen Vogtland in den Konferenzraum des Cafés Forbriger gelockt. Das Thema war nicht kriminell geprägt. Bettine Reichelt gab Anleitung zum biografischen Schreiben.

Die Theologin, Schriftstellerin, Lyrikern und Lektorin hat mehrere Biografien wie die des Komponisten Max Reger verfasst und selbst Weiterbildungen im biografischen Schreiben besucht. Sie hält öfter Schreibwerkstätten oder Vorträge und setzt sich dabei mit verschiedenen Aspekten des Schreibens aus- einander. Im September wird sie im Iran einen Vortrag über Biografik bei Karen Jeppe (1876-1935) halten. Die in Aleppo verstorbene Dänin hat nach dem Völkermord an den Armeniern ein armenisches Hilfswerk aufgebaut und die Biografien überlebender Frauen aufgeschrieben. Am Anfang der Schreibwerkstatt stand ein Exkurs in die Geschichte und die Theorie des biografischen Schreibens. Biografisches Schreiben stieg in der Beliebtheitsskala, als sich Biografien zu unterscheiden begannen und es Brüche in den Lebensläufen gab. "Als alle zusammen im Dorf lebten, musste man sich nichts übereinander erzählen", verdeutlichte Bettine Reichelt die Situation. Sie unterschied zwischen autobiografischen Schriften, die das eigene Ich widerspiegeln wie die Selbstbetrachtungen des römischen Kaisers Mark Aurel, und solchen, die Biografien anderer erhalten wie die von Karen Jeppe. Biografien stehen immer in Beziehung zu den gesellschaftlichen Bedingungen der Zeit, in der der betreffende Mensch lebte oder lebt. In verschiedenen Übungen setzten sich die Teilnehmer mit ihrem Namen auseinander, beschrieben bestimmte Situationen in ihrem Leben und wechselten dabei die Perspektive. Die älteste Teilnehmerin am Kurs las eine Erinnerung an den in Reichenbach geborenen Künstler Wolfgang Mattheuer vor, mit dem sie zufällig auf dem Marktplatz in Kontakt gekommen war, und brach dabei eine Lanze für das Bekenntnis der Stadt zu ihrem Sohn.

Die Teilnehmer bedankten sich bei Bettine Reichelt. Sie wünschten sich, dass solche Werkstätten mit sachkundiger Anleitung öfter stattfinden. Die Autorin erklärte, dass Anleitung nicht zum Nulltarif zu haben sei. Die Organisatoren der Krimitage setzen das durch Förderung und Unterstützung eingeworbene Geld bewusst für kulturelle Bildung und Weiterbildung ein und ermöglichen damit auch die Schreibwerkstatt, die seit 2012 regelmäßig im Rahmen des Projektes stattfindet. Ausverkauft bei den Krimi-Literturtagen sind bereits: die Lesungen der Autoren Maren Schwarz, Christiane Dieckerhoff, Roland Spranger und Monika Geier; noch wenige Karten sind verfügbar für Veranstaltungen im Amtsgericht Auerbach und bei Bestattungen Bögel in Plauen.

Freie Presse (27.03.2018)

Beim Schwitzen kam die geniale Idee

Sieben Autoren haben in Reichenbach ihre Kriminalerzählungen vorgestellt. Und erzählt, woher sie ihre Inspirationen schöpfen. Reichenbach. Im Alten Wasserwerk Reichenbach wurde am Freitagabend der neue kriminelle Freizeitplaner "Mörderische Prachtbäder" vorgestellt. Sieben der elf beteiligten Autoren waren anwesend - eine Anzahl, die so kaum wieder vorkommt, da die beteiligten Schriftsteller zwischen dem Vogtland, Mannheim und Leipzig leben. Gunnar Schuberth erzählte von seinen Saunaerfahrungen, die in die Aufgusszeremonie seines überwiegend in Bad Steben spielenden Krimis eingeflossen sind. Manfred Köhler erklärte, dass er gerade an einem Buch schrieb, in dem es einigermaßen zur Sache ging, als die Einladung für den Kurzkrimi eintraf. Seine Figuren sind quasi eine Auskopplung.

Dass er sich ausgerechnet Bad Lobenstein ausgesucht hat, hängt mit der Nähe zu seinem Wohnort Lichtenberg zusammen. Und mit Radtouren in die Gegend um Lichtenberg, auch zu dem gar nicht so verlassenen Lost Place Luisengrün, wo man gleichzeitig Familien mit Kinderwagen und mit Farbkugeln um sich ballernde Mannschaftsspieler treffen kann. Die in Jocketa aufgewachsene und jetzt in Leipzig beheimatete Theologin Bettine Reichelt gestand, dass zwischen Krimi und Kreuz gar keine so große Distanz ist, denn auch die Bibel enthalte krimitaugliche Geschichten. Roland Spranger aus Hof las anders als die meisten der Autoren nicht nur den Anfang seines Kurzkrimis, der in Franzensbad spielt. Er verriet das Ende, ließ den spannenden Mittelteil weg.

Die weiteste Anreise hatte Mitherausgeberin Friederike Schmöe, die aus Coburg stammt und in Bamberg lebt. "Bocklet ist kein Kurbad, sondern ein Dorf mit Zusatzfunktionen", lässt sie ihre Protagonistin sagen und erklärte entschuldigend: "Ich bin beim Recherchieren in den örtlichen Buchladen gegangen und habe mich mit dem Buchhändler unterhalten, um zu erfahren, wie die Leute dort ticken, was sie bewegt. Das Zitat stammt von ihm." Die Abschlusslesung gestaltete Christoph Krumbiegel aus Treuen, dem diese Rolle öfter zufällt. "Das hat den Vorteil, dass man den anderen zuhören und sich seine Gedanken machen kann", sagte er. Zum Beispiel habe er eine Erklärung, warum der Text von Manfred Köhler gar nicht grausam rüberkommt. "Das liegt an der fränkischen Aussprache", sagte er. "Dod" wurde rasch zum Wort des Abends.

"Eine wunderschöne Location für eine Premierenlesung", charakterisierte Friederike Schmöe den Lesungsort, der sonst für Veranstaltungen der Reihe "Live aus dem Wasserwerk" bekannt ist und schon öfter für Buchpräsentationen genutzt wurde. Auch Gäste aus Chemnitz staunten über den Ort, der von den Veranstaltern vom Förderverein Schloss Netzschkau für die Premierenlesung dekoriert und von der Kräutergärtnerei Sagan mit einem Pausen-Imbiss ausgestattet war. "Ich freue mich, solch aparte Kurzweil in Reichenbach erleben zu können", so Besucherin Conny Antelmann.

Freie Presse (26.03.2018)

Spiel und Spannung zum Krimi-Start

Die Neuauflage der Krimi-Literaturtage Vogtland startete im Sparkassensaal in Reichenbach mit einer Lesung von Isabella Archan. Ein Zahnarztstuhl spielte dabei auch eine Rolle. Reichenbach. Etwa 60 neugierige Zeugen hatte der fulminante Auftakt der Krimi-Literaturtage Vogtland 2018, bei dem Autorin Isabella Archan am Mittwochabend in der Sparkasse mehr eine "Spielung" als eine Lesung bot. Die durch Rollen in Film und Fernsehen bekannte Schauspielerin hatte keine Mühe, die Aufmerksamkeit des Publikums zu bekommen. Bärbel Perbandt stellte dabei fest: "Ich hatte mit einer Lesung gerechnet, das hier ist ein Ein-Frau-Theaterstück." Sie hat schon viele Veranstaltungen der vogtländischen Krimitage erlebt und freute sich über ihre erst wenige Stunden vor Beginn der Veranstaltung getroffene Entscheidung: "Wenn wir heute nicht gekommen wären, hätten wir etwas verpasst."

Isabella Archan hatte sich Bärbel Perbandts Ehemann Horst Perbandt als Spielpartner ausgewählt, der den Anweisungen geduldig folgte. Sie, die Zahnärztin, versuchte ihrem Patienten, dem Besucher, zu erklären, dass sie den falschen Zahn gezogen hat. Selbst bei diesem eigentlich ernsten Thema hatte sie die Lacher auf ihrer Seite. Das Thema Zahnarzt zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung, die wegen der erwarteten Besucherzahl im Sparkassensaal und nicht im Foyer der Zahnarztpraxis Kirsten stattfand. Die in Graz gebürtige und in Köln lebende Schauspieler schreibt seit einiger Zeit Krimis, in denen die Zahnärztin Dr. Leo die Hauptrolle spielt. Sie tragen so gruselige Titel wie "Tote haben kein Zahnweh" oder "Auch Killer haben Karies". Ende Juni erscheint Band drei unter dem programmatischen Motto "Der Tod bohrt nach".

In den Büchern sind die Angst vor dem Zahnarzt und die Angst vor Mördern mit einer kräftigen Portion Humor kombiniert, was ein spannend-gruseliges Vergnügen verspricht. Im Sparkassensaal war die Lesebühne mit Zahnarztstuhl, Behandlungseinheit und den allseits bekannten Leuchten ausgestattet, was die Zahnarztatmosphäre verstärkte. Die Sparkasse hatte neben Getränken auch knackige Äpfel für die Pause beigesteuert. Isabella Archan fasste zusammen: "Ein super Abend mit einem super Publikum, das toll mitgegangen ist." Die Veranstaltung reihe sich ein in die vielen "Mordslesungen", die sie im Jahr absolviere. "Das Publikum reagiert überall ein wenig anders. Hier haben einige bei den Varianten richtig mitgespielt", sagte sie zu einer Szene, in der sie die frisch gebackene Witwe gab, mal traurig, mal kämpferisch, mal liebend, mal betont falsch. Ihre Schauspielkunst lässt sich einfach nicht verleugnen, auch wenn sie gewollt übertrieb. "Allerdings hat mir mal eine Besucherin erzählt, dass es ihr nach dem Tod ihres Mannes genau so ging. Sie habe überlegt, wie sie auf andere wirken soll. Das gab mir dann doch zu denken", sagte Isabella Archan..

Freie Presse (23.03.2018)

Start mit "Auch Killer haben Karies"

Die Krimi-Literatur-Tage Vogtland 2018 stehen in den Startlöchern. Morgen ist Auftakt. Und am Freitag ruft eine Premiere. erschienen am 20.03.2018 Reichenbach. Morgen ist es so weit. Die 12. Krimi-Literatur-Tage Vogtland beginnen. 30 Termine und mehr als 40 Mitwirkende bietet Vogtlands größtes Lesefestival bis zum 9. Juni. Zum Auftakt kommt ein bekanntes Gesicht nach Reichenbach: die Schauspielerin und Krimi-Autorin Isabella Archan. Sie gastiert 19 Uhr im Saal der Sparkasse Vogtland, Postplatz 3.

Isabella Archan wurde 1965 in Graz geboren. Nach Abitur und Schauspieldiplom folgten Theaterengagements in Österreich, der Schweiz und in Deutschland. Seit 2002 lebt sie in Köln, wo sie eine zweite Karriere als Autorin begann. Neben dem Schreiben ist Archan in Rollen in TV und Film zu sehen, unter anderem im Kölner "Tatort", in der Serie "Lindenstraße" und in "Diese Kaminskis", sowie mit eigenen Programm zu ihren Krimis auf der Bühne. Nach Reichenbach bringt sie ihren zweiten Zahnarztkrimi "Auch Killer haben Karies" mit. Der dritte Band erscheint im Herbst. Die Lesung ist zugleich die 300. Veranstaltung im Rahmen des Projektes Krimi-Literatur-Tage Vogtland. Achtung: Der Zugang zum Saal ist nur über das Parkdeck und die Zufahrt an der Bahnhofstraße möglich. Bitte die große Metalltreppe nutzen. Barrierefreier Zugang ist über den Aufzug möglich.

Tickets für 7,50 Euro in der Zahnarztpraxis Kirsten, Stockmannstraße 1, 08468 Reichenbach, Telefon 03765 3878800, Reservierung unter 0177 3051990 (begrenzte Gästezahl).

Am Freitag, 23. März, 19 Uhr folgt im Alten Wasserwerk im Park der Generationen in Reichenbach die erste Premiere. Friederike Schmöe und Petra Steps haben den Band "Mörderische Prachtbäder" herausgegeben, deshalb heißt die Veranstaltung Herausgeberinnen-Premiere. Sie stellen das Buch mit weiteren fünf Autoren vor. Insgesamt waren elf Autoren beteiligt. Der Band enthält elf Kurzkrimis und 125 Freizeittipps. Der Themenband ist quasi die Fortsetzung von "Wer mordet schon im Vogtland" und "Wer mordet schon im Erzgebirge" (seit der dritten Auflage "Mörderisches Erzgebirge") bei Petra Steps und "Wer mordet schon in Franken" bei Friederike Schmöe sowie das erste gemeinsame Projekt der beiden Autorinnen, dem 2019 ein Lieblingsplätze-Projekt folgt.

Tickets zum Preis von 9 Euro inklusive Pausen-Snack an der Abendkasse sowie unter www.krimi-literatur-tage.de

Die aus Jocketa stammende und in Leipzig lebende Theologin, Autorin und Lektorin Bettine Reichelt gibt am Samstag, 24. März, 10 bis 13 Uhr bei der Schreibwerkstatt im Untergeschoss von Forbriger "Süß trifft herzhaft" im Rundbau Erich-Mühsam-Straße 2 in Reichenbach Tipps für Teilnehmer mit und ohne Schreiberfahrung. Thema ist biografisches Schreiben, wobei es nicht unbedingt um die eigene Biografie gehen muss, sondern auch um fremde oder die fiktive Beschreibung von Personen. Die Schreibwerkstatt ist als Mehrgenerationenprojekt angelegt. Teilnehmer zwischen 9 und 99 Jahren sind willkommen. (fp) Gebühr 5 Euro (Schüler, Studenten, Azubis frei), Reservierung: Ruf 037675 305199 oder 0177 3051990 sowie E-Mail info@krimitage-vogtland.de (extrem begrenzte Anzahl).

Freie Presse (20.03.2018)

KRIMI-TAGE STARTEN MIT MORD BEIM ZAHNARZT

Als wenn ein Zahnarztbesuch für viele nicht schon schrecklich genug wäre, nun passiert dort auch noch ein Mord!

Mit der Lesung aus dem Kriminalroman "Auch Killer haben Karies" starten die KrimiLiteraturTage Vogtland am 21. März um 19 Uhr in der Reichenbacher Sparkasse. Das größte Literatur- und Lesefestival der Region gibt es seit 2007. Der Auftakt 2018 ist bereits die 300. Veranstaltung dieser Serie. 28 Lesungen und Events von Auerbach bis Greiz folgen bis zum 9. Juni. Das Festival zählt 30 Veranstaltungen mit 40 Mitwirkenden. Im Sammelband "Mörderische Prachtbäder" (23. März, 19 Uhr, Altes Wasserwerk in Reichenbach) geht es unter anderem um einen Kadaver in der Mineralquelle. Ein spezielles Ambiente bietet die Lesung "Kriminelles aus dem Penthouse" am 24. März um 18.30 Uhr: Autorin Heike Köhler-Oswald spricht im noch nicht bezogenen Wohn- und Ärztehaus am Solbrigplatz in Reichenbach. Eine Schreibwerkstatt für Biografien am 24. März um 10 Uhr im Café Forbriger in der Reichenbacher Erich-Mühsam-Straße rundet das Programm ab. Alle Infos auch zu den Tickets unter: www.krimi-literatur-tage.de

Tag24 (20.03.2018) – Text: Bernd Rippert

Gänsehaut vor Freude

Klangvolle Namen, exotische Orte, spannende Geschichten: Die 13. KrimiLiteraturTage Vogtland laden vom 21. März bis 9. Juni zu 30 Veranstaltungen ein – von Greiz über Reichenbach bis Plauen, von Auerbach über Oelsnitz bis Hof. Angefangen hatte alles 2003 mit einer Ausstellung vogtländischer Bücher der Nachwendezeit in Netzschkau. Daraus wurde ein Krimi-Stammtisch und eine säch- sische Kriminacht gefolgt von ost- deutschen und schließlich vogt- ländischen Krimi-Tagen. Motor des kriminellen Tuns ist Petra Steps, unterstützt vom Förderver- ein Schloss Netzschkau. Der Vogtland- Anzeiger sprach mit der 58-jährigen Journalistin und Krimi-Autorin.

Frau Steps, auf welche Autoren und „Vorleser“ dürfen sich die Krimifreunde des Vogtlands freuen?

Die Schauspielerin Isabella Archan ist immer wieder im TV zu sehen – in Tatort oder Lindenstraße. Sie hat einen Zahnarztkrimi geschrieben: Wegen Platzmangels können wir nicht in einer Praxis lesen, son- dern in der Reichenbacher Sparkasse Das wird übrigens unsere 300. Lesung der Krimitage sein. Der preisgekrönte Clemens Meyer kommt und bringt „richtige“ Literatur mit. Schauspieler Christian Redl liest Storys wahrer Kriminal- fälle. Ulrich Stoll, der Beiträge für Frontal 21 filmt, liest aus seinem ersten Krimi. . .

Haben Sie auch ein neues Buch, das Sie vorstellen?

Mit Friederike Schmöe stelle ich ein Buch vor, das wir mit fünf Autoren geschrieben haben: Der Band enthält elf Kurzkrimis und damit 125 zusammenhängende Freizeittipps. Ich habe mich mit Bad Elster beschäftigt, der Treuener Apotheker und Autor Chris- toph Krumbiegel war in Bad Brambach unterwegs. . .

Wo wird denn überall gelesen?

Wir suchen – wo immer möglich – ausgefallene Orte, wo normaler- weise keine Lesungen stattfinden – wie das Küchenstudio Geipel in Theuma. Diesmal ist auch das Bestattungsinstitut Bögel in Plauen Austragungsort und ein unbekanntes privates Wohnzimmer, für das man eine Lesung gewinnen kann. Um die Vielfalt deutlich zu machen will ich noch auf Alfred Bodenheimer hinweisen, einen Professor für jüdische Literatur aus Basel, der jetzt auch Krimis schreibt – und mit koscherem Essen versorgt werden will. ufa

Vogtland Anzeiger (15.03.2018) – Text: Gufal

Krimi-Literatur-Tage: Spannung mit Genuss und Killer-Karies

Der Ticketverkauf für Vogtlands größtes Lesefestival läuft. Die zwölfte Auflage der Reihe bietet einen mit Premieren gewürzten Veranstaltungs-Mix, den Akteure wie Luci van Org oder "Frontal 21"-Mann Ulrich Stoll garnieren. Netzschkau. Ob gedruckt, im Fernsehen oder in Netflix-Formaten: Krimis sind mehr denn je das Salz für die Alltagssuppe. Bei den vom Netzschkauer Schlossförderverein ausgerichteten Krimi-Literatur-Tagen kommen auch in der zwölften, vom 21. März bis 9. Juni dauernden Auflage Freunde des gesprochenen Krimi-Wortes auf ihre Kosten - im Vorjahr waren das mehr als 2000 Gäste bei dem größten Lesefestival des Vogtlands. "Die Besucher honorieren unser Konzept, einzigartige Veranstaltungen an besonderen Orten anzubieten. Daran halten wir fest", sagt Petra Steps vom Organisationsteam und informiert über den Start des Kartenverkaufs. Seit einigen Tagen sind die 30 Veranstaltungen mit mehr als 40 Mitwirkenden buchbar.

Wie stets macht das Krimi-Genre den Schwerpunkt der Veranstaltungen aus, aber auch Lesungen in den Bereichen Belletristik und Sachbuch bilden den universellen Anspruch des Festivals ab. Zudem sorgen Sparten wie Tanz und Schauspiel bis hin zur mittlerweile 13. Kriminacht und eine Schreibwerkstatt für ein breitgefächertes Angebot. Und das bietet von der großen Bühne der Vogtlandhalle Greiz (Schauspieler Christian Redl liest True-Crime) über exotische Orte wie die Salzgrotte Reichenbach bis hin zur Studio-Atmosphäre etwa bei Küchen Geipel in Theuma Spannung, Anspruch und Genuss - auch in Form von kulinarischen Extras. "Wir bieten wie stets mit unseren Partnern viele kleine, eher familiär geführte Veranstaltungsorte an, bei denen das Essen inklusive ist. Gerade da ist es wichtig, rechtzeitig den Vorverkauf zu nutzen", informiert Petra Steps.

Das gilt auch für die neuen Partner wie Bestattungen Bögel Plauen (Autorin Christiane Fux liest bei ihrem Vogtland-Debüt aus ihren Bestatter-Krimis), die Villa am Karl-Marx-Ring Mylau (der vielfach preisgekrönte Literat Clemens Meyer lässt dort die unheimlichen Gestalten seines "Gewalten"-Tagebuchs auferstehen) oder die Reichenbacher Genuss-Werkstatt Walter Schaller. Neu wie einmalig ist das Penthouse des neuen Wohn- und Ärztehauses in Reichenbach. Bevor dort Heike Köhler-Oswald beklemmende Einblicke in eine Wohngemeinschaft gewährt, öffnet sich das Penthouse mit seiner fantastischen Aussicht auf die Stadt letztmalig bei einem Tag der offenen Tür - dann bleibt das exklusive Vergnügen dem glücklichen Mieter der Wohnungsbaugesellschaft vorbehalten.

Solche exklusiven Angebote erhalten die Macher der Reihe jetzt häufiger. "Wir haben besonders in Reichenbach mehr Anfragen als Veranstaltungsmöglichkeiten, da ja unsere treuen Partner weiter zur Stange halten", sagt die Projektkoordinatorin. Zu den Wiederholungstätern, die ihr Zehnjähriges feiern, gehören etwa das Gärtnerhaus Mylau, der "Lengenfelder Hof" oder das Schloss Treuen. Und natürlich das Publikum. "Viele der Gäste können wir persönlich begrüßen. Sie kommen aus dem ganzen Vogtland", erzählt Petra Steps von positiver Resonanz.

Die dürfte es auch im Hinblick auf die Premieren der zwölften Auflage geben. Etwa wenn "Lindenstraße"-Schauspielerin Isabella Archan die Krimi-Literatur-Tage eröffnet - es ist die 300. Veranstaltung der Reihe. Die schreibende Mimin liest im Reichenbacher Sparkassen-Saal aus "Auch Killer haben Karies" - in einem Zahnarztstuhl sitzend. Ein weiterer Neuling stellt sich mit "Frontal 21"-Redakteur Ulrich Stoll in der Jürgen-Fuchs-Bibliothek vor. Eine andere Zugnummer dürfte Clemens Meyer in der Mylauer Villa sein. Dessen Verpflichtung war nur über gute persönliche Kontakte eines Sponsors möglich. Hoch in der Gäste-Gunst rangiert sicher auch die Premiere von Heike Teubner von der Verbraucherzentrale Auerbach. Die Büroleiterin wirft sich mit Autor Julian Nebel (Reich durch Gaunerei - die Erfinderin des Schneeballsystems Adele Spitzeder) die Bälle zu.

Petra Steps selbst gestaltet eine Buch-Premiere - als Herausgeberin und Autorin des elf Wellness-Krimis vereinenden Buchs "Mörderische Prachtbäder" - natürlich mit Abstechern in die vogtländischen Bäder. Auch Maren Schwarz reiht sich mit "Insellüge" ins Premieren-Personal ein. Die Rodewischer Autorin lässt im bereits ausverkauften Weinkeller einer Zahnarztpraxis in Auerbach ihr Zyankali wirken. Wer eher mit Monstern etwas anfangen kann, ist auf Schloss Voigtsberg richtig. Dort gehen Ulf Torreck und die einst schillernd-schrille Musikerin Luci van Org auch der Frage nach, wer der Katze den Kopf abgebissen hat. Wer mehr wissen will: www.krimi-literatur-tage.de

Freie Presse (15.03.2018) – Text: Gerd Möckel

Tot gekurt

Elf Krimis zwischen Soletherme und Moorbad: Das Buch "Mörderische Prachtbäder" gehört zum neuesten Streich der vogtländischen Autorin Petra Steps. Zum Schreiben von Krimis kam sie auf Umwegen. Von Katrin Mädler erschienen am 15.03.2018 Im vogtländischen Kurort Bad Elster stimmt etwas nicht: Zwei Möchtegern-Detektivinnen verfolgen ein Liebespaar, das sich heimlich trifft und im Schutz der historischen Gebäude seine Zeit genießt, während Ehepartner zu Hause nichts ahnen. Dann ein Mord im Moor. Spannend, ironisch, aber in stilvoller Atmosphäre gestaltet Petra Steps ihren Kurzkrimi "Nobbis Schatten", der in dem Band "Mörderische Prachtbäder" zu finden ist - herausgegeben hat sie den mit der fränkischen Autorin Friederike Schmöe. Die Geschichten von insgesamt elf Krimischreibern ergeben einerseits eine Art mörderisch-literarischen Reiseführer, spielen in sächsischen, bayerischen, thüringischen und tschechischen Kurbädern und weisen über Fußnoten auf die wichtigsten Sehenswürdigkeiten hin. Aber sie sind kein plumper Marketing-Versuch. Sie nehmen die Wellness-Industrie aufs Korn und lassen ihre Figuren an ihr scheitern - von der Diagnose (meist Burnout) bis zur Behandlung, bei der die Heilwasser boshafte Titel wie "Rostwasser" erhalten. Geschmeckt jedenfalls haben sie keiner Figur.

Die Geschichten aber sind ganz nach dem Geschmack der Mit-Herausgeberin Petra Steps. "Mich reizt die Verbindung von Literatur mit schönen, auch ungewöhnlichen und auf alle Fälle besonderen Orten", meint die 58-Jährige, die in Netzschkau zu Hause ist. Dazu gehören die mitteleuropäischen Kurorte mit ihrer besonderen Architektur und natürlich den Menschen, die in Karlsbad, Bad Kissingen und den anderen Stätten Zuflucht suchen: stressgeplagt, neurotisch oder doch zumindest mit irgendeinem Problem behaftet - körperlich oder seelisch.

Wie besonders die Orte bei Petra Steps sein dürfen, zeigen die anstehenden Krimiliteraturtage Vogtland ab dem 21. März, die sie zum 12. Mal organisiert: Erstmals wird auch in einem Bestattungsinstitut gelesen. "Über den Tod wird zu wenig gesprochen, dann haben wir mit ihm zu tun und können schwer damit umgehen." Zum Krimi-Schreiben kam die Journalistin durch Zufall. Geholfen hat auch das Philosophie-Studium in den 1980er-Jahren in Leipzig: "Ich habe gelernt, auf eine gewisse Art zu denken, eine Sache aus sich heraus zu entwickeln." Ihre Arbeit für den Förderverein Schloss Netzschkau brachte sie mit Krimiautoren zusammen - ein funktionierendes Netzwerk entstand; das alte Gebäude aus der Spätgotik wurde zum Geburtsort vieler mörderischer Veranstaltungen. Für ihre Regionalkrimis recherchiert Petra Steps oft vor Ort. "Einmal habe ich in einen Bergwerkssee geblickt und mir vorgestellt, dass von unten ein totes Gesicht hochschaut. Daraus entstand eine Geschichte". Die Leichtigkeit verlieren ihre Krimis nie. "Humor ist wichtiger als grausame Effekthascherei." Das zeigt "Nobbis Schatten": Die beiden Detektivinnen gehören dem Netzwerk "Kurschatten" an, einer Sittenpolizei für Kurbäder, die zurückgebliebene Ehepartner anheuern können. Auch eine App hat das Netzwerk, mit dem doppeldeutigen Namen SPAßbremse. www.krimitag-vogtland.de

Freie Presse (15.03.2018)

12. Krimiliteraturtage Vogtland beginnen am 21. März

Greiz. Am 21. März starten die Krimiliteraturtage Vogtland 2018. Die 12. Auflage steht unter dem Motto „Licht & Schatten“.

„Gerade im kriminellen Bereich steckt viel Schatten. Wir wollen aber auch das Licht zeigen, in der Auseinandersetzung mit Alltagsthemen oder mit Dingen, die Lichtblick für Menschen in den schwersten Stunden ihres Lebens sind“, so die Veranstalter. Längst können sie nicht mehr alle Wünsche von Autoren und Veranstaltungsorten erfüllen. Geplant sind 30 Aktivitäten, davon 29 öffentlich, inklusive Blutspende und einer Ausstellung im Schloss Netzschkau vom 1. Mai bis 10. Juni.

Neue Veranstaltungsorte sind zum Beispiel das Bestattungsunternehmen G. Bögel Oberer Graben in Plauen und die Genusswerkstatt Schaller in ­Reichenbach. Zehn Jahre dabei sind Küchen Geipel, das Gärtnerhaus, der Lengenfelder Hof, das Schloss Treuen. Zum zehnten Mal wird zur Blutspende eingeladen. „Killer mit Karies“ heißt es beispielsweise am 21. März, um 19 Uhr im Saal der Sparkasse Vogtland, Reichenbach ­(Zugang über das Parkdeck). Man stelle sich vor: Man sitzt beim Zahnarzt und etwas stimmt hier einfach nicht. Man besucht die neuen Nachbarn und öffnet die falsche Tür. Der Abend wird zu einer Reise in die dunklen Ecken der menschlichen Seele, gespickt mit Nervenkitzel und jeder Menge Humor. Dazu gibt es exklusive Ausschnitte aus dem Kriminalroman „Auch Killer haben ­Karies“.

Eine Mords-Theater-Lesung mit kleinen Überraschungen in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Vogtland und Zahnärzte Kirsten. Täter ist ­Isabella Archan. Der vielfach preisgekrönte Schriftsteller Clemens Meyer kommt am 28. März um 19 Uhr in die Villa am Karl-Marx-Ring Mylau. „Gewalten unserer Zeit“ ist der Abend betitelt. Meyer schrieb ein Tagebuch über die Gewalten unserer Zeit: Eine Stadt sucht ihren Mörder, Jubel beim Pferderennen, der beste Freund liegt im Hospiz, ein Hund stirbt. Endlose ­Zahlenreihen fließen über einen Bildschirm in einer ­menschenleeren Fabrikhalle. Die psychiatrische Notaufnahme wird zur Endstation einer heillosen Nacht. Roh, unheimlich und geheimnisvoll ist die Welt, durch die wir täglich gehen. Clemens Meyer entwirft Szenen von großer poetischer Kraft und verstörender Klarheit. Er erzählt von Alpträumen, jubelnder Euphorie und dem Irrwitz unseres Lebens. „Irgendwann tauchte er in meinem Kopf auf: Theo Matthies, ein Arzt in Hamburg-Wilhelmsburg, der nach dem Tod seiner Frau doch noch ins familieneigene Bestattungsinstitut eingestiegen ist. Und da habe ich gewusst, die Zeit ist reif für ein Buch“, sagte Autorin Christiane Fux beim ersten Band ihrer Theo-Matthies-Reihe. Inzwischen sind vier Bände erschienen und Christiane Fux kommt mit ihren Bestatter-Krimis zum ersten Mal ins Vogtland: am 7. April ins Bestattungshaus Bögel Plauen. Für das Unternehmen ist diese Lesung die erste im Rahmen der Krimiliteraturtage.

Die diesjährige Sonderausstellung ist der Zwickauer Orgelbauerfamilie Jehmlich gewidmet, zu der Siegfried Meyer jahrelang geforscht und seine Erkenntnisse in einem Buch zusammengefasst hat, das bei uns Premiere feiert. In Bild und Text werden die Orgelbauerfamilie und die vogtländischen Jehmlich-Orgeln vorgestellt. Die Text- und Bildtafeln werden durch einige Exponate vom Vogtländischen Orgelbau Thomas Wolf ergänzt. Zu sehen ist sie im Schloss Netzschkau vom 1. Mai bis 10. Juni.

OTZ (10.03.2018)

Krimi-Literaturtage: Jede Menge Spannung über und unter Tage

Netzschkau. Wer sich nicht für Krimis interessiert, aber Spannung liebt, kommt bei den am 29. März startenden 11. Krimi-Literatur-Tagen Vogtland voll auf seine Kosten. Etwa ein Viertel der 30 Veranstaltungen des größten Literatur- und Lese-Festivals im Vogtland hat mit dem Krimi lediglich das Spannungspotenzial gemein. "Auch in dieser Hinsicht haben wir ganz packende Angebote im Programm. Ich denke, es ist für jeden Geschmack etwas dabei", sagt Petra Steps vom Krimi-Projektteam im Hinblick auf Lesungen, musikalisch und kulinarisch umrahmte Veranstaltungen, Ausstellungen an bewährten und neuen, teilweise spektakulären Tatorten - wie dem selten zugänglichen, einst als Luftschutzkeller genutzten Felsenkeller der Sternquell-Brauerei oder der Sparkasse Reichenbach (inklusive Führung Tresorkeller).

Ebenfalls neuer Tatort und Arena gleich für ein Thema mit Sprengkraft ist das Reichenbacher BSW-Bildungszentrum, in dem mit "Tatort Krankenhaus: Wie ein kaputtes System Misshandlungen und Morde an Kranken fördert" die These diskutiert wird, im profitorientierten Gesundheitswesen bleibe der Patient auf der Strecke. Wie im Krimi spannend dürfte auch der Auftritt von Christiane Heinicke im Planetarium Rodewisch werden. Die Physikerin gehörte als einzige Deutsche zu einem Nasa-Mars-Projekt auf Hawaii - ein Jahr war sie mit weiteren Wissenschaftlern Versuchskaninchen in einer Mars-WG.

Die heftig umworbene Autorin steht zudem für einen hohen Frauenanteil der elften Festivalauflage, in der es überdies nur so von schillernden und TV-prominenten Autoren wimmelt. Da ist zum Beispiel Frauenschwarm und "Tatort"-Kommissar Miroslav Nemec, den es in die Vogtlandhalle Greiz verschlägt. Nemec lässt sich dort in "Die Toten von der Falkneralm" selbst ermitteln - sehr humorvoll und sicher vor großem Publikum. Sich selbst mal auf die Schippe nehmen - das kann auch Kai Hensel ("RTL Samstag Nacht"), der zu seiner Thriller-Lesung "Bist du glücklich?" in Reichenbach mit dem Fahrrad anreist - aus Berlin. Das Glück des Verzichts kennt auch Katharina Finke, die als freie TV-Korrespondentin allem Besitz abgeschworen hat und weltreisend aus dem Koffer lebt. Wie das geht, darüber redet sie im Tanzstudio Merhaba in Plauen-Steinsdorf.

Die Liste der vorlesenden Autoren, die auch etwas zu sagen haben, ist lang. Genannt werden muss unbedingt Titus Müller, der mit Christa Roth das ergreifende "Geigen der Hoffnung" über einen Mann geschrieben hat, der Geigen von Holocaustopfern restauriert. Nicht zuletzt bietet die in der Krimi-Nacht ("Soko Leipzig"-Schauspieler Steffen Schroeder reist gleich mit Frau und Söhnen an) auf Schloss Netzschkau kulminierende Veranstaltung auch wieder vogtländischen Autoren eine Bühne. Ausstellungen wie "Bloody Cover" runden das Angebot ab.

Freie Presse (07.03.2017) – Text: Gerd Möckel

"Freie Presse"-Buch holt den Sieg

Für "Wunderschönes Vogtland" erhielt Hans Jakob aus Schöneck die meisten Stimmen. Er nahm zur Preisverleihung in der Kapelle Neuensalz Glückwünsche entgegen.

Schöneck/Neuensalz. "Es muss ein mörderisches Jahr gewesen sein." Mit diesem Satz leitete Frieder Spitzner von der Vogtländischen Literaturgesellschaft Julius Mosen am Sonntag die Verkündung der Bestplatzierten des Literaturwettbewerbes Vogtlands Lieblingsbuch 2015 in der Kapelle Neuensalz ein. Von insgesamt acht Krimis platzierten sich drei ganz weit vorn in der Endabrechnung. Die Netzschkauer Autorin Petra Steps landete gleich mit zwei Büchern auf dem vierten Platz. Zwischen "Vogtländisches Blutbad" und "Wer mordet schon im Vogtland" lag nur eine Stimme dazwischen. Autorenkollegin Maren Schwarz aus Rodewisch heimste mit ihrem Kriminalroman "Inselfeuer" ebenfalls jede Menge Stimmen ein. Nach der Auszählung kam ihr spannendes Werk auf Platz drei.

Unter dem Titel "Wunderschönes Vogtland" wurde diesmal ein Bildband mit Fotografien von Hans Jakob zu Vogtlands Lieblingsbuch gekürt. Es ist im Chemnitzer Verlag, dem Buchprogramm der "Freien Presse", erschienen. Der Schönecker Jakob fing die herbe Schönheit - Bekanntes und Verborgenes - seiner Heimat mit der Kamera ein. Die passenden Worte zu den Fotografien jenseits der Postkarten-Romantik verfasste der Plauener Lutz Behrens.

Ein Band mit den bekannten Vater und Sohn-Geschichten des Karikaturisten Erich Ohser kam auf den zweiten Platz. Viel Beifall bekam auch die 91-jährige Autorin Elfriede Voigt aus Netzschkau. "Nach Haus" nennt sich ihre sehr persönlich eingefärbte Geschichte. Zur Auszählung kamen insgesamt mehr als 1000 Stimmen aus dem Vogtland zusammen.

Die Preisverleihung war gleichzeitig Startschuss für die zehnte Auflage des Literaturwettbewerbes. Den Besuchern in der Kapelle wurden 60 Bücher präsentiert. Vor Ort konnten sie ihre Favoriten auf den neuen Stimmzetteln angeben. In den nächsten Wochen und Monaten liegen die Publikationen in neun Bibliotheken der Region zur Abstimmung aus. Ab 13. März macht der Wettbewerb in der Auerbacher Stadtbibliothek Station.

Freie Presse (08.03.2017) – Text: Thomas Voigt

Wettbewerb um schönstes Krimi-Cover

Die Greizer Stadt- und Kreisbibliothek beteiligt sich an einer bundesweiten Literatur-Aktion. Weitere Ausrichter befinden sich beispielsweise in Berlin, Hamburg und Köln.

Greiz/Netzschkau. Dem Team der Krimi-Literaturtage ist es gelungen, die Ausstellung für den Wettbewerb "Bloody Cover" erstmals ins Vogtland zu holen: Die Weichen dafür wurden beim Auftritt von Angela Eßer voriges Jahr in Theuma gestellt. Sie organisiert den Wettbewerb im Auftrag der Krimi-Autorenvereinigung Syndikat zusammen mit den Verlagen. Dabei geht es nicht um das beste Buch oder den erfolgreichsten Autor, sondern um das schönste Buch der Krimisparte. Bewertet wird lediglich das Cover. Das soll originell, stimmig und markant sein. Man muss das Buch also nicht gelesen haben, sondern lediglich einen aufmerksamen Blick auf den Einband werfen.

Die zwölf nominierten Bücher trafen bereits in der Stadt- und Kreisbibliothek Greiz ein. Bibliotheksleiterin Corina Gutmann und ihr Team haben nun die Ausstellung gestaltet, die Plakate aufgehängt und die Stimmzettel kopiert. Jetzt kommt es darauf an, dass so viele Bibliotheksbesucher wie möglich einen Stimmzettel ausfüllen.

Ein so kleiner Ort wie Greiz im Vogtland ist für diesen Wettbewerb schon etwas Besonderes: "Ich finde die Ausstellung super toll, vor allem wenn ich die anderen Orte anschaue und dann dazwischen die kleine Greizer Bibliothek sehe. Wir wollen eine möglichst hohe Zahl an Stimmzetteln zusammenbekommen und zeigen, dass nicht die Größe eines Ortes entscheidend ist", sagte die Bibliothekschefin. Neben Greiz gibt es analoge Bücherausstellungen zur Wahl des besten Covers in der Humboldt-Bibliothek in Berlin, in der Bücherhalle Barmbek in Hamburg, im Kriminalhaus Hillesheim/Eifel, in der Zentralbibliothek Köln oder in der Hauptbücherei Wien und der Pestalozzi-Bibliothek Zürich. In Ostdeutschland ist lediglich die Bibliothek Leipzig-Grünau/Nord beteiligt. Zudem kann wie jedes Jahr in der Criminale-Region beim größten deutschen Krimi-Autoren-Festival abgestimmt werden. Und das ist diesmal Graz in Österreich, nicht zu verwechseln mit der vogtländischen Aussprache von Greiz. Die Bücher gehen anschließend in den Bestand der Bibliothek ein. Darunter sind Bücher bekannter Autoren wie Sebastian Fitzek, Thomas Raab, Dora Heldt oder Andreas Gruber, aber auch Bände weniger bekannter Autoren wie Sandra Dünschede oder Volker Dützer.

Damit die Greizer möglichst viele Stimmen zusammenbekommen, hat sich Corina Gutmann einige Aktionen ausgedacht. Beispielsweise nimmt sie ein Plakat mit Coverausdrucken zu Resozialisierungsprojekten in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Hohenleuben mit. Dort wird zurzeit ein Film über den Ex-Profiboxer Charly Graf gedreht, der in der JVA Workshops leitet. Mit künstlerisch begabten Häftlingen, die auch Texte selbst schreiben, wird eine Rap-CD produziert.

Bei den Veranstaltungen der Bibliothek sind die Cover ebenfalls dabei. Auf die Stimmzettel werden Preise verlost, die zur Veranstaltung mit Miroslav Nemec am 11. Juni übergeben werden. Abgestimmt werden kann bis 7. Mai. Wer es nicht in die Bibliothek schafft und trotzdem mitmachen will, der kann online seine Stimme abgeben unter: www.krimi-forum.de

Freie Presse (10.03.2017)

Krimi-Spektakel im eigenen Wohnzimmer

Hof/Vogtland – Eine „Tupperparty für Leseratten“ ist zu den vogtländischen Krimi-Literatur-Tagen zu gewinnen. Wer schon immer mal einen Schriftsteller im eigenen Wohnzimmer lesend in Aktion erleben wollte, kann sich bis 30. April bewerben. Die Idee ist, dass Privatpersonen einen geeigneten Raum für eine Lesung zur Verfügung stellen, ganz nach Wunsch Gäste einladen und sich als freundlicher Gastgeber präsentieren. Mitmachen können Leute aus dem sächsischen und dem bayerischen Vogtland – also auch aus Hof und Umgebung.

Die Krimi-Literatur-Tage Vogtland, die heuer zum elften Mal stattfinden, bringen den Vortragenden ins Haus. Dafür stehen verschiedene Autoren des vogtländischen Krimi-Stammtischs zur Auswahl. Die Veranstaltung sollte vor dem 30. September stattfinden. Zu den Autoren des Krimi-Stammtischs gehören Roland Spranger, Manfred Köhler und Gunnar Schuberth aus dem Bayerischen Vogtland sowie Petra Steps, Maren Schwarz und Christoph Krumbiegel aus dem Sächsischen Vogtland. Gegründet hat den Krimi-Stammtisch 2013 die Herausgeberin und Autorin Petra Steps, die auch Initiatorin und Veranstalterin der Krimi- Literatur-Tage Vogtland ist. Seit Jahren gibt Petra Steps bei verschiedenen Verlagen Anthologien mit vogtländischen Regionalkrimis heraus, an denen auch die Stammtisch- Autoren beteiligt sind. Erst jüngst schaffte es die Gruppe beim Wettbewerb um „Vogtlands Lieblingsbuch“, den die Vogtländische Literaturgesellschaft Julius Mosen ausgelobt hat, unter 62 Bewerbern mit gleich zwei Büchern auf den vierten Platz. Und zwar mit „Wer mordet schon im Vogtland?“ und „Vogtländisches Blut(bad)“. Unabhängig von der Wohnzimmer-Lesung richten die Krimi-Literatur-Tage Vogtland am 27. April, 19.30 Uhr, im Galeriehaus in Hof eine Lesung mit Arno Camenisch aus. Der Schweizer Schriftsteller liest aus seinen Werken „Launen des Tages“ und „Kur“. Insgesamt bieten die Krimi-Literatur- Tage in diesem Jahr 33 Aktivitäten, darunter auch eine Ausstellung im Schloss Netzschkau von 1. Mai bis 16. Juni. Höhepunkt ist das „Mordsspektakel“, das heuer am 10. Juni im Schloss Netzschkau stattfindet. M.K.

Frankenpost (14.03.2017) – Text: Manfred Köhler

Ansturm auf "Leben auf dem Mars"

Netzschkau. Die Krimi-Literaturtage Vogtland starten zwar erst Mittwoch mit der ersten Veranstaltung in der Sparkasse Reichenbach durch, doch aufgrund der großen Nachfrage für die zweite Lesung am 31. März im Planetarium Rodewisch ("Leben auf dem Mars") ist das Programm des größten vogtländischen Lesefestivals bereits vor dem Start erweitert worden. Wie Petra Steps vom veranstaltenden Förderverein Schloss Netzschkau mitteilt, gibt es mit der Physikerin Christiane Heinicke eine zweite Veranstaltung. "Die Karten für die erste waren ruckzuck weg, es gibt aber weiter Kartenwünsche en gros. Freundlicherweise bleibt Frau Heinicke deshalb noch etwas länger im Vogtland."

Und so findet die zweite Veranstaltung mit Christiane Heinicke am 1. April, 10.30 Uhr im Planetarium und damit an einem Ort statt, der kaum besser zum Thema passen könnte: Die promovierte Physikerin hat jüngst ein Buch geschrieben, das ihr einjähriges Leben als Versuchskaninchen in einer Art Mars-WG der Nasa auf Hawaii seziert und das sich anschickt, die Bestsellercharts zu stürmen. Christiane Heinicke war die einzige deutsche Teilnehmerin des Projekts. Wer in Rodewisch dabei ist, genießt zudem die Vorzüge der neuen Zeiss-Fulldome-Anlage. Bei gutem Wetter gibt's einen Blick durch die Teleskope. (gem)

Freie Presse (23.03.2017)

Krimi-Literaturtage brechen an

Spannung und hautnahe Begegnungen mit Autoren, verspricht das größte Literatur-Festival des Vogtlands. Um Geld und zwei Leichen geht es zum Auftakt in Reichenbach.

Reichenbach. Der Fernseh-Moderator und Journalist Dirk Platt stellt bei der Eröffnungsveranstaltung am Mittwoch ab 19 Uhr im Foyer der Sparkasse Vogtland am Postplatz 3 in Reichenbach den Kriminalroman "Schwarzkonto" vor. Er hat den Roman zusammen mit Erich Schütz geschrieben.

In dem Buch geht es um die Leichen eines Bankers und eines Politikers. Geld spielt eine wesentliche Rolle. Die Sparkasse Vogtland habe jedoch mit diesen Fällen nichts zu tun, halte aber Überraschungen bereit, so die Veranstalter. (pstp/lk)

Freie Presse (27.03.2017)

In Greiz wird‘s wieder kriminell

Die Krimi-Literatur-Tage starten zum elften Mal im Vogtland. Auch Greiz ist wieder mit dabei. Erstmals ist auch eine Abstimmung über das „Bloody Cover“ in der Greizer Bibliothek möglich.

Greiz. Seit nunmehr elf Jahren finden die Krimi-Literatur-Tage im gesamten Vogtland statt. Sowohl das sächsische als auch das bayerische und das thüringische Vogtland warten im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe mit zahlreichen Angeboten auf. Thüringer Repräsentant ist wieder einmal Greiz. Die Residenzstadt ist seit sieben Jahren bei den Krimi-Literatur-Tagen dabei. Zu verdanken ist dies maßgeblich dem Engagement der Bibliotheksleiterin Corina Gutmann. Eröffnet wird die Veranstaltungsreihe am Mittwoch, 29. März, ab 19 Uhr in der Sparkasse Reichenbach. Der Fernseh-Moderator Dirk Platt stellt hier seinen neuen Kriminalroman "Schwarzkonto" vor. Greiz tritt erstmals am 4. April auf den Plan. Dann stellt ab 19 Uhr Hans Thiers in der Stadt- und Kreisbibliothek sein Buch "Mordfälle im Bezirk Gera" vor. Dabei spielen auch mittlerweile sächsische Orte wie Elsterberg eine Rolle. Platzreservierungen sind bei der Greizer Bibliothek möglich.

Ein zweiter Greizer Termin ist der Auftritt des selbst ernannten Heavy-Metal-Coaches Rainer Biesinger am Mittwoch, 3. Mai, ab 19 Uhr im UT 99 Kinocenter. Als ehemaliger alkohol- und drogenabhängiger Rocker tritt er nun als Persönlichkeitstrainer auf und stellt sein Programm "Brain Tattoos" vor. Dies sind elementare Themen, mit denen sich Biesinger auseinander setzt. Es ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Greizer Bibliothek zusammen mit dem Verein Lesezeichen. Karten gibt es im Kinocenter und in der Greizer Bibliothek.

Abschluss mit einem Tatort-Kommissar

Das Greizer Veranstaltungstrio und damit auch die elften Krimi-Literatur-Tage beschließt am Sonntag, 11. Juni, ab 17 Uhr im Rahmen des 28. Literaturabends der Stadt Greiz der Schauspieler und Autor Miroslav Nemec. In der Vogtlandhalle stellt er seinen ersten Kriminalroman "Die Toten von der Falkneralm" vor. In dem Krimi tritt Nemec selbst als Protagonist auf und gewährt Einblicke in sein Seelenleben. Karten für diese Veranstaltung gibt es bei der Vogtlandhalle. Erstmals können Fans der Kriminalliteratur im Rahmen der Krimi-Literatur-Tage auch in Greiz am Wettbewerb "Bloody Cover" teilnehmen. Neben Berlin, München, Hamburg, Köln, Leipzig, Wien und Zürich ist eine Abstimmung vor Ort in diesem Jahr auch erstmals im beschaulichen Greiz möglich. Im Eingangsbereich der Stadt- und Kreisbibliothek liegen Stimmzettel und die zwölf nominierten Bücher bereit. Dabei geht es rein um die Bewertung des Bucheinbandes, der Inhalt der Werke ist für den Wettbewerb irrelevant. Abgestimmt werden kann bis Sonntag, 7. Mai. Es gibt auch Preise zu gewinnen.

Die Krimi-Literatur-Tage Vogtland starteten 2007 im Rahmen der Ostdeutschen Krimitage und ab 2009 als Krimitage Vogtland. Sie entwickelten sich zum größten Literatur- und Lesefestival der Region. Die erste Kriminacht fand 2007 im Schloss Netzschkau statt und war die Initialzündung für das Projekt.

OTZ (27.03.2017) – Text: Patrick Weisheit

Der Mars ist eine Alternative

Von Bitterfeld in die Umlaufbahn. So oder ähnlich könnten die Schlagzeilen lauten, wenn Christiane Heinicke die erste deutsche Frau im All wird. Das ist jedoch noch Zukunftsmusik. Vorerst war die Geo-Physikerin und Autorin die einzige deutsche Teilnehmerin eines einjährigen, 2016 beendeten Nasa-Mars-Projektes auf Hawaii. Dabei wurden insbesondere gruppendynamische Prozesse unter autonomen Bedingungen untersucht. Auch darüber spricht die Forscherin aus Bitterfeld im Rahmen der Krimi-Literaturtage Vogtland am Freitag (ausverkauft) und am Samstag im Planetarium Rodewisch. Gerd Möckel hatte die derzeit von einem Pressetermin zum nächsten TV-Termin eilende Autorin des Buches "Leben auf dem Mars" kurz am Telefon.

Freie Presse: Frau Heinicke, kennen Sie Sigmund Jähn?

Christiane Heinicke : (lacht) Äähh, ja, den Namen habe ich doch schon mal irgendwo gehört, getroffen habe ich ihn allerdings noch nicht.

Sigmund Jähn hat jüngst angesichts der medial flankierten Mars-Manie hypothetisch gefragt: Was wollen die da oben, Radieschen ansäen? Also, was wollen Menschen da oben?

Da gibt es mehrere Gründe. Einer ist, sich für die ferne Zukunft ein zweites Standbein zu schaffen. Der Mars ist eine Alternative für die Menschheit. Es ist ja nur eine Frage der Zeit, bis die Erde unbewohnbar wird. Damit meine ich nicht das Finale, wenn das große Licht ausgeht. Das passiert ja erst in ein paar Milliarden Jahren. Bis dahin vergeht also noch eine Menge Zeit. Ein Meteoriteneinschlag vielleicht, vielleicht ein ungeheurer Vulkanausbruch. Oder das und noch viel mehr zusammen. Da ist es gut, wenn man ein zweites Zuhause hat. Schaut man auf die Erdgeschichte, hat es schon einige solcher Szenarien gegeben. Für uns sind sie weit weg, da wir in ganz anderen Zeitkategorien denken.

Und Sie selbst, warum wollen Sie auf den Mars?

Rein aus wissenschaftlicher Neugier. Mir geht es also nicht wie den Leuten, die sich jetzt massenhaft melden, um einen Flug ohne Rückflug zu buchen. Ich will auf jeden Fall wieder zurück auf die Erde. Nach drei Jahren, die so ein Projekt wahrscheinlich dauern würde, wäre es dann auch an der Zeit.

Zunächst wollen Sie aber in die Erdumlaufbahn und auf die ISS. Dazu hatten Sie sich bei diesem ESA-nahen Projekt "Astronautin gesucht" beworben. Es gab mehr als 400 ernstzunehmende Bewerberinnen, wie sieht's aus?

Ich bin raus. Leider. Jetzt sind's noch sechs Frauen. Ich hatte bei Aufmerksamkeits- und Konzentrationstests nicht den besten Tag erwischt. Das lag an meiner Tagesform, an einer sehr stressigen Anreise, dann gab's im Hotel Probleme. Wie das manchmal so ist. Aber es wird sicher wieder Ausschreibungen geben. Dann werde ich mich wieder bewerben.

Sie hatten also als Teilnehmerin des Nasa-Mars-Projekts keine Bonus. Sie haben dort mit fünf Leuten in einem Zelt gelebt, wissenschaftlich gearbeitet, über Ihren Tagesablauf und das Gruppenleben berichtet. Alles, was die Gruppe gemacht hat, wurde genau beobachtet. Wie hält man das ein Jahr aus?

Da sind die Eigenschaften gefragt, auf die es auch im Hinblick auf erfolgreiche Marsmissionen ankommt. Anpassungsfähigkeit, Respekt und die Fähigkeit, der Mission alles andere unterzuordnen. Die Mission steht an erster Stelle. Das hat auch unsere Mission zum Erfolg gemacht. Trotz unübersehbarer Spannungen zwischen einzelnen Bewohnern hat sich der Wille durchgesetzt, die Mission durchzuziehen. Da hilft natürlich, dass diese zeitlich begrenzt und überschaubar lang war. Aus unserem Verhalten und dem Verhalten anderer Gruppen unter extremen und autonomen Bedingungen lassen sich Rückschlüsse ableiten, die neben der persönlichen Eignung wichtig für die Zusammenstellung einer Crew sind.

Wann werden denn die Erkenntnisse veröffentlicht, die sie als Versuchskaninchen auf Hawaii erst ermöglicht haben?

Die Auswertungen mit dem üblichen Gutachterverfahren laufen noch. Ich rechne mit einer Veröffentlichung nicht vor dem Sommer.

Was war Ihre Motivation neben der Aussicht, auf dem Hawaii-Vulkan wissenschaftlich arbeiten zu können?

Ich wollte auch wissen, ob ich es ein Jahr lang mit fünf anderen Leuten bei teilweise ziemlich eingeschränkten Lebensbedingungen aushalten kann. Ich kann. Ich bin jetzt noch viel gelassener als vorher. Manchmal zieht es mich sogar ein bisschen ins Mars-Habitat zurück. Aber auch darüber erzähle ich gerne ein bisschen mehr in Rodewisch.

Kurze Frage zum Schluss: Was sind Ihre nächsten Ziele?

Derzeit bin ich nur mit meinem Buch unterwegs, auf Lesungen, im Fernsehen, ziemlich stressig. Mein Thema bleibt aber die Raumfahrt. Egal, ob Mars oder Mond. Außerdem will ich mir mein eigenes Mars-Habitat aufbauen. Allerdings nur im Hinblick auf technische Aspekte.

Leben auf dem Mars mit der promovierten Physikerin und Autorin Christiane Heinicke am Samstag, 10.30 Uhr im Planetarium Rodewisch (die Freitag-Veranstaltung ist ausverkauft). Tickets zum Preis von zehn Euro (ermäßigt fünf) gibt's im Planetarium (Telefon 03744 32313) oder über den Veranstalter: www.krimi-literatur-tage.de

Freie Presse (29.03.2017)

Festival eröffnet für Liebhaber der Spannung

Die Krimi-Literaturtage Vogtland wurden mit einer Lesung in der Sparkasse Reichenbach eröffnet. Dabei gab es Überraschungen: klein und schwarz.

Reichenbach. "Leichen" im Keller der Sparkasse - die Besucher der ersten Veranstaltung der Krimi-Literaturtage Vogtland wissen jetzt, wie diese aussehen: klein und schwarz, süß schmeckend. Bei der Besichtigung der Kunden-Schließfachanlage durften die Besucher in ein eigens dafür vorbereitetes Fach mit Goldstücken und Skeletten aus Schokolade fassen und sich etwas als Souvenir mitnehmen. Die "Leichen" waren sehr beliebt. Zudem gab es Erläuterungen zu den Fächern, zur Sicherheit und zu den Nutzungsmöglichkeiten.

Zuvor hatte der Potsdamer Journalist und Fernsehmoderator Dirk Platt aus dem Buch "Schwarzkonto" gelesen, dass er zusammen mit seinem Journalistenkollegen und Freund Erich Schütz geschrieben hat. Handlungsorte sind der Bodensee, wo Erich Schütz lebt, das nahe gelegene Liechtenstein mit seinen Banken, Potsdam als Lebensmittelpunkt von Dirk Platt und der Schauplatz der großen Politik, Berlin. Es geht um Schwarzgeld, dubiose Stiftungen und künstliche Gelenke.

Das in schummriges Licht getauchte Sparkassenfoyer bot einen passenden Rahmen zur Jagd der beiden Protagonisten aus dem Journalistenmilieu. Für die Handlung wurden zum Teil echte Recherche-Ergebnisse genutzt. Dabei decken die Autoren Fehler im Gesundheitssystem auf. "Für ein künstliches Hüftgelenk reicht die Tüv-Plakette", deutete Dirk Platt ein Problem an.

Nicht nur die Lesung begeisterte die Besucher, sondern auch das kleine Plus, das die Mitarbeiter der Sparkasse am Postplatz unter Leitung von Annette Redmer vorbereitet hatten. Eine Besucherin: "Das habe ich so nicht erwartet. Ich war noch nie bei den Krimitagen und bin endlich einmal mit meiner Freundin mitgegangen. Die familiäre Atmosphäre ist toll, und der Besuch bei den Schließfächern war interessant und überraschend."

Auch der Autor, der im Anschluss noch viele Fragen beantworten musste, war begeistert: "Es hat mir super gefallen. Man hat ein ganz anderes Gefühl, wenn man an einem authentischen Ort liest." Durch die Nähe zum Publikum habe er die Reaktionen der Zuhörer sehen können. "Der Besuch im Kundentresorraum war das i-Tüpfelchen", sagte er und stellte mit einem Lachen fest: "Dass im Keller der Sparkasse ,Leichen' sind, war anfangs ernüchternd und dann entzückend - weil sie nur aus Schokolade sind."

Für die Zusatzveranstaltung mit Christiane Heinicke am Samstag 10.30 Uhr im Planetarium Rodewisch gibt es noch Karten, ebenfalls für die Abendveranstaltung in Lengenfeld (vorher im Lengenfelder Hof unter Telefon 037606 8770 anmelden). Die Veranstaltung im Schloss Treuen am 8. April ist restlos ausgebucht.

www.krimitage-vogtland.de

Freie Presse (31.03.2017)

Planetarium als Schauplatz für irdische Weltraum-Testmission

Mit ihrem Vortrag zum Mars und zum Nasa-Simulationsprojekt Hawaii Space Exploration Analog and Simulation auf dem Hawaii-Vulkan Mauna Loa hat die Geophysikerin Christiane Heinicke (stehend) den Nerv der Vogtländer und einiger Besucher von außerhalb getroffen. Nach der ausverkauften Veranstaltung der Krimi-Literatur-Tage Vogtland am Freitagabend war das Planetarium Rodewisch auch bei der kurzfristig anberaumten Zusatzveranstaltung am Samstag gut besetzt. Die Gäste stellten viele Fragen zum Forschungsprojekt, den Ergebnissen des zwölfmonatigen Aufenthaltes und zu den Perspektiven der bemannten Raumfahrt. Das Team der Sternwarte steuerte Informationen zum aktuellen Sternenhimmel und zum roten Planeten bei. Am Freitagabend war außerdem die Beobachtung des Planeten durch das Teleskop möglich, während in der Pause Weltraumbrot und Kosmonautennahrung probiert werden konnte.

www.krimitage-vogtland.de

Freie Presse (03.04.2017)

Vogtländische Krimitage nun auch in Thüringen

Reichenbach/Greiz. Mit dem Vortrag des Kriminalrats Hans Thiers, der zusammen mit seinem Verleger Michale Kirchschlager auftrat, startete nun auch der Thüringer Teil der Krimi-Literaturtage Vogtland. Am Dienstagabend ist es dabei in der Greizer Bibliothek um Mord und Totschlag gegangen. Hans Thiers hat in zwei Sachbüchern authentische Thüringer Mordfälle bis 1990 aufgearbeitet, an deren Ermittlung er ab 1973 selbst beteiligt war. In seinem Vortrag gab er Erläuterungen zur Arbeit der Kriminalpolizei und der Gerichtsmedizin in der ehemaligen DDR und räumte dabei mit Vorurteilen auf.

Anders als landläufig behauptet, standen alle Mordfälle in den Zeitungen. Teilweise sei sogar mit Flugblättern nach Opfern und Tätern gesucht worden. Ein Beispiel dafür ist der immer noch ungeklärte Fall des vermissten Kindes Michaela Wagner. Die Aufklärungsrate der Morduntersuchungskommission Gera lag bei 98 Prozent, ohne heute übliche Hilfsmittel wie DNA-Untersuchungen. 150 Mörder wurden durch unter Mitwirkung des Autors hinter Schloss und Riegel gebracht. Als Beispiele hatte Thiers einen Kindesmord in Jena, den sechsfachen Säuglingsmord von Zeulenroda oder die Ermordung einer Neunjährigen in Gera ausgewählt. Beim letzten Fall war ein Serienmörder aktiv, der völlig unauffällig und an seinem Arbeitsplatz beliebt war.

Der Ex-Ermittler kritisierte die veränderten Bedingungen nach 1989: "Die in der DDR ermittelten Serienmörder wurden nach der Wende aus den Gefängnissen entlassen und haben weitergemacht." Für den pädophilen Ronneburger trifft das nicht zu. Er hatte sich in seiner Zelle erhängt. Zur Sprache kam auch ein Mord in Elsterberg, der seinen Ausgangspunkt in der Express-Gaststätte im Greizer Zentrum hatte. "Das hier ist etwas anderes als Tatort oder ein Kriminalroman, denn man weiß ja, dass alles wahr ist", stellte ein Besucher fest.

Thiers kam zum Kirchschlager-Verlag Arnstadt bei einer Lesung seines Kollegen Klaus Dalski, der auch schon bei den Krimi-Literaturtagen aufgetreten ist. Gegenwärtig arbeitet er an einem Buch über Serienmörder in der DDR. Auch dort wird sein geballtes Fachwissen in Sachen in Sachen Ermittlung und Täterpsychologie einfließen.

Bibliotheksleiterin Corinna Gutmann wies die Gäste auf den Wettbewerb "Bloody Cover" hin. Am 7. Mai werden die eingegangenen Stimmen für das gelungenste Krimi-Cover ausgezählt. Bis dahin können die nominierten Bücher in der Bibliothek begutachtet und die Stimmzettel ausgefüllt werden. "Wir als kleines Greiz wollen die meisten Teilnehmer haben. Wir werden doch die großen Städte dieser Welt toppen", sagte die Greizer Bibliothekschefin mit einigem Ehrgeiz in Hinblick auf die anderen teilnehmenden Bibliotheken in Städten wie Wien, Zürich oder Berlin.

Freie Presse (07.04.2017)

Autorin berichtet von Kräutern, Giften und zerstörerischer Sucht

Brockau. Die Kräutergärtnerei Sagan war zum dritten Mal Veranstaltungsort der Krimi-Literaturtage Vogtland. Patricia Holland Moritz las am Donnerstag im Ambiente des Kräuter-Cafés aus zwei Büchern. Zuerst ging es passend zur Kräutergärtnerei um das Schöllkraut, das viele durch den gelbfärbenden Saft noch aus ihrer Kindheit in Erinnerung haben. Dass man damit Warzen wegbekommt und auch mal einen unliebsamen Nebenbuhler, hat die in Karl-Marx-Stadt geborene Autorin in ihrer Geschichte "Die Leidenschaft des Hieronymus Seidel" aufgeschrieben. Sie ist in der Anthologie "Giftmorde 3" zusammen mit elf weiteren meist tödlich endenden Kräuteranwendungen verewigt. Der Bezug zwischen Gift und Kräutergärtnerei konnte die Besucher nicht abhalten, in der Pause das liebevoll von Katja Sagan zubereitete Kräuter-Buffet samt angeblichen Gifttrunk und allerlei Kräuter-Tees zu genießen. Auf der Tafel warteten verschiedene Dips und Kräuterbutter, Bärlauchquark, Nudel-Kräuter-Salat oder mit Kräutern und Blüten gewürztes Gemüse.

Um ein ganz anderes Gift geht es in der Roman-Serie um Rebekka Schomberg, eine private Ermittlerin mit solidem finanziellen Hintergrund nach einer umstrittenen Erbschaft sowie einem mehr als freundschaftlichen Verhältnis zu einem Kriminalisten. Der zweite Band "Kältetod" setzt sich mit dem Thema Crystal Meth auseinander. Das ist eine Droge, die in tschechischen Giftküchen gemixt wird und gerade im Vogtland auf dem Vormarsch ist. "Übrigens ist die Titelmelodie aus dem Film Eiskönigin die Hymne der Crystal-Konsumenten", sagte Patricia Holland Moritz im zweiten Teil der Lesung nach der Pause. "Durch das Festival erfährt man erst mal, wie groß und vielseitig das schöne Vogtland ist. Dank auch an die engagierten Kräutergärtner Sagan, die selbst die kriminellste Lesung zu einem Hort des Wohlfühlens machen", erklärte Patricia Holland Moritz nach der Veranstaltung.

Zuvor hatte die Autorin darüber gesprochen, dass sie entfernt mit Renate Holland-Moritz, der Satirikerin und aus dem Eulenspiegel-Verlag bekannten Filmkritikerin der Kino-Eule verwandt ist. Den Bindestrich im Namen lasse sie nur wegen einer Allergie gegen das sie schon immer verfolgende Satzzeichen weg. Und die hängt nicht nur mit dem Familiennamen zusammen, sondern auch mit diversen thüringischen Orten wie Steinbach-Hallenberg, wo die Holland-Moritz-Familie herstammt oder mit Karl-Marx-Stadt, wo die jetzt in Berlin lebende Autorin aufgewachsen ist.

Freie Presse (08.04.2017)

Krimi-Fans tauchen in Anwalt-Milieu ein

Andreas Föhr war in der Reichenbacher Jürgen-Fuchs-Bibliothek zu Gast. Der Besteller-Autor beantwortete auch eine Frage nach seiner Arbeitsweise. Reichenbach. Es gibt Menschen, die brauchen nur kurze Zeit, um das Wesentliche zu erfassen: Andreas Föhr ist so jemand. Er war am Freitagabend im Rahmen der Krimi-Literaturtage Vogtland in der Jürgen-Fuchs-Bibliothek Reichenbach zu Gast war.

Der Krimi-Bestsellerautor hatte sich vorher ein wenig in Reichenbach umgeschaut und die Besucher der Lesung mit seiner Einschätzung verblüfft. Er erklärte den erstaunten Vogtländern: "Reichenbach ist so eine komplexe Industriestadt, wie es sie bei uns in Bayern nicht gibt. Wir haben entweder große Städte wie Augsburg und München mit Industrie oder kleinere Dörfer. Selbst Rosenheim mit rund 60.000 Einwohnern wirkt bei Weitem nicht so urban wie Reichenbach. Ich finde toll, was hier alles noch steht und renoviert wurde." Mit Föhr war einer der bedeutendsten deutschsprachigen Krimiautoren nach Reichenbach gekommen. Seine Krimis stehen regelmäßig auf Bestsellerlisten. Der Erstling "Prinzessinenmörder" wurde mit dem Debüt-Glauser ausgezeichnet. In den 1990er-Jahren schrieb er mit Thomas Letocha Drehbücher, ohne zuvor gewusst zu haben, wie das funktioniert: "Damals fingen die Privatsender gerade an, Serien zu drehen. Das war eine Goldgräberzeit." Der nahe Wasserburg lebende Wahlbayer hat sich das Anwalt-Milieu ausgewählt, in dem er sich als gelernter Jurist bestens auskennt. Die Antwort auf die Frage nach seinem Lieblingsautor beantwortete er folgerichtig mit John Grisham, der ihn auch darauf gebracht habe, eine Rechtsanwältin in den Mittelpunkt der neuen Reihe um Rachel Eisenberg zu stellen. "Grisham zeichnet die Figuren sehr schön", gefällt ihm an seinem Vorbild.

Das Buch "Eisenberg" stand im Mittelpunkt des Abends. Kein Wunder, dass viele der Gäste wissen wollen, wie es weiter geht und sich eines der Bücher signiert mit nach Hause nahmen. Die Krimis der Wallner- und Kreuthner-Reihe werden im Sommer mit dem siebten Band fortgesetzt, aus dem Föhr mit einer Kostprobe las und die Besucher begeisterte. Die Frage nach seiner bevorzugten Arbeitsweise, beantwortete Andreas Föhr mit dem Satz: "Nichts beflügelt die Kreativität so sehr wie Verlagstermine." Eine der Besucherinnen staunte, dass ein Krimi auch witzig sein kann. Sie meinte damit den besonderen Stil von Föhr, der dem Humor zwischen grausamem Mordfall und kauzigem Disput am Seziertisch eine Chance lässt.

In der Pause hatte Bibliotheks-Azubi Antje Böhm leckere Cocktails gemixt, die zum Krimi passende Namen trugen. Der Besuch der Veranstaltung blieb ein wenig hinter den Erwartungen zurück. Ein paar Reichenbacher hätten noch Platz gefunden. "Wir haben viele Leute per Mail persönlich eingeladen. Es gab kaum Reaktionen", bedauerte Melanie Schönhoff, die sich für die Bibliothek um die Vorbereitung der Veranstaltung gekümmert hatte. Nächste Veranstaltung: 22. April, 18 Uhr, Talsperre Pöhl, Krimidampfer mit Elke Pistor, Karten unter Ruf 037439 6372 oder: www.talsperre-poehl.de

Freie Presse (10.04.2017)

Klausur in Reichenbach

Die Krimi-Autorin Elke Pistor ist bereits eher zu ihren Auftritten bei den Krimi-Literatur-Tagen angereist. Im Vogtland findet die Kölnerin Ruhe für den nächsten Bestseller.

Reichenbach. Die Kölner Schriftstellerin Elke Pistor, die heute und morgen Lesungen bei den Krimi-Literatur-Tagen Vogtland bestreitet, ist schon am Dienstag angereist. Der Grund: Die Autorin nutzt die Zeit und Ruhe im Vogtland, um ihren Krimi um Annemie Engel fertigzustellen. So etwas nennen Autoren Schreibklausur - fernab vom häuslichen Alltagsstress und störenden Einflüssen. Sollte das Buch ein Bestseller werden, hätte also auch Reichenbach einen Anteil daran. "Das Wetter passt, denn es ist ein Weihnachtskrimi", verriet die Autorin. Vor der ersten Zeile hat sie deshalb jede Menge Plätzchenrezepte ausprobiert, die ihre Protagonistin, eine Bäckerin, im Buch verwendet. Die Plätzchen hat sie jedoch vor der Fahrt zum Verkosten im Verlag abgegeben. Sollte Elke Pistor zwischen dem Schreiben eine Pause an der frischen Luft benötigen, kann man sie in der Stadt treffen. Einigen kommt ihr Gesicht sicher bekannt vor. Sie war bei der Kleinen Gartenschau 2014 zu Gast und hat die Besucher im großen Festzelt mit ihrem Krimi "Kraut und Rübchen" begeistert.

Elke Pistor liest heute Abend bei Küchen Geipel in Theuma und morgen auf dem Krimidampfer der Talsperre Pöhl. Für die Veranstaltung in Theuma gibt es noch Restkarten. Aufgrund des Menüs ist Anmeldung unter Telefon 037463 83546 notwendig. Ausreichend Plätze stehen noch auf dem Krimidampfer zur Verfügung, hierbei mit telefonischer Reservierung unter 037439 6372. Beide Veranstaltungen unterscheiden sich inhaltlich vollkommen. Im Küchenstudio geht es um das Thema Katzen: Elke Pistor hat weltweit recherchiert und 111 besondere Katzen in einem Buch beschrieben. Neben symbolischen Katzen wie Schroedingers Katze, der Glückskatze aus Japan oder den beiden Minitigern von Freyas Gespann werden bereits verstorbene und lebende Katzen porträtiert, die wie Snowball einen Mörder überführten, die Staatsgeschäfte lenkten oder zu Verwicklungen führten oder wie Commissaire Mazan vom Schriftstellerehepaar mit dem Pseudonym Jean Bagnol (Nina George und Joe Kramer) in Krimis ermitteln.

Auf dem Krimidampfer zeigt sich die Schriftstellerin von ihrer kriminellen Seite. Dabei präsentiert sie einen Querschnitt durch ihr Kurzkrimi-Schaffen, für das sie bereits mehrfach für Preise nominiert war. Ruchlose Seniorinnen, verschusselte Auftragskiller und gebeutelte Lehrerinnenversprechen ein mörderisches Vergnügen während einer zweistündigen Dampferfahrt auf der Pöhl, die 18 Uhr beginnt.

Freie Presse (21.04.2017)

Weihnachtsbuch in Reichenbach beendet

Autorin Elke Pistor war bei den Krimi-Literatur-Tagen im Küchenstudio und auf der Pöhl. Sie hat aber nicht nur vorgelesen.

Reichenbach. Die Schriftstellerin Elke Pistor hat ihre Klausurwoche in Reichenbach erfolgreich abgeschlossen. Am Freitagnachmittag konnte sie das ersehnte Wort "Ende" unter ihren Weihnachtskrimi um die Bäckerin Annelie Engel setzen - in einer Gästewohnung der Wohnungsbaugesellschaft war in den letzten Tagen ein Teil des Buches entstanden. Im Küchenstudio Geipel Theuma am Abend hat die Autorin bei einem leckeren Menü ihr Katzenbuch "111 Katzen, die man kennen muss" vorgestellt. "Eine etwas andere Veranstaltung, aber genau richtig", sagte eine Besucherin.

Auf dem Krimidampfer am Samstag standen Kurzkrimis im Mittelpunkt, bei denen Elke Pistor Verschwörungstheorien, Marotten alter Herrschaften oder seltsame Methoden zur Bekämpfung von Läusen aufs Korn nahm. Bei der Geschichte aus der Kurzkrimi-Anthologie zur Criminale Anfang Mai in Graz erlebten die Gäste sogar die Premierenlesung. "Ich habe nur Positives gehört. Den Leuten hat es gefallen", erklärte mit Helmar Müller einer der beiden Kapitäne, die das Ausflugsschiff "Pöhl" gewohnt sicher über die Talsperre gelenkt hatten. Sie hatten die Besucher persönlich in den kühlen Abend verabschiedet. "Ich habe eine Weile aus dem Fenster geschaut. Sie haben es ja ganz nett hier", hatte die Autorin den Mitfahrern erklärt und einen Vergleich zur Eifel gezogen, aus der sie stammt. "Die Zeit im Vogtland war sehr inspirierend für mich. Ich habe das Buch zu Ende gebracht und den Eindruck gewonnen, dass es auch hier ganz viele katzenverrückte Menschen gibt und genau so viel kriminelle Energie wie in der Eifel", schätzt Elke Pistor ein.

Bis zur Wahrnehmung als Krimiland wie die Eifel, in der die Krimis selbst beim Fleischer angeboten werden, hat das Vogtland indes noch einen weiten Weg vor sich.

Freie Presse (24.04.2017)

Autorin liest Briefe aus der früheren DDR

Menschen jeden Alters und jeder sozialen Schicht im Osten Deutschlands schrieben einst über ihre Nöte an die BBC. Mancher musste dafür ins Gefängnis.

Reichenbach. Bereits zum fünften Mal war Susanne Schädlich Gast einer Lesung in der Vogtländischen Buchhandlung Reichenbach. Als Tochter des gebürtigen Reichenbachers Hans Joachim Schädlich ist sie keine Unbekannte in der Region. Das Thema, das sie für ihr aktuelles Buch beackert hat, war für viele der Besucher hingegen Neuland. Darauf gekommen war sie über Unterlagen des ehemaligen DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi), die auch als Grundlage für ihr Werk "Immer wieder Dezember: Der Westen, die Stasi, der Onkel und ich" dienten.

In ihren Stasi-Unterlagen hatte die Familie entdeckt, dass sie jahrelang von Hans Joachim Schädlichs Bruder mit Decknamen IM Schäfer bespitzelt worden war. In diesen Akten fand die Autorin auch den "operativen Vorgang Werfer", las die Namen Harrison, Jones und Johnson, allesamt Mitarbeiter der BBC, und den Titel der Sendung "Briefe ohne Unterschrift", für die zwischen 1955 und 1975 insgesamt 233 Ordner mit Briefen gefüllt wurden - mit anonymen Briefen, die meisten aus Ostdeutschland. In der deutschsprachigen Sendung wurden sie jeden Freitag verlesen.

Bereits bei Einstellung der Sendung habe der Wunsch bestanden, diese Briefe zu veröffentlichen, doch vor Susanne Schädlich hatte sich noch keiner an den Stoff gewagt. Drei Jahre habe sie für das Buch recherchiert, das Auszüge aus den Briefen enthält, die in allen Stimmungslagen und sogar teilweise in Versen geschrieben waren, von Menschen aus allen Klassen und Schichten, darunter auch von Schülern wie Karl-Heinz Borchardt, der dafür mit 18 Jahren in das Gefängnis ging. Denn für seine Handschrift hatte die Stasi in einem aufwändigen Vergleich mit Hausaufgaben von Gymnasiasten eine Überstimmung zum abgefangenen Brief gefunden.

Susanne Schädlich erklärte: "In den 1980er-Jahren wäre die Sendung dieser Briefe nicht mehr möglich gewesen, denn dann waren die Handschriften flächendeckend erfasst, durch handschriftlich ausgefüllte Anträge für den Personalausweis." Vor allem einigen älteren Besuchern ging ein Licht auf - hatten doch viele genau diese Anträge in ihren Stasi-Unterlagen entdeckt, ohne sich einen Reim darauf machen zu können, was die Stasi mit dem Personalausweisantrag wollte.

Mit der Veranstaltung im Rahmen der Krimi-Literaturtage hat sich die neue Inhaberin der Vogtländischen Buchhandlung, Kerstin Ullrich, vorgestellt. "Für mich das heute eine Premiere. Ich bin sehr aufgeregt", sagte sie vor der ersten Lesung in ihrer Buchhandlung. "Für mich ist jede Lesung eine Premiere", beruhigte Susanne Schädlich die neue Buchhändlerin. Gerade ihr aktuelles Buch führe immer wieder zu Überraschungen, denn oft melden sich in oder nach den Lesungen Menschen, die ebenfalls Briefe an die BBC geschrieben haben.

Freie Presse (28.04.2017)

Vom Jagdglück des Schweizers Arno Camenisch

Hof - "Schriftsteller treibt es hin und wieder hinaus aus der warmen Stube, sie jagen neue Geschichten." Diesen Satz entdeckt der Leser gleich auf der ersten Seite des Buchs "Nächster Halt Verlangen - Ein paar Kolumnen". Hof - "Schriftsteller treibt es hin und wieder hinaus aus der warmen Stube, sie jagen neue Geschichten." Diesen Satz entdeckt der Leser gleich auf der ersten Seite des Buchs "Nächster Halt Verlangen - Ein paar Kolumnen". Zum Glück verlassen Autoren ihr bequemes Sofa auch, um sich auf Lesereise zu begeben. Nürnberg, Dortmund, Dresden, Chemnitz, Köln, Hof waren die Stationen des Schweizer Schriftstellers Arno Camenisch, der auf Einladung der Krimiliteraturtage Vogtland am Donnerstag ins Galeriehaus Hof gekommen war.

"Über die Liebe lese ich eigentlich nur am Donnerstagabend - und am Montagmorgen", kündigte Camenisch verschmitzt die erste Geschichte an. Natürlich beschreibt er keinen einfachen Wochenbeginn: "Es gibt Tage, an denen man besser nicht aufsteht. Die Woche fing ja gut an, ich hatte eindeutig eine Pechsträhne. Am Wochenende war ich umgezogen, hatte dabei den Schlüssel der neuen Wohnung verloren, das Auto des Nachbarn zerkratzt, mein eigenes wurde abgeschleppt, weil ich es an der falschen Ecke geparkt hatte, und den Kühlschrank hatte ich ruiniert, weil ich das Eis mit Hammer und Schraubenzieher hatte entfernen wollen."

Der Schweizer Arno Camenisch findet seine tragisch-komischen Geschichten auf der Straße und in den Bergen, in den kleinen und eindrucksvollen Begebenheiten und Begegnungen des Alltags. Den dokumentarischen Kern der bildhaften Szenen verstärkt er durch fiktionale Elemente. Er verfügt über einen guten Blick für Details und Zusammenhänge. Mit hintergründigem Humor formuliert er seine lakonischen Texte, überzeugt mit unvorhersehbaren Wendungen, treffenden Pointen und feinen Resümees. Klare Gedanken und tiefe Gefühle sind seine Welt: "Das Spannende einer Liebe sind der Anfang und das Ende, das dazwischen muss man aushalten", heißt es zum Schluss der Geschichte "Am Montagmorgen", mit der das Buch "Die Launen des Tages" beginnt.

"Irgendwo in der Pampa" heißt die nächste Geschichte: "Sie wird Euch die Schweiz näherbringen", verspricht der 39-Jährige, vielfach preisgekrönte Autor. Fast wie ein Schauspieler trägt Camenisch das Geschriebene vor, verdeutlicht den Rhythmus und verstärkt den Ton der Texte. Zwischendurch erzählt er charmant Anekdoten. Vor allem einige Geschichten und Gedichte auf Schwyzerdütsch und Rätoromanisch machen die Lesung zu etwas Besonderem. Der Autor liebt Fußball und wirkt fast wie ein Kommentator des großen Spiels des Lebens. Die Lacher hat er von Anfang an auf seiner Seite, die Stimmung bleibt durchgängig auf hohem Niveau: "Das Leben ist doch so absurd! Und die Summe des Absurden sind wir!", ruft Arno Camenisch seinem begeisterten Publikum im Galeriehaus gut gelaunt zu, und beendete den Abend mit einer Zugabe aus "Die Kur".

Frankenpost (28.04.2017)

Mit Mundart an der Spitze

Beate Werner aus Reichenbach und Friedemann Schubert aus Neumark haben gemeinsam den Mundart-Krimiwettbewerb der KrimiLiteraturtage und des Mundartkreises der Literaturgesellschaft Julius Mosen gewonnen. Die Reichenbacherin hatte eine Geschichte von einem Einbruch erzählt, bei dem auch eine besondere Schallplatte gestohlen wurde. Der Neumarker klärte auf, warum ein Orgelspieler mehrfach ohnmächtig geworden war. Auf den dritten Platz kam Martina Dressel. Beate Werner las am Samstag in Bad Elster einen Teil ihrer Geschichte vor. In der Abschlussveranstaltung der Mundarttage kamen auch die Teilnehmer an dem mehrtägigen Treffen zu Wort.

Freie Presse (03.05.2017)

Halbzeit für die Krimitage Vogtland

Netzschkau. Die 11. Krimi-Literatur-Tage Vogtland stehen kurz vor dem Halbzeitpfiff, da beschäftigt sich das Organisationsteam des größten vogtländischen Lese- und Erlebnisfestivals vom Förderverein Schloss Netzschkau bereits mit der zwölften Auflage. "Wir waren gerade beim größten Krimi-Branchentreff für deutschsprachige Autoren. Dort wurden auch die begehrten Glauser-Krimipreise vergeben. Deshalb sind wir gedanklich schon mittendrin in den Vorbereitungen", sagte Projektverantwortliche Petra Steps nach dem Ausflug zur Criminale in Graz und macht damit bereits Appetit auf hochkarätige Lesungen im nächsten Jahr.

Aber auch für die laufende Ausgabe der Veranstaltungsreihe bilanziert Petra Steps großes Interesse. "Für viele Lesungen gibt es nur noch wenige Plätze." Das trifft auch auf die vier Veranstaltungen in dieser Woche zu: Für die Lesung (ohne Eintritt) morgen, 19 Uhr im BSW-Bildungszentrum in der Reichenbacher Altstadt "Tatort Krankenhaus: Wie ein kaputtes System Misshandlungen und Morde an Kranken fördert" gibt es zwar keine Karten. "Aber aufgrund von vielen Anfragen wissen wir, dass es eng wird." Gast ist Jeanne Turczynski, die mit Karl H. Beine ein Buch geschrieben hat, das über ein Gesundheitswesen berichtet, das an der Profitgier von Eigentümern und Konzernen krankt.

Kaum weniger spannend dürfte es am Donnerstag, 18 Uhr mit Titus Müller im Amtsgericht Auerbach werden. Der Autor liest dort aus seinem packenden Roman "Der Tag X" über den Aufstand am 17. Juni 1953 in der DDR. Petra Steps: "Dafür gibt es nur noch wenige Karten." (Nachfragen möglich unter Telefon 03744 839-301/302.) Ganze zwei Plätze gibt es noch für die Schreibwerkstatt mit Titus Müller am Samstag, 10 Uhr im Israel-Zentrum Reichenbach. Die Abendlesung an selber Stelle am Samstag, 19 Uhr ist ohne Kartenverkauf. Titus Müller trägt dann aus dem Buch "Geigen der Hoffnung" vor, das von einem israelischen Geigenbauer handelt, der Instrumente von Holocaustopfern wieder zum Klingen bringt. (gem) www.krimi-literatur-tage.de

Freie Presse (09.05.2017)

Abgründe im Gesundheitssystem

Um Gewalt in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ging es jüngst bei den Krimi-Literaturtagen. Da war nichts erfunden. Reichenbach. Mehr als 70 Gäste haben am Mittwochabend dem Vortrag von Jeanne Turczynski gelauscht: Zusammen mit dem Psychiatrie- und Psychotherapieprofessor Karl Beine hatte sie das Buch "Tatort Krankenhaus. Wie ein kaputtes System Misshandlungen und Morde an Kranken fördert" geschrieben. Der Veranstaltungsort, das Bildungszentrum für Soziales, Gesundheit und Wirtschaft (BSW), war dafür ideal. Reichlich die Hälfte der Besucher waren Auszubildende in pflegerischen und therapeutischen Berufen.

Turczynski ist Wissenschaftsredakteurin und betreut beim Bayrischen Rundfunk den Fachbereich Medizin. Vor vier Jahren besuchte sie eine Fachtagung zum Thema "Gewalt in der Pflege" und hatte dort den Professor kennengelernt. Die Autorin: "Damals ging es um Gewalt an Pflegekräften, aber auch an Patienten. Karl Beine hat mit einem Pfleger gearbeitet, der Patienten getötet hat." Gemeinsam machten sie sich an das Buchprojekt und befragten Pflegepersonal, recherchierten und besuchten Pflegekongresse. "Ich war froh, dass die Menschen mit mir gesprochen haben. Vor Kamera und Mikrofon hätten sie das nie getan", erklärte die Autorin.

5055 Menschen waren an der Studie beteiligt. Eine der Fragen: "Haben Sie schon einmal aktiv das Leiden von Patienten beendet?" 1,5 Prozent der Pfleger und 3,5 Prozent der Ärzte bejahten das. Davon gehört hatten noch mehr Beschäftigte in pflegerischen Berufen. Im weiteren gingen die Autoren der Ursache für Gewalt in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen nach und kamen zum Schluss, dass das Gesundheitssystem insgesamt ein Problem hat, weil Krankenhäuser wie Wirtschaftsbetriebe geführt werden. Pflegenotstand, Überarbeitung oder pflegefremde Arbeiten im bürokratischen System führten zu Unzufriedenheit bei Beschäftigten. Folgen stellten sich ein, die vom Erschöpfungssyndrom über Süchte bis eben zur Straffälligkeit reichten.

Turczynski ermutigte die Zuhörer vom Fach, sich zu informieren, Auffälligkeiten an die Vorgesetzten zu melden und die Kommunikation untereinander zu pflegen. Auch Angehörige von Patienten sollten aufmerksam verfolgen, was mit ihren Verwandten geschieht. Leider habe die Politik bisher nicht anerkannt, dass es ein Problem gibt. Die Autorin rechnet damit, dass das Thema gegen Jahresende wieder in die Medien kommt. Dann soll der vierte Prozess gegen "Rettungs-Rambo" Niels H. starten, der in Delmenhorst und Oldenburg Patienten getötet habe. Der Wissenschaftsjournalistin ist das Vogtland nicht fremd. Sie hat eine Weile in der Region gelebt, weil ihre Eltern als Schauspieler am Plauener Theater engagiert waren: "Ich bin mit dem Zug durch Plauen gefahren. Schade, dass ich zu wenig Zeit habe, um mir die Stadt anzuschauen." Das will sie beim nächsten Besuch in der Region nachholen. Vielleicht gibt es dann ein Nachfolgebuch. "Der Stoff eignet sich auch für einen Krimi", sagte sie. Tonja Bahlke vom BSW und die Organisatoren der Krimi-Literaturtage Vogtland als Veranstalter des Abends haben schon Interesse bekundet. Die Schüler wird das aktuelle Buch noch eine Weile begleiten. Es wird in der Bibliothek des Hauses stehen und auch Gegenstand im Unterricht sein.

Nächste Veranstaltung morgen, 19 Uhr, Bildungs- und Begegnungszentrum für jüdisch-christliche Geschichte und Kultur, Wiesenstraße 62, Reichenbach: "Geigen der Hoffnung" von und mit Titus Müller.

Freie Presse (12.05.2017)

Mein Kind reist mit mir um die Welt

Katharina Finke liest über das Glück des Loslassens

Katharina Finke hat nach der Trennung von ihrem Freund ihr Leben komplett aufgeräumt und sich buchstäblich von allem Besitz getrennt, auch von einem festen Wohnsitz. Seither jettet die Journalistin um die Welt und berichtet über Menschen, die es wirklich schwer haben. Am Mittwoch liest sie im Tanzstudio Merhaba Plauen-Steinsdorf im Rahmen der Krimi-Literaturtage aus ihrem Buch "Loslassen - Wie ich die Welt entdeckte und verzichten lernte". Gerd Möckel hatte die Frau aus Nirgendwo am Telefon.

Freie Presse: Hallo Frau Finke, Sie lesen in einem Tanzstudio. Was eint Tanz und Ihre Art des stringenten Loslassens?

Katharina Finke : Mut. Beim Tanz wie überhaupt ist das dann vielleicht mit der Einsicht verbunden, nichts Materielles zu brauchen, sondern nur sich selbst und etwas funktionalen Besitz. Das ist mit allem so und überall auf der Welt.

Haben Sie eigentlich manchmal Entzugserscheinungen, wenn Sie an ein geregeltes Leben mit seinen Sicherheiten denken?

Nein, überhaupt nicht. Natürlich gibt es anstrengende Phasen. Ich reise ja nicht nur zum Spaß. Ich bin als Journalistin unterwegs und widme mich wirklich harten Themen. (Sie schrieb auch ein Buch über eine junge Inderin, die verkauft, versklavt und zwangsverheiratet wurde.) Das ganze erlebe ich als einen Prozess, der bald um eine Facette reicher wird. Im Herbst werde ich Mama.

Ohne festen Wohnsitz ist so ein junges Glück kaum vorstellbar.

Doch. Mein Kind wird mit mir reisen. Natürlich wird es später regelmäßig schulische Bildung erfahren. Es wird anders aufwachsen als andere Kinder, überhäuft mit materiellen Dingen wird es nicht.

Sie haben Ihre Habe verschenkt, da bleibt nur die Erinnerung.

Richtig. Bis auf ein paar Kleinigkeiten, die ich in einem Schuhkarton aufbewahre. Ansonsten brauche ich vielleicht zwei Koffer, mehr nicht.

Wie fühlt sich das an?

Es ermutigt mich, es macht mich offener für alles. Man muss das aber wollen. Ich habe nichts mehr, was mich von den wirklich wichtigen Dingen des Lebens ablenkt. Auch nicht die Angst etwas verlieren zu können. Natürlich ist es nicht schön, ein kleines persönliches Geschenk zu verlieren. Das ist mit jetzt passiert. Es ist schade, wenn es passiert, mehr nicht.

Die Welt entdecken und verzichten. Die Lesung mit Katharina Finke findet am Mittwoch, 19 Uhr im Tanzstudio Merhaba in Plauen-Steinsdorf statt. Einige Restkarten gibt es noch bei Melanie Tilch: Telefon 0163 7070126.

Freie Presse (13.05.2017)

Geigen, die Knie weich werden lassen

Autor Titus Müller hat in Reichenbach aus dem Buch "Geigen der Hoffnung" gelesen. Es war nicht der einzige Auftritt des Schriftstellers.

Reichenbach/Auerbach. Gleich drei Veranstaltungen hat der Schriftsteller Titus Müller im Rahmen der Krimi-Literatur-Tage Vogtland in den letzten Tagen gestaltet. Den Höhepunkt bildete dabei die Lesung "Geigen der Hoffnung" am Samstagabend im Veranstaltungsforum der Vogtland Philharmonie in Reichenbach. Projektpartner dabei war wie bei schon mehreren Lesungen zuvor der Verein Sächsische Israelfreunde, der im Haus ein Bildungs- und Begegnungszentrum für jüdisch-christliche Geschichte und Kultur mit Ausstellung betreibt.

Ewa 90 Besucher erfuhren mit Hilfe von Bildern aus der Werkstatt und von einer Tagung in Tel Aviv etwas von dem israelischen Geigenbauer Amnon Weinstein, der 60 Geigen von Holocaustopfern restauriert und wieder zum Klingen gebracht hat. Anschließend las Titus Müller aus dem Buch über dieses Projekt, das er zusammen mit Christa Roth geschrieben hat. Während die Journalistin in Tel Aviv war und den Geigenbauer porträtierte, hat Titus Müller die Geschichte einer Geige erforscht, die erst vor etwa zwei Jahren in Weinsteins Werkstatt gekommen war. Ihr Besitzer hatte sie nach der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau einem Freund gewordenen Münchner geschenkt, der sie wie einen Schatz aufbewahrte.

Der Geiger, der aus dem Ghetto Lodz nach Dachau verschleppt wurde, hat vermutlich im Lagerorchester gespielt und mit seiner Musik den Überlebenswillen der Häftlinge gestärkt. "Ich habe seine Tochter in Amerika gefunden und mit ihr telefoniert. Erst dachte sie, ich bin ein Trickbetrüger, dann wurde es immer stiller am Telefon. Sie sagte, dass ihr die Knie zittern, weil sie nicht wusste, dass ihr Vater im Lager Geige gespielt hat, obwohl der Vater auf jedem Bild in ihrer Wohnung mit Geige zu sehen ist", erzählte der Schriftsteller von seinen Recherchen für das Buch. Zur Lesung erklangen Ausschnitte aus Telemanns Trio-Sonate a-Moll, gespielt von Dagny Lehman (Flöte), Ralf Heydenreich (Violine) und Lutz Lehmann (Klavier). Als Beispiel für Versöhnungsarbeit wurde der Film zum Handwerkerprojekt der Sächsischen Israelfreunde gezeigt.

Titus Müller schrieb nach der Lesung im Veranstaltungsforum eine Menge Autogramme in seine Bücher. Mit langem Applaus und vielen Worten drückten die Besucher ihren Dank für eine gelungene Veranstaltung aus. Nach der Lesung nutzte der Schriftsteller die Gelegenheit zu einer Besichtigung der Ausstellung. Dabei entstanden auch Ideen wie die einer thematischen Reise zu den Geigen der Hoffnung und zu Amnon Weinsteins Werkstatt in Israel. Titus Müller verriet, dass einige der Geigen im kommenden Jahr in Dachau erklingen sollen und er dazu aus seinem Buch liest.

Bereits am Morgen hatte der Autor eine mit zwölf Teilnehmern voll besetzte Schreibwerkstatt geleitet. Die Teilnehmer aus drei Generationen beschäftigten sich mit Themen wie Figuren, Perspektiven oder Szenen gestalten oder den Umgang mit Schreibhemmungen. Am Donnerstag war Titus Müller am Amtsgericht Auerbach zu Gast, wo er sich einem anderen historischen Thema gewidmet hatte. Sein Buch "Der Tag X" erzählt eine Geschichte um den 17. Juni 1953 in der DDR. "Ich habe mit drei Jahren in Auerbach gelebt, aber die wenigsten werden sich an mich erinnern. Mein Bruder ist in Rodewisch geboren", verriet der gebürtige Leipziger, der aufgrund der Pastorentätigkeit seines Vaters an vielen Orten zuhause war.

Freie Presse (15.05.2017)

Thriller-Autor radelt entspannt an

Krimi-Literatur-Tage: Der Berliner Kai Hensel ist mit dem Fahrrad angereist

Reichenbach. Sind Sie jetzt glücklich, Herr Hensel? "Naja, die Hitze hat schon genervt. Aber ich bin ganz entspannt angekommen. Ich bin öfter mit dem Fahrrad unterwegs. Und Reichenbach ist ja nicht so weit weg. Neulich hatte ich eine Lesung in Recklinghausen, das war mir dann doch zu weit", sagte Kai Hensel kurz nach seiner Ankunft gestern Nachmittag in Reichenbach. Am Abend war der Krimi-Autor im Rahmen der Krimi-Literatur-Tage Vogtland Gast in der ausverkauften Salzgrotte Reichenbach. Dort las der Berliner aus seinem Thriller "Bist du glücklich?".

Aufgebrochen war der Schriftsteller und Drehbuchautor (unter anderem "Alarm für Cobra 11" oder "Die Männer vom K3") am Dienstag in Berlin-Schöneberg. Dann ging's über teils in herrliche Landschaft eingebettete Radwege nach Wittenberg, dann über Altenburg nach Werdau. "Dort musste ich auf die Landstraße wechseln. Nicht so schön, aber dafür schneller." Und die Rückreise heute? "Mit dem Zug. Vier Tage Auszeit vom Schreibtisch müssen reichen."

Freie Presse (19.05.2017)

Viebahn zeigt "Kriminelles & Erschröckliches"

Die Krimi-Literatur-Tage gehen am Dienstag in Reichenbach auf Tour - Nächste Lesung beim Zahnarzt

Reichenbach. Sozusagen zu einer Mitmach-Aktion laden die Krimi-Literatur-Tage Vogtland für Dienstag nach Reichenbach ein: 18 Uhr ist am Autobahnpolizeirevier (einstiges Amtsgericht) an der Heinrich-Heine-Straße Start für die Tour "Kriminelles & Erschröckliches", die zum Alten Wasserwerk im Park der Generationen führt.

Heimatforscher Wolfgang Viebahn, der mit dieser Tour schon einmal viel Zuspruch erfahren hatte, erzählt unterwegs von seinen Entdeckungen zur Reichenbacher Kriminalität, die er in allen möglichen Archiven gemacht hat. Der Teilnehmerpreis beträgt zwei Euro.

Die nächste Lesung gibt es am 31. Mai, 19 Uhr in der Zahnarztpraxis Kirsten in Reichenbach. Dort liest Oliver Ménard aus seinem Krimi "Ein Fall für Christine Lenève". Einige Restkarten gibt es noch.

Freie Presse (20.05.2017)

Vogtland-Literatur vorgestellt

Im Schloss Netzschkau ist eine Sonderschau um den Schriftsteller Julius Mosen zu sehen. Besucher können sich auch über heutige Autoren informieren.

Netzschkau. Die literarisch-musikalische Veranstaltung zur Sonderausstellung "Julius Mosen & seine vogtländischen Erben" am Sonntagnachmittag im Schloss Netzschkau bot so manche Überraschung. Zudem gab es viel Lob für die Sonderschau und die Stunde rund um die Literatur.

Die größte Überraschung waren die von Bernhardt Kaufmann aus Lichtentanne vertonten Gedichte von Julius Mosen, die er, zur Gitarre singend und von Günter Franke aus Schönfels begleitet, vortrug. "Wo auf hohen Tannenspitzen ..." im rockigen Rhythmus hatte keiner der Besucher zuvor gehört. "So kann man Julius Mosen auch der Jugend nahebringen", meinte Netzschkaus Bürgermeister Mike Purfürst (Gewerbeverein). Nach der Veranstaltung wurden fleißig Kontakte ausgetauscht, unter anderem mit dem Vorsitzenden der Vogtländischen Literaturgesellschaft "Julius Mosen", Frieder Spitzner. Er bereitet anlässlich des 150. Todestages von Mosen eine Veranstaltung für den September vor.

Im zweiten Teil las Hanna Konnerth Auszüge aus Texten vogtländischer Autoren, die sich um Mosens Sehnsucht drehten: "Zu der Heimat in der Ferne zög ich heute noch so gern". Ein Stück Heimat hat der gebürtige Netzschkauer Hugo Hartung ("Ich denke oft an Piroschka") in seinem Buch "Kindheit ist kein Kinderspiel" festgehalten. Philosophisch durchdacht setzte sich der Plauener Martin Kessel mit dem Zauber der Ferne auseinander. Der dritte Teil gehörte der Mundart, der sich Doris Wildgrube verschrieben hat. Sie trug eine Auswahl von Texten verschiedener vogtländischer Mundartdichter vor. Friedemann Schubert erhielt anschließend seinen ersten Preis für den Mundart-Krimiwettbewerb, der vom Mundartkreis zusammen mit dem Förderverein ausgeschrieben wurde. Er konnte an der Veranstaltung der Mundarttage nicht teilnehmen. Nach der Veranstaltung begaben sich die Besucher in die Galerie, in der weit über 100 Bücher vom reichen literarischen Schaffen mit Vogtlandbezug zeugen. Die Ausstellung knüpft an die Sonderschau "Vogtlandbücher der Nachwendezeit" an, die Frieder Spitzner 2003 im Schloss Netzschkau gestaltet hat. Sie war Ausgangspunkt für die erste Kriminacht im Schloss und die darauf folgenden Krimitage.

Das Ausstellungsplakat hatte Spitzner dabei. "Mir gefällt die Verästelung, die sich in der Zwischenzeit entwickelt hat. Die Krimitage sind nicht mehr nur Krimi. Sogar Julius Mosen ist anlässlich seines 150. Todestages einbezogen, und das auf so ungewöhnliche Weise mit vertonten Mosen-Gedichten", sagte der Vereinschef der Literaturgesellschaft. Das sei eine Idee, die Aufmerksamkeit verdiene: "Zur Literatur gehört die Sprache und damit auch die Mundart als ein Bereich. Der Überblick über die Mundartdichter hat das Ganze abgerundet." Spitzner weiter: "Die Ausstellung ist ästhetisch, harmonisch und vielfältig. Sie hat viele Besucher verdient."

Die vogtländische Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas (CDU) bedankte sich beim Förderverein für das Engagement in Sachen Literatur. Einige Gäste hatten auch Bücher für die Leseecke mitgebracht, die kräftig aufgefüllt wurde. Eine großzügige Spende mit mehreren Exemplaren seiner Gedichthefte kam von Joachim Scholz. Siegfried Martin übergab "Das Halsgericht zu Schöneck", das seine inzwischen verstorbene Frau Wibke Martin verfasst hat. Von Spitzner stammen weitere Bücher.

Freie Presse (20.05.2017)

Kriminellen Taten auf der Spur

Einen etwas anderen Stadtrundgang in Reichenbach haben Wolfgang Viebahn und Neugierige unternommen. Die Route führte ins Mordsgässel.

Reichenbach. Der Heimatforscher Wolfgang Viebahn, mit Weste und Melone im Stil des Dr. Watson aus den Romanen um Sherlock Holmes gekleidet, zeigte am Dienstagabend Neugierigen aus Reichenbach, Fraureuth, Rodewisch, Netzschkau, Heinsdorfergrund und anderen Orten historische Schauplätze und architektonische Besonderheiten. Etwa 40 Teilnehmer waren zum Stadtrundgang "Kriminelles und Erschröckliches" im Rahmen der Krimi-Literaturtage Vogtland gekommen.

Los ging es beim ehemaligen Amtsgericht, in dem heute das Autobahnpolizeirevier untergebracht ist. Von dort ist es nicht weit zum Mordgässel am Ende der Heine-Straße. Dort starb 1944 Getraud Lehmann durch einen Pistolenschuss. Da sie schwanger war, sprechen Reichenbacher noch heute vom Doppelmord. Der Weg zwischen den Gärten ist immer noch das Mordsgässel. Auch Teilnehmer an der Tour wussten von dem Verbrechen, das der Verlobte der jungen Frau begangen hatte und für das er in Leipzig hingerichtet wurde.

In die Spalte "Erschröckliches" sind Anekdoten aus dem Gymnasium einzuordnen, wie die chemischen Experimente des Pädagogen Friedrich Hora, der mit seinen Schülern Tränengas herstellte und selbst den Mathelehrer zum Weinen brachte. Deutlich mehr kriminelle Energie brachte der Bürgermeister Wilhelm Klengel auf. Er betrog die Stadt in seiner kurzen Amtszeit von 1850 bis 1852 um 8700 Taler und brannte mit der Stadtkasse durch.

Viebahn bezog Geschehnisse aus mehreren Jahrhunderten ein. Er berichtete vom Marktplatz als Hinrichtungsplatz, vom Pranger und dem Folterkeller, von der Judenverfolgung, dem Missbrauch des Volkshauses als SS-Schutzhaftlager sowie der Verhaftung und Deportation von Jugendlichen in sowjetische Arbeitslager nach der Befreiung vom Faschismus. Zum "Erschröcklichen" zählt die Verpuffung am 29. November 1977, bei der auch das Haus des Gerichtsdirektors und Geburtshaus der Theaterreformatorin Caroline Neuber, der Neuberin, beschädigt wurde. Die jetzige Trinitatisgasse, einst ein Schlammweg, hieß einst Todtengasse, weil dort der Totengräber wohnte. Vandalismus auf dem Alten Friedhof ist bereits im Vogtländischen Anzeiger und Tageblatt vom 10. September 1924 festgehalten: "Die Klagen über allerlei Frevel, der nächtlicherweise auf dem Trinitatisfriedhof beziehungsweise an der Kirche verübt wird, wollen nicht verstummen", hieß es da. Zuvor wurde ein Denkmal zerstört, das schon einmal gestürzt und wieder aufgestellt worden war.

Die Teilnehmer stellten fest, dass es so viele Kapitalverbrechen entlang des Weges nicht gab. Es geschah eher Kleinkriminelles. Hätten die kriminellen Aktivitäten in Reichenbach auch kaum das Interesse von Boulevardzeitungsschreibern hervorgerufen, so gab es für die Teilnehmer eine Menge an Informationen. Viele bewunderten die schön restaurierten Häuser und Villen oder architektonische Details, die man beim Vorbeifahren gar nicht wahrnimmt. Der Gang durch die Stadt endete im Alten Wasserwerk, wo noch ein paar Bilder gezeigt wurden. Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit dem Verein Aqua et Natura auf die Beine gestellt.

Freie Presse (26.05.2017)

Krimitage liegen auf Rekordkurs

Das Lesefestival ist heute beim Zahnarzt zu Gast

Netzschkau. Die vom Netzschkauer Schlossförderverein auf die Beine gestellten Krimi-Literatur-Tage Vogtland biegen mit Rekordkurs auf die Zielgerade ein. Vor den abschließenden Veranstaltungen zählt das größte Lese-Festival der Region etwa 1200 Besucher bei 26 Veranstaltungen - nicht eingerechnet die Gäste, die sich in der in Kooperation mit der Literaturgesellschaft Julius Mosen entstandenen Ausstellung auf Schloss Netzschkau umgesehen haben. "Insgesamt werden wir die Gesamtbesucherzahl des Vorjahrs sicher übertreffen", sagt Petra Steps vom Förderverein. Die zehnte Auflage des Festivals hatte 1661 Besucher. "Allerdings gehen wir nie auf Masse, sondern in individuellen Veranstaltungen stets auf Klasse."

Den Auftakt in dieser Woche macht heute, 19 Uhr Autor Oliver Ménard, der in der Reichenbacher Zahnarztpraxis Kirsten mit seinem Thriller "Das Hospital" für Kopfkino pur sorgt - Nachfragen nach Restkarten in der Praxis (Telefon: 03765 3878800). Einen ebenfalls außergewöhnlichen Rahmen bietet die Lesung mit Frank Goldammer morgen, 19.30 Uhr in der Plauener Sternquell-Brauerei - mit Führungen durch den Brauerei-Felsenkeller, der im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzkeller genutzt wurde. Passend dazu liest Goldammer aus einem Krimi, dessen Handlung in Kriegs-Dresden spielt. Nervenkitzel ist auch am Sonntag im Gärtnerhaus Mylau angesagt. Dort lässt Politikwissenschaftlerin Julia Bruns die Gäste ab 17 Uhr an einer Mordserie unter dem Titel "Äpfel und Dirnen" teilhaben, die eine Thüringer Kleinstadt erschüttert. Im Schulprogramm der Krimi-Tage gibt es diese Woche eine Veranstaltung mit dem Greizer Winfried Arenhövel, der an der Oberschule Neumark liest.

Die elfte Festival-Auflage neigt sich kommende Woche mit der Krimiblutspende und der Kriminacht auf Schloss Netzschkau ihrem Ende entgegen. Der Schlussakkord dürfte ein Gästemagnet werden. Mime Miroslaw Nemec (Tatort-Kommissar Ivo Batic) liest am 11. Juni in der Vogtlandhalle aus seinem Krimi "Die Toten von der Falkneralm". (gem) www.krimi-literatur-tage.de

Freie Presse (26.05.2017)

Autorin springt mit Spreewald-Krimi ein

Christiane Dieckerhoff trat unverhofft bei den Krimi-Literaturtagen im Vogtland auf. Sie bot auch etwas zu "Äpfel und Dirnen".

Mylau. Bei den Krimi-Literaturtagen Vogtland wurde am Sonntag zu Plan B gegriffen. Das heißt, eigentlich gab es gar keinen Plan B, denn die Veranstalter und auch die Gäste im Gärtnerhaus Mylau hatten fest mit der Autorin Julia Bruns gerechnet. Doch sie hatte sich am Samstagvormittag krank gemeldet und absagen müssen. Nur etwa 30 Stunden Zeit blieben bis zur Lesung am Pfingstsonntag, und das auch noch zum Feiertags-Wochenende. Da war guter Rat erst einmal teuer. Ein Hilferuf auf mehreren Kanälen von Facebook reichte aus: Christiane Dieckerhoff war die erste, die sich am Samstagmittag meldete.

Dieckerhoff schreibt zwar Spreewald-Krimis, wohnt jedoch im Ruhrgebiet. Sofort wurden Bahnverbindungen sowie Fahrtkosten geprüft und Risiken abgewägt. Dann die gute Nachricht, dass Ehemann Eckhard mitkommt und beide im Auto anreisen. Das Gästezimmer im Gärtnerhaus war kurzfristig frei geworden. Für die Besucher der Lesung wurden passend zu den Krimis schnell ein paar Gläser Spreewald-Gurken besorgt. Das ist in hiesigen Supermärkten kein Problem. Außerdem passten die Gurken gut zur "Toten Oma", dem gebackenen Blut, das es traditionell bei Krimilesungen im Gärtnerhaus gibt und das seit Inbetriebnahme des Backofens im Freien auch dort gegart wird.

Selbst Petrus hatte ein Einsehen und gestattete die Lesung im Kulturgarten am Haus. Ende gut, alles gut. Christiane Dieckerhoff zog die Zuhörer sofort in ihren Bann. Sie las mehrere Szenen aus ihrem zweiten Spreewald-Krimi "Spreewaldtod" und zwei Kurzgeschichten, in denen es um Fisch und um Äpfel ging - die Äpfel vor allem, weil die Lesung ja unter dem Titel "Äpfel und Dirnen" angekündigt war. Dazu erzählte sie, wie sie nach dem Auftrag zu Spreewaldkrimis durch den Ullstein-Verlag im Spreewald recherchierte und ihr die Region und die Menschen ans Herz wuchsen. Als gelernte Krankenschwester kennt sie sich mit dem Tod auch in fachlicher Hinsicht aus. Das komme der Handlung in ihren Büchern zugute.

In Mylau war man mit Begriffen wie Fließe für die Flussarme oder dem Gurkenflieger vertraut. "Bei mir im Ruhrgebiet muss ich das alles erklären", sagte Christiane Dieckerhoff. In ihrer Kurzgeschichte "Hechte der Nacht" aus der Anthologie "Flossen hoch 3.0" kam jede Menge Wissen vor, das zumeist nur DDR-Bürger haben. Die Besucher wollten erfahren, woher das stammt. "Ich hatte eine Kollegin aus der DDR, mit der ich mich ausgetauscht habe", so die Schriftstellerin. Für Erstaunen sorgte auch, dass sie ihre Manuskripte auf dem Laufband schreibt und so eine der fittesten Autorinnen ist. "Dabei fließen die Gedanken", nannte sie den Grund.

"Sie leben das alles beim Lesen richtig", begeisterte sich Roselinde Hampel für den Vortrag. Zum Glück hatte Christiane Dieckerhoff am Samstag noch schnell Bücher von ihrem Buchhändler geholt, denn viele der Zuhörer wollten wissen, wie es mit der Protagonistin Klaudia Wagner weitergeht. Der dritte Band ist für 2018 angekündigt.

Freie Presse (07.06.2017)

Gewalt erzeugt Gewalt

Schauspieler Steffen Schroeder ist Stargast der Kriminacht auf Schloss Netzschkau

Die Krimi-Literatur-Tage erleben mit dem Mords-Spektakel am Samstag auf Schloss Netzschkau ihren Höhepunkt. Unter den fünf Autoren, die bei der Kriminacht lesen, ist Schauspieler und Autor Steffen Schroeder, der aus seinem Buch "Was alles in einem Menschen sein kann - Begegnung mit einem Mörder" vorträgt. Bekannt wurde der Familienvater etwa mit "Bella Block" oder "Keinohrhasen"; im Osten vor allem als Kommissar Tom Kowalski in "SOKO Leipzig". Gerd Möckel hatte den Charakterkopf in einer Leipziger SOKO-Drehpause am Telefon.

Freie Presse: Hallo Herr Schroeder, Sie zu erreichen, das gleicht schon einer Tätersuche.

Steffen Schroeder : Sorry, wir drehen gerade die neue SOKO-Staffel, jetzt habe ich ein paar Minuten. Ich stehe entspannt an der Inselstraße vor unserem Revier, schießen Sie los.

Ist das wirklich so viel Stress?

Na ja, wir drehen gerade vier Folgen parallel und springen dabei natürlich effizient in den Folgen. Da gibt's kaum Luft. Für eine Folge stehen uns 7,25 Tage zur Verfügung. Das ist schon ein großes Pensum.

Wann läuft das Ergebnis dieses Stresses im Fernsehen?

Im Moment laufen ja Wiederholungen, die neue Staffel kommt dann im Herbst ins Fernsehen.

Sie sind am Samstag Gast der Krimi-Literatur-Tage; waren Sie schon mal im Vogtland?

Ja, privat. Ein Teil meiner Familie stammt aus der Lausitz. Bei so einem Abstecher dahin war ich im Vogtland, auch an der Göltzschtalbrücke, ich mag die Gegend.

Sie lesen auf Schloss Netzschkau aus Ihrem Sachbuch "Was alles in einem Menschen sein kann - Begegnung mit einem Mörder"; um was geht's konkret?

Kurz: Zum einen um einen Mann und seine Tat und was die Tat aus ihm gemacht hat. Zum anderen ist es ein sehr intimer Einblick in deutsche Gefängnisse, in die Hintergründe eines Straftäters und den Umgang mit Straftätern überhaupt.

Was hat der Mann gemacht?

Er sitzt seit 18 Jahren im Knast. Für einen brutalen Mord. Zur Tatzeit war er rechtsradikal, hat sich inzwischen aber von dieser Gesinnung abgewendet. Ich schreibe über unsere Begegnungen in der JVA Tegel, über den Alltag in Deutschlands größtem Knast. Wenn man so jemand über vier Jahre lang besucht, bekommt man doch einen sehr persönlichen Einblick. Und ich glaube durchaus, dass solche Täter, wenn sie einsichtig sind, für unsere Gesellschaft auch noch von Nutzen sein können.

Da fällt mir das Beispiel des gestrauchelten Boxers Charly Graf ein, der seit seiner Entlassung aus der Haft gestrauchelten Jugendlichen auf die Beine hilft.

Genau. Viele Täter teilen die Einsicht, die diesem Handeln zugrunde liegt. Wir müssen solche Menschen stärker in die Präventionsarbeit einbinden. Darüber spreche ich auch beim Präventionstag in Kürze in Hannover. Wenn einem Jugendlichen, der mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, so ein Mensch sagt, pass auf, wenn du so weitermachst, landest du im Knast, und dort ist es so und so, dann glaubt man ihm das eher als einem Sozialarbeiter.

Das ist sicher nur eine Komponente des ganzen.

Ja. Letztlich geht es um die Frage, wie sich Kreisläufe der Gewalt durchbrechen lassen. Es ist schon so, dass Gewalt Gewalt erzeugt. Wer als Kind Gewalt als Mittel der Konfliktbewältigung erlebt hat, ist vorbelastet. Wichtig ist auch, wie wir mit Tätern umgehen. Schauen Sie in die Gefängnisse. Stellenabbau, überforderte Beamte, hoher Stand an Dauerkranken, in der Folge chaotische Verhältnisse, die eben beschriebene Vorhaben konterkarieren.

Ich merke, die Zeit wird knapp. Letzte Frage: Wie wurde aus dem Schauspieler ein Autor?

Ich bin ja Botschafter bei der Opferorganisation Weißer Ring. Dann habe ich mich auch in der Straffälligenhilfe umgesehen, wurde ehrenamtlicher Vollzugshelfer und betreue seitdem diesen Häftling. Über unsere Begegnungen habe ich oft meinem Freund Michael Degen erzählt. Der sagte immer wieder, darüber musst du ein Buch schreiben.

Und, schon was neues in Arbeit?

Ja, ich habe Blut geleckt. Und der Verlag ist auch nicht abgeneigt. Es gibt zwei Stoffideen, eine wird es. Lassen Sie sich überraschen.

Mordsspektakel am Samstag ab 18 Uhr auf Schloss Netzschkau. Neben Steffen Schroeder lesen Judith Merchant, Alexander Pfeiffer, Jana Jürß und Sabine Trinkaus. Bereits morgen wird von 16 bis 20 Uhr zur traditionellen Blutspende aufs Schloss gebeten. Die Krimi-Literatur-Tage enden am Sonntag, 17 Uhr mit der Lesung von Schauspieler Miroslav Nemec in der Vogtlandhalle Greiz. www.krimi-literatur-tage.de

Freie Presse (08.06.2017)

Schloss unter Hochspannung

Hochkarätige Autoren unterhielten am Samstag zur Krimi-Nacht in Netzschkau. Für Vielbesucher und Weitgereiste gab es Preise.

Netzschkau. Bei der zwölften Kriminacht im Schloss Netzschkau blieb am Samstagabend kein Stuhl frei. Die Besucher erlebten ein abwechslungsreiches Programm mit zwei Autoren und drei Autorinnen. Sie konnten jeweils vier Vorträge hören. Zwei Lesungen fanden im Podium statt. Bei zwei Staffeln lasen jeweils drei Autoren parallel.

In der ersten Lesung hatte der Schauspieler Steffen Schroeder den Besuchern seine ehrenamtliche Tätigkeit als Vollzugshelfer in einer Justizvollzugsanstalt nahegebracht, die er in seinem Erstling "Was alles in einem Menschen sein kann" beschrieb. Mit sonorer Stimme erzählte er von seinem Begegnungen mit Micha, der für den Tod eines Menschen verantwortlich ist, aber nicht ertragen konnte, dass ein plötzlich verstorbener Mithäftling anonym verscharrt wurde.

Der Saal gehörte anschließend dem Wiesbadener Alexander Pfeiffer, dessen Protagonist Filmvorführer in einem nostalgischen Kino ist. Passend dazu war sein Leseplatz dekoriert. Judith Merchant versprühte mit ihrer mörderischen Kurzgeschichte einen Hauch Weihnachtsatmosphäre, umgeben von Weihnachtsdekoration, die sonst eher bei der Schlossweihnacht zu sehen ist.

Sabine Trinkaus wurden die Ermittler zu langweilig, deshalb hat sie mit "Seelenfrieden" ihren ersten Thriller geschrieben, den sie im Ofenzimmer vorstellte. Zum Schluss trafen sich alle wieder im Saal, um Jana Jürß an der üppig dekorierten Tango-Bar zu lauschen. Ihr gleichnamiges Buch dreht sich um ein Schriftstellerinnen-Pärchen, das mangels Erfolg in einer Bar Geld verdienen muss. Zwischen größeren Killergeschichten gab es ein paar nette "Mördchen" - recht einfach nachzuahmen, wie die Autorin betonte. Vor allem lauern die Gefahren überall - im Haushalt, im Garten oder nach dem Einkauf auf dem Parkplatz. Vor Beginn traten die Autoren nach ihrer Vorstellung aus dem Nebel in den Veranstaltungsraum, wo sie von den Gästen mit Applaus begrüßt wurden. Die meisten hatten es mit der Anreise wegen Staus oder verpasstem Anschlusszug erst einmal richtig spannend gemacht, denn sie trafen erst unmittelbar vor Veranstaltungsbeginn und damit nach den meisten Gästen ein.

Unter den Besuchern waren viele Stammgäste, die auch an anderen Veranstaltungen der Krimi-Literaturtage Vogtland teilgenommen hatten. Die weiteste Anreise hatte eine Frau aus Oberbayern, die zufällig auf die Veranstaltungsreihe aufmerksam wurde. Auf den ausgefüllten Fragebogen gestanden einige Besucher, dass sie zuerst nur mitgeschleppt wurden, mittlerweile aber ganz freiwillig zur Kriminacht kommen, weil ihnen die Mischung aus Schloss-Ambiente, Autoren, kreativen Dekorationen sowie Catering, Buchverkauf und Kontakten mit den Schriftstellern gefällt. Auf die abgegebenen Fragebogen wurden Bücher verlost, die mehrere Verlage und die Autorenvereinigung Syndikat zur Verfügung gestellt hatten. Preise gab es auch für die weiteste Anreise und den häufigsten Besuch der Lesungen. Auf den Fragebogen stand auch: "Soll es die Krimi-Literaturtage auch künftig geben?" Die Antworten: "ja" sowie "natürlich" und "aber sicher".

Die Autoren bedankten sich für die außergewöhnliche Atmosphäre im historischen Gemäuer, das der Kriminacht den passenden Rahmen bot. Die diesjährigen Krimi-Literaturtage endeten gestern mit der Lesung von Miroslav Nemec, bekannt als Tatortkommissar Ivo Batic, in Greiz.

Freie Presse (12.06.2017)

Krimifans spenden Blut im Schloss

Hochkarätige Autoren unterhielten am Samstag zur Krimi-Nacht in Netzschkau. Für Vielbesucher und Weitgereiste gab es Preise.

Netzschkau. Die neunte Blutspende-Aktion fand kurz vor dem Ende der Krimi-Literturtage im Schloss Netzschkau statt. Vor allem Spender aus Netzschkau und Mylau nutzten am Freitagabend den zusätzlichen Termin außerhalb der Arbeitszeit. Die Zahl der Spender blieb jedoch etwas hinter den Erwartungen und den Zahlen der Vorjahre zurück.

Der Schloss-Förderverein hatte sich für die Spender etwas Besonderes einfallen lassen. Statt der üblichen Blutspendebeutel gab es eine Kräutersalzmischung aus der Kräutergärtnerei Sagan im Ortsteil Brockau. Kräutersalz, Butterbrotsalz und "Unsterblichkeitssalz" standen zur Verfügung. Zudem erhielten die ersten Spender und der einzige Erstspender Buchpräsente. Erstspender war der CDU-Landtagsabgeordnete Stephan Hösl aus Reichenbach: "Ich staune, wie viel Aufwand für so eine Blutspende notwendig ist und betrieben wird. Auch in bürokratischer Hinsicht." Er kam, weil er sich vorgenommen hat, jeden Tag eine gute Tat zu vollbringen.

Der Kinderspieltisch blieb verwaist, da keiner der Spender ein Kind mitgebracht hatte. Für die Spender und ihre Begleiter war die Sonderausstellung "Julius Mosen und seine vogtländischen Erben" geöffnet. Einige nutzten die Gelegenheit, um die Bücherauswahl und die Informationen zu den Schriftstellern anzuschauen und in der Leseecke ein wenig zu schmökern. Im kommenden Jahr soll es die zehnte Krimiblutspende geben. Schon jetzt denken die Helfer vom Förderverein Schloss Netzschkau und Antje Dombrowski vom DRK-Blutspendedienst über den Termin nach.

Freie Presse (13.06.2017)

Tatort-Kommissar liest und musiziert zum Finale

Der Schauspieler Miroslav Nemec überraschte das Publikum in der Vogtlandhalle bei den Krimi-Literaturtagen. Er las nicht nur eigene Texte, sondern zog auch noch ein Klavier hinter dem Vorhang hervor.

Reichenbach/Greiz. Die Krimi-Literaturtage Vogtland sind am Sonntag zu Ende gegangen: Dem offiziellen Abschluss mit der Kriminacht im Schloss Netzschkau folgte noch eine abschließende Kooperation mit der Bibliothek in Greiz, die im Rahmen des 28. Greizer Literaturabends den bekannten und beliebten Schauspieler Miroslav Nemec eingeladen hatte.

Nicht nur Freunde der "Tatort"-Krimireihe aus der ARD kennen den Ex-Jugoslawen mit deutscher Staatsbürgerschaft, auch wenn er oft über seine Rolle als Münchner Hauptkommissar Ivo Batic identifiziert wird. Diese Rolle war es auch, die den in Freilassing aufgewachsenen und in Traunstein zur Schule gegangenen Kommissar zu seinem ersten eigen Kriminalroman reizte.

In "Der Tote aus der Falkner-Alm" geht es um ein mörderisches Wochenende, wie sie an verschiedenen Orten angeboten werden, zum Beispiel in Hillesheim/Eifel, wo sich ein Krimihotel und das Kriminalhaus befinden. Das Hotel Falkneralm hat seinen Standort in den Berchtesgadener Alpen. Aus dem Spiel wird schnell ernst, denn statt zu einer Lesung aus Mankells Roman und einem Gespräch zu Mord und Totschlag in Fiktion und Wirklichkeit gerät der Schauspieler gleich in mehrere Morde und verletzt sich zu allem Überfluss auch noch selbst.

Zu Beginn der Lesung hatte Nemec erklärt, dass er eigentlich einen unaussprechlichen kroatischen Namen trage, sein erstes Buch "Miroslav - Jugoslav" autobiografischen Charakter hat und sein Freund, der Verleger vom Knaus-Verlag, ihn bei einer Bergwanderung zu diesem Krimi überredet hatte. "In Berchtesgaden habe ich meine erste Lederhose bekommen, dort gibt es viele Hotels und eine Seilbahn", sagte Nemec zur Auswahl des Tatorts für seinen ersten eigenen Fall, den er seinem Tatort-Kommissar auf den Leib schreibt.

Am Ende der Veranstaltung begab sich der Schauspieler zur Freude der Besucher noch einmal an seine beruflichen Wurzeln: vor dem Besuch der Schauspielakademie in Zürich. Er hatte damals in Salzburg Musik mit Schwerpunkt "Klassisches Klavier" studiert, ist Fachlehrer für Musik, hat die Schülerband Asphyxia gegründet und tritt mit der Miro-Nemec-Band auf. Zur Überraschung der Gäste zog er das Klavier hinter dem Vorhang vor und spielte eine Romanze. Mehrere Besucher, die Nemec zum Teil persönlich kannte, hatten ihm Geschenke mitgebracht. Nach kurzen Gesprächen widmete sich der Schauspieler der langen Besucher-Schlange, die Bücher oder Autogrammkarten signieren ließ.

Die Veranstaltung wurde zudem genutzt, um Doreen Maaß aus Greiz ihren Preis für die Bloody-Cover-Aktion zu übergeben. Bei der Ausstellung der nominierten Bücher in der Greizer Bibliothek konnten die Besucher ihren Favoriten wählen. "Für mich ist ein Cover wichtig. Ich bin sehr optisch orientiert und schaue mir bei den Neuzugängen immer zuerst die Cover an. Das hat Einfluss auf die Buchauswahl", sagte die Gewinnerin. Die beiden anderen Preisträger erhalten ihren Preis in der Bibliothek.

Auch wenn die Krimi-Literaturtage nun zu Ende gegangen sind, ist noch nicht ganz Schluss. Die Sonderausstellung "Julius Mosen und seine vogtländischen Erben" im Schloss Netzschkau wird verlängert. Sie kann noch bis Ende August besichtigt werden. Außerdem gibt es noch die Wohnzimmerlesung in Auma.

Freie Presse (13.06.2017)

Gäste: Die Krimi-Literatur-Tage passen genau so wie sie sind

Mehr als 2000 Besucher haben die elfte Auflage des größten Lesefestivals der Region verfolgt. Damit liegt der Zuspruch leicht über dem des Vorjahrs. Für die Organisatoren vom Förderverein Schloss Netzschkau sind aber auch im Hinblick auf 2018 nicht nur Zahlen spannend.

Netzschkau. Bei nahezu jeder der insgesamt 30 Veranstaltungen der Krimi-Literatur-Tage Vogtland lagen Fragebögen aus, die Petra Steps im Anschluss an die Lesungen eingesammelt und ausgewertet hat. Besucher-Tenor im Hinblick auf Vorschläge für die nächsten Auflagen von Vogtlands größtem Lesefestival: Alles passt genau so wie es ist. Ergo: Also bleibt auch (fast) alles so wie es ist. "Dieses Feedback deckt sich mit unserer Auffassung. Wir gehen nicht auf Masse, sondern auf Klasse. Das spiegelt sich in der Auswahl der Autoren genauso wider wie in Ausstattung und Flair der mit unseren Partnern thematisch passend abgerundeten Veranstaltungen", sagt Petra Steps vom Veranstalter Förderverein Schloss Netzschkau.

Die Einschätzung der Festival-Gründerin bezieht sich demnach auch auf den in den letzten Jahren relativ konstanten Gäste-Zuspruch. Die jetzt beendete elfte Auflage des Spektakels haben mehr als 2000 Krimi- und Literaturfans besucht, das sind etwas mehr als im Vorjahr. Statistisch gerechnet sind das pro Veranstaltung 55,7 Gäste, im Vorjahr lag der Schnitt bei 55,4. "Selbst wenn wir es wollten, wir könnten die Kapazität nicht wesentlich erhöhen, wenn auch die Nachfrage bei einzelnen Veranstaltungen natürlich höher liegt als das Angebot", sagt Petra Steps. "Doch mit mehr Gästen würde auch die einzigartige Atmosphäre des Festivals verlorengehen. Mehr Gäste sind also auch im nächsten Jahr nicht unser Ziel, auch wenn bei einzelnen Veranstaltungen mehr Gäste wünschenswert wären; speziell in Reichenbach ist da noch Potenzial da. Woran das liegt, weiß ich nicht."

Beispiel: Die Lesung mit Andreas Föhr in der Jürgen-Fuchs-Bibliothek. Der Auftritt des preisgekrönten Krimi- und Drehbuchautors ("Der Bulle von Tölz", "Tatort") war weit unter Schnitt besucht. Der Prophet galt dagegen im eigenen Lande etwas, als Kai Hensel mit dem Rad in die Salzgrotte (ausverkauft) anreiste. "Oft ist es so, dass die Veranstaltungen dort sehr gut besucht sind, wo unsere Partner über persönliche Kontakte werben." Doch auch 2017 gab es einige Lesungen, die sebst ohne Mund-zu-Mund-Propaganda aus allen Nähten geplatzt sind. Etwa jene im Planetarium Rodewisch mit der Mars-Frau Christiane Heinicke. Aufgrund der riesen Nachfrage wurde flugs eine zweite Veranstaltung organisiert. Auch kleine Turbulenzen wurden gut gemeistert. Zum Beispiel, als Julia Bruns einen Tag vor ihrem Auftritt im Gärtnerhaus Mylau krankheitsbedingt absagen musste. Via Facebook wurde umgehend Christiane Dieckerhoff gewonnen. Die Krimi-Lady aus dem Ruhrpott trat sofort ordentlich aufs Gaspedal. Petra Steps: "Und es wurde eine super Veranstaltung. Frau Dieckerhoff kommt sicher wieder."

Eine prominente Repräsentantin des Krimi-Tage-Wohfühlklimas ist auch Elke Pistor, die im Küchenstudio Geipel in Theuma und auf dem Pöhl-Krimi-Dampfer las. Die Autorin reiste eher an, um in der Gästewohnung der Wohnungsbaugesellschaft Reichenbach in Schreibklausur zu gehen. Dort schloss sie ihren neuen Weihnachts-Krimi ab, aus dem sie sicher auch 2018 im Vogtland lesen wird.

Elke Pistor gehört zu einer Reihe von Akteuren, mit denen Petra Steps im Hinblick auf die zwölfte Auflage bereits in Kontakt steht. So gut wie sicher ist das Debüt von Luci van Org ("Hey, Süßer!"), die mit Ulf Torreck amüsant über Serienkiller mit besonderen Vorlieben plaudert. Premieren sind auch in Buchform geplant: So gut wie abgeschlossen ist die Arbeit von Petra Steps und Friederike Schmöe als Herausgeber-Duo von "Mörderische Prachtbäder" - mit spannenden Einblicken in die Bäderwelt von Bad Elster bis Bad Kissingen. Auch die Rodewischer Autorin Maren Schwarz wird ein neues Buch vorstellen. Neugierig macht zudem der Auftritt von Vertretern des Bundesamtes für magische Wesen. Auch der Auftakt (am 21. März) dürfte den Nerv vieler Fans treffen. Schauspielerin Isabella Archan liest dann in der Sparkasse Reichenbach aus einem Zahnarzt-Krimi.

Freie Presse (30.06.2017)