Pressespiegel

Krimi-Literaturtage: Jede Menge Spannung über und unter Tage

Netzschkau. Wer sich nicht für Krimis interessiert, aber Spannung liebt, kommt bei den am 29. März startenden 11. Krimi-Literatur-Tagen Vogtland voll auf seine Kosten. Etwa ein Viertel der 30 Veranstaltungen des größten Literatur- und Lese-Festivals im Vogtland hat mit dem Krimi lediglich das Spannungspotenzial gemein. "Auch in dieser Hinsicht haben wir ganz packende Angebote im Programm. Ich denke, es ist für jeden Geschmack etwas dabei", sagt Petra Steps vom Krimi-Projektteam im Hinblick auf Lesungen, musikalisch und kulinarisch umrahmte Veranstaltungen, Ausstellungen an bewährten und neuen, teilweise spektakulären Tatorten - wie dem selten zugänglichen, einst als Luftschutzkeller genutzten Felsenkeller der Sternquell-Brauerei oder der Sparkasse Reichenbach (inklusive Führung Tresorkeller).

Ebenfalls neuer Tatort und Arena gleich für ein Thema mit Sprengkraft ist das Reichenbacher BSW-Bildungszentrum, in dem mit "Tatort Krankenhaus: Wie ein kaputtes System Misshandlungen und Morde an Kranken fördert" die These diskutiert wird, im profitorientierten Gesundheitswesen bleibe der Patient auf der Strecke. Wie im Krimi spannend dürfte auch der Auftritt von Christiane Heinicke im Planetarium Rodewisch werden. Die Physikerin gehörte als einzige Deutsche zu einem Nasa-Mars-Projekt auf Hawaii - ein Jahr war sie mit weiteren Wissenschaftlern Versuchskaninchen in einer Mars-WG.

Die heftig umworbene Autorin steht zudem für einen hohen Frauenanteil der elften Festivalauflage, in der es überdies nur so von schillernden und TV-prominenten Autoren wimmelt. Da ist zum Beispiel Frauenschwarm und "Tatort"-Kommissar Miroslav Nemec, den es in die Vogtlandhalle Greiz verschlägt. Nemec lässt sich dort in "Die Toten von der Falkneralm" selbst ermitteln - sehr humorvoll und sicher vor großem Publikum. Sich selbst mal auf die Schippe nehmen - das kann auch Kai Hensel ("RTL Samstag Nacht"), der zu seiner Thriller-Lesung "Bist du glücklich?" in Reichenbach mit dem Fahrrad anreist - aus Berlin. Das Glück des Verzichts kennt auch Katharina Finke, die als freie TV-Korrespondentin allem Besitz abgeschworen hat und weltreisend aus dem Koffer lebt. Wie das geht, darüber redet sie im Tanzstudio Merhaba in Plauen-Steinsdorf.

Die Liste der vorlesenden Autoren, die auch etwas zu sagen haben, ist lang. Genannt werden muss unbedingt Titus Müller, der mit Christa Roth das ergreifende "Geigen der Hoffnung" über einen Mann geschrieben hat, der Geigen von Holocaustopfern restauriert. Nicht zuletzt bietet die in der Krimi-Nacht ("Soko Leipzig"-Schauspieler Steffen Schroeder reist gleich mit Frau und Söhnen an) auf Schloss Netzschkau kulminierende Veranstaltung auch wieder vogtländischen Autoren eine Bühne. Ausstellungen wie "Bloody Cover" runden das Angebot ab.

Freie Presse (07.03.2017) – Text: Gerd Möckel

"Freie Presse"-Buch holt den Sieg

Für "Wunderschönes Vogtland" erhielt Hans Jakob aus Schöneck die meisten Stimmen. Er nahm zur Preisverleihung in der Kapelle Neuensalz Glückwünsche entgegen.

Schöneck/Neuensalz. "Es muss ein mörderisches Jahr gewesen sein." Mit diesem Satz leitete Frieder Spitzner von der Vogtländischen Literaturgesellschaft Julius Mosen am Sonntag die Verkündung der Bestplatzierten des Literaturwettbewerbes Vogtlands Lieblingsbuch 2015 in der Kapelle Neuensalz ein. Von insgesamt acht Krimis platzierten sich drei ganz weit vorn in der Endabrechnung. Die Netzschkauer Autorin Petra Steps landete gleich mit zwei Büchern auf dem vierten Platz. Zwischen "Vogtländisches Blutbad" und "Wer mordet schon im Vogtland" lag nur eine Stimme dazwischen. Autorenkollegin Maren Schwarz aus Rodewisch heimste mit ihrem Kriminalroman "Inselfeuer" ebenfalls jede Menge Stimmen ein. Nach der Auszählung kam ihr spannendes Werk auf Platz drei.

Unter dem Titel "Wunderschönes Vogtland" wurde diesmal ein Bildband mit Fotografien von Hans Jakob zu Vogtlands Lieblingsbuch gekürt. Es ist im Chemnitzer Verlag, dem Buchprogramm der "Freien Presse", erschienen. Der Schönecker Jakob fing die herbe Schönheit - Bekanntes und Verborgenes - seiner Heimat mit der Kamera ein. Die passenden Worte zu den Fotografien jenseits der Postkarten-Romantik verfasste der Plauener Lutz Behrens.

Ein Band mit den bekannten Vater und Sohn-Geschichten des Karikaturisten Erich Ohser kam auf den zweiten Platz. Viel Beifall bekam auch die 91-jährige Autorin Elfriede Voigt aus Netzschkau. "Nach Haus" nennt sich ihre sehr persönlich eingefärbte Geschichte. Zur Auszählung kamen insgesamt mehr als 1000 Stimmen aus dem Vogtland zusammen.

Die Preisverleihung war gleichzeitig Startschuss für die zehnte Auflage des Literaturwettbewerbes. Den Besuchern in der Kapelle wurden 60 Bücher präsentiert. Vor Ort konnten sie ihre Favoriten auf den neuen Stimmzetteln angeben. In den nächsten Wochen und Monaten liegen die Publikationen in neun Bibliotheken der Region zur Abstimmung aus. Ab 13. März macht der Wettbewerb in der Auerbacher Stadtbibliothek Station.

Freie Presse (08.03.2017) – Text: Thomas Voigt

Wettbewerb um schönstes Krimi-Cover

Die Greizer Stadt- und Kreisbibliothek beteiligt sich an einer bundesweiten Literatur-Aktion. Weitere Ausrichter befinden sich beispielsweise in Berlin, Hamburg und Köln.

Greiz/Netzschkau. Dem Team der Krimi-Literaturtage ist es gelungen, die Ausstellung für den Wettbewerb "Bloody Cover" erstmals ins Vogtland zu holen: Die Weichen dafür wurden beim Auftritt von Angela Eßer voriges Jahr in Theuma gestellt. Sie organisiert den Wettbewerb im Auftrag der Krimi-Autorenvereinigung Syndikat zusammen mit den Verlagen. Dabei geht es nicht um das beste Buch oder den erfolgreichsten Autor, sondern um das schönste Buch der Krimisparte. Bewertet wird lediglich das Cover. Das soll originell, stimmig und markant sein. Man muss das Buch also nicht gelesen haben, sondern lediglich einen aufmerksamen Blick auf den Einband werfen.

Die zwölf nominierten Bücher trafen bereits in der Stadt- und Kreisbibliothek Greiz ein. Bibliotheksleiterin Corina Gutmann und ihr Team haben nun die Ausstellung gestaltet, die Plakate aufgehängt und die Stimmzettel kopiert. Jetzt kommt es darauf an, dass so viele Bibliotheksbesucher wie möglich einen Stimmzettel ausfüllen.

Ein so kleiner Ort wie Greiz im Vogtland ist für diesen Wettbewerb schon etwas Besonderes: "Ich finde die Ausstellung super toll, vor allem wenn ich die anderen Orte anschaue und dann dazwischen die kleine Greizer Bibliothek sehe. Wir wollen eine möglichst hohe Zahl an Stimmzetteln zusammenbekommen und zeigen, dass nicht die Größe eines Ortes entscheidend ist", sagte die Bibliothekschefin. Neben Greiz gibt es analoge Bücherausstellungen zur Wahl des besten Covers in der Humboldt-Bibliothek in Berlin, in der Bücherhalle Barmbek in Hamburg, im Kriminalhaus Hillesheim/Eifel, in der Zentralbibliothek Köln oder in der Hauptbücherei Wien und der Pestalozzi-Bibliothek Zürich. In Ostdeutschland ist lediglich die Bibliothek Leipzig-Grünau/Nord beteiligt. Zudem kann wie jedes Jahr in der Criminale-Region beim größten deutschen Krimi-Autoren-Festival abgestimmt werden. Und das ist diesmal Graz in Österreich, nicht zu verwechseln mit der vogtländischen Aussprache von Greiz. Die Bücher gehen anschließend in den Bestand der Bibliothek ein. Darunter sind Bücher bekannter Autoren wie Sebastian Fitzek, Thomas Raab, Dora Heldt oder Andreas Gruber, aber auch Bände weniger bekannter Autoren wie Sandra Dünschede oder Volker Dützer.

Damit die Greizer möglichst viele Stimmen zusammenbekommen, hat sich Corina Gutmann einige Aktionen ausgedacht. Beispielsweise nimmt sie ein Plakat mit Coverausdrucken zu Resozialisierungsprojekten in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Hohenleuben mit. Dort wird zurzeit ein Film über den Ex-Profiboxer Charly Graf gedreht, der in der JVA Workshops leitet. Mit künstlerisch begabten Häftlingen, die auch Texte selbst schreiben, wird eine Rap-CD produziert.

Bei den Veranstaltungen der Bibliothek sind die Cover ebenfalls dabei. Auf die Stimmzettel werden Preise verlost, die zur Veranstaltung mit Miroslav Nemec am 11. Juni übergeben werden. Abgestimmt werden kann bis 7. Mai. Wer es nicht in die Bibliothek schafft und trotzdem mitmachen will, der kann online seine Stimme abgeben unter: www.krimi-forum.de

Freie Presse (10.03.2017)

Krimi-Spektakel im eigenen Wohnzimmer

Hof/Vogtland – Eine „Tupperparty für Leseratten“ ist zu den vogtländischen Krimi-Literatur-Tagen zu gewinnen. Wer schon immer mal einen Schriftsteller im eigenen Wohnzimmer lesend in Aktion erleben wollte, kann sich bis 30. April bewerben. Die Idee ist, dass Privatpersonen einen geeigneten Raum für eine Lesung zur Verfügung stellen, ganz nach Wunsch Gäste einladen und sich als freundlicher Gastgeber präsentieren. Mitmachen können Leute aus dem sächsischen und dem bayerischen Vogtland – also auch aus Hof und Umgebung.

Die Krimi-Literatur-Tage Vogtland, die heuer zum elften Mal stattfinden, bringen den Vortragenden ins Haus. Dafür stehen verschiedene Autoren des vogtländischen Krimi-Stammtischs zur Auswahl. Die Veranstaltung sollte vor dem 30. September stattfinden. Zu den Autoren des Krimi-Stammtischs gehören Roland Spranger, Manfred Köhler und Gunnar Schuberth aus dem Bayerischen Vogtland sowie Petra Steps, Maren Schwarz und Christoph Krumbiegel aus dem Sächsischen Vogtland. Gegründet hat den Krimi-Stammtisch 2013 die Herausgeberin und Autorin Petra Steps, die auch Initiatorin und Veranstalterin der Krimi- Literatur-Tage Vogtland ist. Seit Jahren gibt Petra Steps bei verschiedenen Verlagen Anthologien mit vogtländischen Regionalkrimis heraus, an denen auch die Stammtisch- Autoren beteiligt sind. Erst jüngst schaffte es die Gruppe beim Wettbewerb um „Vogtlands Lieblingsbuch“, den die Vogtländische Literaturgesellschaft Julius Mosen ausgelobt hat, unter 62 Bewerbern mit gleich zwei Büchern auf den vierten Platz. Und zwar mit „Wer mordet schon im Vogtland?“ und „Vogtländisches Blut(bad)“. Unabhängig von der Wohnzimmer-Lesung richten die Krimi-Literatur-Tage Vogtland am 27. April, 19.30 Uhr, im Galeriehaus in Hof eine Lesung mit Arno Camenisch aus. Der Schweizer Schriftsteller liest aus seinen Werken „Launen des Tages“ und „Kur“. Insgesamt bieten die Krimi-Literatur- Tage in diesem Jahr 33 Aktivitäten, darunter auch eine Ausstellung im Schloss Netzschkau von 1. Mai bis 16. Juni. Höhepunkt ist das „Mordsspektakel“, das heuer am 10. Juni im Schloss Netzschkau stattfindet. M.K.

Frankenpost (14.03.2017) – Text: Manfred Köhler

Ansturm auf "Leben auf dem Mars"

Netzschkau. Die Krimi-Literaturtage Vogtland starten zwar erst Mittwoch mit der ersten Veranstaltung in der Sparkasse Reichenbach durch, doch aufgrund der großen Nachfrage für die zweite Lesung am 31. März im Planetarium Rodewisch ("Leben auf dem Mars") ist das Programm des größten vogtländischen Lesefestivals bereits vor dem Start erweitert worden. Wie Petra Steps vom veranstaltenden Förderverein Schloss Netzschkau mitteilt, gibt es mit der Physikerin Christiane Heinicke eine zweite Veranstaltung. "Die Karten für die erste waren ruckzuck weg, es gibt aber weiter Kartenwünsche en gros. Freundlicherweise bleibt Frau Heinicke deshalb noch etwas länger im Vogtland."

Und so findet die zweite Veranstaltung mit Christiane Heinicke am 1. April, 10.30 Uhr im Planetarium und damit an einem Ort statt, der kaum besser zum Thema passen könnte: Die promovierte Physikerin hat jüngst ein Buch geschrieben, das ihr einjähriges Leben als Versuchskaninchen in einer Art Mars-WG der Nasa auf Hawaii seziert und das sich anschickt, die Bestsellercharts zu stürmen. Christiane Heinicke war die einzige deutsche Teilnehmerin des Projekts. Wer in Rodewisch dabei ist, genießt zudem die Vorzüge der neuen Zeiss-Fulldome-Anlage. Bei gutem Wetter gibt's einen Blick durch die Teleskope. (gem)

Freie Presse (23.03.2017)

Krimi-Literaturtage brechen an

Spannung und hautnahe Begegnungen mit Autoren, verspricht das größte Literatur-Festival des Vogtlands. Um Geld und zwei Leichen geht es zum Auftakt in Reichenbach.

Reichenbach. Der Fernseh-Moderator und Journalist Dirk Platt stellt bei der Eröffnungsveranstaltung am Mittwoch ab 19 Uhr im Foyer der Sparkasse Vogtland am Postplatz 3 in Reichenbach den Kriminalroman "Schwarzkonto" vor. Er hat den Roman zusammen mit Erich Schütz geschrieben.

In dem Buch geht es um die Leichen eines Bankers und eines Politikers. Geld spielt eine wesentliche Rolle. Die Sparkasse Vogtland habe jedoch mit diesen Fällen nichts zu tun, halte aber Überraschungen bereit, so die Veranstalter. (pstp/lk)

Freie Presse (27.03.2017)

In Greiz wird‘s wieder kriminell

Die Krimi-Literatur-Tage starten zum elften Mal im Vogtland. Auch Greiz ist wieder mit dabei. Erstmals ist auch eine Abstimmung über das „Bloody Cover“ in der Greizer Bibliothek möglich.

Greiz. Seit nunmehr elf Jahren finden die Krimi-Literatur-Tage im gesamten Vogtland statt. Sowohl das sächsische als auch das bayerische und das thüringische Vogtland warten im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe mit zahlreichen Angeboten auf. Thüringer Repräsentant ist wieder einmal Greiz. Die Residenzstadt ist seit sieben Jahren bei den Krimi-Literatur-Tagen dabei. Zu verdanken ist dies maßgeblich dem Engagement der Bibliotheksleiterin Corina Gutmann. Eröffnet wird die Veranstaltungsreihe am Mittwoch, 29. März, ab 19 Uhr in der Sparkasse Reichenbach. Der Fernseh-Moderator Dirk Platt stellt hier seinen neuen Kriminalroman "Schwarzkonto" vor. Greiz tritt erstmals am 4. April auf den Plan. Dann stellt ab 19 Uhr Hans Thiers in der Stadt- und Kreisbibliothek sein Buch "Mordfälle im Bezirk Gera" vor. Dabei spielen auch mittlerweile sächsische Orte wie Elsterberg eine Rolle. Platzreservierungen sind bei der Greizer Bibliothek möglich.

Ein zweiter Greizer Termin ist der Auftritt des selbst ernannten Heavy-Metal-Coaches Rainer Biesinger am Mittwoch, 3. Mai, ab 19 Uhr im UT 99 Kinocenter. Als ehemaliger alkohol- und drogenabhängiger Rocker tritt er nun als Persönlichkeitstrainer auf und stellt sein Programm "Brain Tattoos" vor. Dies sind elementare Themen, mit denen sich Biesinger auseinander setzt. Es ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Greizer Bibliothek zusammen mit dem Verein Lesezeichen. Karten gibt es im Kinocenter und in der Greizer Bibliothek.

Abschluss mit einem Tatort-Kommissar

Das Greizer Veranstaltungstrio und damit auch die elften Krimi-Literatur-Tage beschließt am Sonntag, 11. Juni, ab 17 Uhr im Rahmen des 28. Literaturabends der Stadt Greiz der Schauspieler und Autor Miroslav Nemec. In der Vogtlandhalle stellt er seinen ersten Kriminalroman "Die Toten von der Falkneralm" vor. In dem Krimi tritt Nemec selbst als Protagonist auf und gewährt Einblicke in sein Seelenleben. Karten für diese Veranstaltung gibt es bei der Vogtlandhalle. Erstmals können Fans der Kriminalliteratur im Rahmen der Krimi-Literatur-Tage auch in Greiz am Wettbewerb "Bloody Cover" teilnehmen. Neben Berlin, München, Hamburg, Köln, Leipzig, Wien und Zürich ist eine Abstimmung vor Ort in diesem Jahr auch erstmals im beschaulichen Greiz möglich. Im Eingangsbereich der Stadt- und Kreisbibliothek liegen Stimmzettel und die zwölf nominierten Bücher bereit. Dabei geht es rein um die Bewertung des Bucheinbandes, der Inhalt der Werke ist für den Wettbewerb irrelevant. Abgestimmt werden kann bis Sonntag, 7. Mai. Es gibt auch Preise zu gewinnen.

Die Krimi-Literatur-Tage Vogtland starteten 2007 im Rahmen der Ostdeutschen Krimitage und ab 2009 als Krimitage Vogtland. Sie entwickelten sich zum größten Literatur- und Lesefestival der Region. Die erste Kriminacht fand 2007 im Schloss Netzschkau statt und war die Initialzündung für das Projekt.

OTZ (27.03.2017) – Text: Patrick Weisheit

Der Mars ist eine Alternative

Von Bitterfeld in die Umlaufbahn. So oder ähnlich könnten die Schlagzeilen lauten, wenn Christiane Heinicke die erste deutsche Frau im All wird. Das ist jedoch noch Zukunftsmusik. Vorerst war die Geo-Physikerin und Autorin die einzige deutsche Teilnehmerin eines einjährigen, 2016 beendeten Nasa-Mars-Projektes auf Hawaii. Dabei wurden insbesondere gruppendynamische Prozesse unter autonomen Bedingungen untersucht. Auch darüber spricht die Forscherin aus Bitterfeld im Rahmen der Krimi-Literaturtage Vogtland am Freitag (ausverkauft) und am Samstag im Planetarium Rodewisch. Gerd Möckel hatte die derzeit von einem Pressetermin zum nächsten TV-Termin eilende Autorin des Buches "Leben auf dem Mars" kurz am Telefon.

Freie Presse: Frau Heinicke, kennen Sie Sigmund Jähn?

Christiane Heinicke : (lacht) Äähh, ja, den Namen habe ich doch schon mal irgendwo gehört, getroffen habe ich ihn allerdings noch nicht.

Sigmund Jähn hat jüngst angesichts der medial flankierten Mars-Manie hypothetisch gefragt: Was wollen die da oben, Radieschen ansäen? Also, was wollen Menschen da oben?

Da gibt es mehrere Gründe. Einer ist, sich für die ferne Zukunft ein zweites Standbein zu schaffen. Der Mars ist eine Alternative für die Menschheit. Es ist ja nur eine Frage der Zeit, bis die Erde unbewohnbar wird. Damit meine ich nicht das Finale, wenn das große Licht ausgeht. Das passiert ja erst in ein paar Milliarden Jahren. Bis dahin vergeht also noch eine Menge Zeit. Ein Meteoriteneinschlag vielleicht, vielleicht ein ungeheurer Vulkanausbruch. Oder das und noch viel mehr zusammen. Da ist es gut, wenn man ein zweites Zuhause hat. Schaut man auf die Erdgeschichte, hat es schon einige solcher Szenarien gegeben. Für uns sind sie weit weg, da wir in ganz anderen Zeitkategorien denken.

Und Sie selbst, warum wollen Sie auf den Mars?

Rein aus wissenschaftlicher Neugier. Mir geht es also nicht wie den Leuten, die sich jetzt massenhaft melden, um einen Flug ohne Rückflug zu buchen. Ich will auf jeden Fall wieder zurück auf die Erde. Nach drei Jahren, die so ein Projekt wahrscheinlich dauern würde, wäre es dann auch an der Zeit.

Zunächst wollen Sie aber in die Erdumlaufbahn und auf die ISS. Dazu hatten Sie sich bei diesem ESA-nahen Projekt "Astronautin gesucht" beworben. Es gab mehr als 400 ernstzunehmende Bewerberinnen, wie sieht's aus?

Ich bin raus. Leider. Jetzt sind's noch sechs Frauen. Ich hatte bei Aufmerksamkeits- und Konzentrationstests nicht den besten Tag erwischt. Das lag an meiner Tagesform, an einer sehr stressigen Anreise, dann gab's im Hotel Probleme. Wie das manchmal so ist. Aber es wird sicher wieder Ausschreibungen geben. Dann werde ich mich wieder bewerben.

Sie hatten also als Teilnehmerin des Nasa-Mars-Projekts keine Bonus. Sie haben dort mit fünf Leuten in einem Zelt gelebt, wissenschaftlich gearbeitet, über Ihren Tagesablauf und das Gruppenleben berichtet. Alles, was die Gruppe gemacht hat, wurde genau beobachtet. Wie hält man das ein Jahr aus?

Da sind die Eigenschaften gefragt, auf die es auch im Hinblick auf erfolgreiche Marsmissionen ankommt. Anpassungsfähigkeit, Respekt und die Fähigkeit, der Mission alles andere unterzuordnen. Die Mission steht an erster Stelle. Das hat auch unsere Mission zum Erfolg gemacht. Trotz unübersehbarer Spannungen zwischen einzelnen Bewohnern hat sich der Wille durchgesetzt, die Mission durchzuziehen. Da hilft natürlich, dass diese zeitlich begrenzt und überschaubar lang war. Aus unserem Verhalten und dem Verhalten anderer Gruppen unter extremen und autonomen Bedingungen lassen sich Rückschlüsse ableiten, die neben der persönlichen Eignung wichtig für die Zusammenstellung einer Crew sind.

Wann werden denn die Erkenntnisse veröffentlicht, die sie als Versuchskaninchen auf Hawaii erst ermöglicht haben?

Die Auswertungen mit dem üblichen Gutachterverfahren laufen noch. Ich rechne mit einer Veröffentlichung nicht vor dem Sommer.

Was war Ihre Motivation neben der Aussicht, auf dem Hawaii-Vulkan wissenschaftlich arbeiten zu können?

Ich wollte auch wissen, ob ich es ein Jahr lang mit fünf anderen Leuten bei teilweise ziemlich eingeschränkten Lebensbedingungen aushalten kann. Ich kann. Ich bin jetzt noch viel gelassener als vorher. Manchmal zieht es mich sogar ein bisschen ins Mars-Habitat zurück. Aber auch darüber erzähle ich gerne ein bisschen mehr in Rodewisch.

Kurze Frage zum Schluss: Was sind Ihre nächsten Ziele?

Derzeit bin ich nur mit meinem Buch unterwegs, auf Lesungen, im Fernsehen, ziemlich stressig. Mein Thema bleibt aber die Raumfahrt. Egal, ob Mars oder Mond. Außerdem will ich mir mein eigenes Mars-Habitat aufbauen. Allerdings nur im Hinblick auf technische Aspekte.

Leben auf dem Mars mit der promovierten Physikerin und Autorin Christiane Heinicke am Samstag, 10.30 Uhr im Planetarium Rodewisch (die Freitag-Veranstaltung ist ausverkauft). Tickets zum Preis von zehn Euro (ermäßigt fünf) gibt's im Planetarium (Telefon 03744 32313) oder über den Veranstalter: www.krimi-literatur-tage.de

Freie Presse (29.03.2017)

Festival eröffnet für Liebhaber der Spannung

Die Krimi-Literaturtage Vogtland wurden mit einer Lesung in der Sparkasse Reichenbach eröffnet. Dabei gab es Überraschungen: klein und schwarz.

Reichenbach. "Leichen" im Keller der Sparkasse - die Besucher der ersten Veranstaltung der Krimi-Literaturtage Vogtland wissen jetzt, wie diese aussehen: klein und schwarz, süß schmeckend. Bei der Besichtigung der Kunden-Schließfachanlage durften die Besucher in ein eigens dafür vorbereitetes Fach mit Goldstücken und Skeletten aus Schokolade fassen und sich etwas als Souvenir mitnehmen. Die "Leichen" waren sehr beliebt. Zudem gab es Erläuterungen zu den Fächern, zur Sicherheit und zu den Nutzungsmöglichkeiten.

Zuvor hatte der Potsdamer Journalist und Fernsehmoderator Dirk Platt aus dem Buch "Schwarzkonto" gelesen, dass er zusammen mit seinem Journalistenkollegen und Freund Erich Schütz geschrieben hat. Handlungsorte sind der Bodensee, wo Erich Schütz lebt, das nahe gelegene Liechtenstein mit seinen Banken, Potsdam als Lebensmittelpunkt von Dirk Platt und der Schauplatz der großen Politik, Berlin. Es geht um Schwarzgeld, dubiose Stiftungen und künstliche Gelenke.

Das in schummriges Licht getauchte Sparkassenfoyer bot einen passenden Rahmen zur Jagd der beiden Protagonisten aus dem Journalistenmilieu. Für die Handlung wurden zum Teil echte Recherche-Ergebnisse genutzt. Dabei decken die Autoren Fehler im Gesundheitssystem auf. "Für ein künstliches Hüftgelenk reicht die Tüv-Plakette", deutete Dirk Platt ein Problem an.

Nicht nur die Lesung begeisterte die Besucher, sondern auch das kleine Plus, das die Mitarbeiter der Sparkasse am Postplatz unter Leitung von Annette Redmer vorbereitet hatten. Eine Besucherin: "Das habe ich so nicht erwartet. Ich war noch nie bei den Krimitagen und bin endlich einmal mit meiner Freundin mitgegangen. Die familiäre Atmosphäre ist toll, und der Besuch bei den Schließfächern war interessant und überraschend."

Auch der Autor, der im Anschluss noch viele Fragen beantworten musste, war begeistert: "Es hat mir super gefallen. Man hat ein ganz anderes Gefühl, wenn man an einem authentischen Ort liest." Durch die Nähe zum Publikum habe er die Reaktionen der Zuhörer sehen können. "Der Besuch im Kundentresorraum war das i-Tüpfelchen", sagte er und stellte mit einem Lachen fest: "Dass im Keller der Sparkasse ,Leichen' sind, war anfangs ernüchternd und dann entzückend - weil sie nur aus Schokolade sind."

Für die Zusatzveranstaltung mit Christiane Heinicke am Samstag 10.30 Uhr im Planetarium Rodewisch gibt es noch Karten, ebenfalls für die Abendveranstaltung in Lengenfeld (vorher im Lengenfelder Hof unter Telefon 037606 8770 anmelden). Die Veranstaltung im Schloss Treuen am 8. April ist restlos ausgebucht.

www.krimitage-vogtland.de

Freie Presse (31.03.2017)

Planetarium als Schauplatz für irdische Weltraum-Testmission

Mit ihrem Vortrag zum Mars und zum Nasa-Simulationsprojekt Hawaii Space Exploration Analog and Simulation auf dem Hawaii-Vulkan Mauna Loa hat die Geophysikerin Christiane Heinicke (stehend) den Nerv der Vogtländer und einiger Besucher von außerhalb getroffen. Nach der ausverkauften Veranstaltung der Krimi-Literatur-Tage Vogtland am Freitagabend war das Planetarium Rodewisch auch bei der kurzfristig anberaumten Zusatzveranstaltung am Samstag gut besetzt. Die Gäste stellten viele Fragen zum Forschungsprojekt, den Ergebnissen des zwölfmonatigen Aufenthaltes und zu den Perspektiven der bemannten Raumfahrt. Das Team der Sternwarte steuerte Informationen zum aktuellen Sternenhimmel und zum roten Planeten bei. Am Freitagabend war außerdem die Beobachtung des Planeten durch das Teleskop möglich, während in der Pause Weltraumbrot und Kosmonautennahrung probiert werden konnte.

www.krimitage-vogtland.de

Freie Presse (03.04.2017)

Vogtländische Krimitage nun auch in Thüringen

Reichenbach/Greiz. Mit dem Vortrag des Kriminalrats Hans Thiers, der zusammen mit seinem Verleger Michale Kirchschlager auftrat, startete nun auch der Thüringer Teil der Krimi-Literaturtage Vogtland. Am Dienstagabend ist es dabei in der Greizer Bibliothek um Mord und Totschlag gegangen. Hans Thiers hat in zwei Sachbüchern authentische Thüringer Mordfälle bis 1990 aufgearbeitet, an deren Ermittlung er ab 1973 selbst beteiligt war. In seinem Vortrag gab er Erläuterungen zur Arbeit der Kriminalpolizei und der Gerichtsmedizin in der ehemaligen DDR und räumte dabei mit Vorurteilen auf.

Anders als landläufig behauptet, standen alle Mordfälle in den Zeitungen. Teilweise sei sogar mit Flugblättern nach Opfern und Tätern gesucht worden. Ein Beispiel dafür ist der immer noch ungeklärte Fall des vermissten Kindes Michaela Wagner. Die Aufklärungsrate der Morduntersuchungskommission Gera lag bei 98 Prozent, ohne heute übliche Hilfsmittel wie DNA-Untersuchungen. 150 Mörder wurden durch unter Mitwirkung des Autors hinter Schloss und Riegel gebracht. Als Beispiele hatte Thiers einen Kindesmord in Jena, den sechsfachen Säuglingsmord von Zeulenroda oder die Ermordung einer Neunjährigen in Gera ausgewählt. Beim letzten Fall war ein Serienmörder aktiv, der völlig unauffällig und an seinem Arbeitsplatz beliebt war.

Der Ex-Ermittler kritisierte die veränderten Bedingungen nach 1989: "Die in der DDR ermittelten Serienmörder wurden nach der Wende aus den Gefängnissen entlassen und haben weitergemacht." Für den pädophilen Ronneburger trifft das nicht zu. Er hatte sich in seiner Zelle erhängt. Zur Sprache kam auch ein Mord in Elsterberg, der seinen Ausgangspunkt in der Express-Gaststätte im Greizer Zentrum hatte. "Das hier ist etwas anderes als Tatort oder ein Kriminalroman, denn man weiß ja, dass alles wahr ist", stellte ein Besucher fest.

Thiers kam zum Kirchschlager-Verlag Arnstadt bei einer Lesung seines Kollegen Klaus Dalski, der auch schon bei den Krimi-Literaturtagen aufgetreten ist. Gegenwärtig arbeitet er an einem Buch über Serienmörder in der DDR. Auch dort wird sein geballtes Fachwissen in Sachen in Sachen Ermittlung und Täterpsychologie einfließen.

Bibliotheksleiterin Corinna Gutmann wies die Gäste auf den Wettbewerb "Bloody Cover" hin. Am 7. Mai werden die eingegangenen Stimmen für das gelungenste Krimi-Cover ausgezählt. Bis dahin können die nominierten Bücher in der Bibliothek begutachtet und die Stimmzettel ausgefüllt werden. "Wir als kleines Greiz wollen die meisten Teilnehmer haben. Wir werden doch die großen Städte dieser Welt toppen", sagte die Greizer Bibliothekschefin mit einigem Ehrgeiz in Hinblick auf die anderen teilnehmenden Bibliotheken in Städten wie Wien, Zürich oder Berlin.

Freie Presse (07.04.2017)

Autorin berichtet von Kräutern, Giften und zerstörerischer Sucht

Brockau. Die Kräutergärtnerei Sagan war zum dritten Mal Veranstaltungsort der Krimi-Literaturtage Vogtland. Patricia Holland Moritz las am Donnerstag im Ambiente des Kräuter-Cafés aus zwei Büchern. Zuerst ging es passend zur Kräutergärtnerei um das Schöllkraut, das viele durch den gelbfärbenden Saft noch aus ihrer Kindheit in Erinnerung haben. Dass man damit Warzen wegbekommt und auch mal einen unliebsamen Nebenbuhler, hat die in Karl-Marx-Stadt geborene Autorin in ihrer Geschichte "Die Leidenschaft des Hieronymus Seidel" aufgeschrieben. Sie ist in der Anthologie "Giftmorde 3" zusammen mit elf weiteren meist tödlich endenden Kräuteranwendungen verewigt. Der Bezug zwischen Gift und Kräutergärtnerei konnte die Besucher nicht abhalten, in der Pause das liebevoll von Katja Sagan zubereitete Kräuter-Buffet samt angeblichen Gifttrunk und allerlei Kräuter-Tees zu genießen. Auf der Tafel warteten verschiedene Dips und Kräuterbutter, Bärlauchquark, Nudel-Kräuter-Salat oder mit Kräutern und Blüten gewürztes Gemüse.

Um ein ganz anderes Gift geht es in der Roman-Serie um Rebekka Schomberg, eine private Ermittlerin mit solidem finanziellen Hintergrund nach einer umstrittenen Erbschaft sowie einem mehr als freundschaftlichen Verhältnis zu einem Kriminalisten. Der zweite Band "Kältetod" setzt sich mit dem Thema Crystal Meth auseinander. Das ist eine Droge, die in tschechischen Giftküchen gemixt wird und gerade im Vogtland auf dem Vormarsch ist. "Übrigens ist die Titelmelodie aus dem Film Eiskönigin die Hymne der Crystal-Konsumenten", sagte Patricia Holland Moritz im zweiten Teil der Lesung nach der Pause. "Durch das Festival erfährt man erst mal, wie groß und vielseitig das schöne Vogtland ist. Dank auch an die engagierten Kräutergärtner Sagan, die selbst die kriminellste Lesung zu einem Hort des Wohlfühlens machen", erklärte Patricia Holland Moritz nach der Veranstaltung.

Zuvor hatte die Autorin darüber gesprochen, dass sie entfernt mit Renate Holland-Moritz, der Satirikerin und aus dem Eulenspiegel-Verlag bekannten Filmkritikerin der Kino-Eule verwandt ist. Den Bindestrich im Namen lasse sie nur wegen einer Allergie gegen das sie schon immer verfolgende Satzzeichen weg. Und die hängt nicht nur mit dem Familiennamen zusammen, sondern auch mit diversen thüringischen Orten wie Steinbach-Hallenberg, wo die Holland-Moritz-Familie herstammt oder mit Karl-Marx-Stadt, wo die jetzt in Berlin lebende Autorin aufgewachsen ist.

Freie Presse (08.04.2017)

Krimi-Fans tauchen in Anwalt-Milieu ein

Andreas Föhr war in der Reichenbacher Jürgen-Fuchs-Bibliothek zu Gast. Der Besteller-Autor beantwortete auch eine Frage nach seiner Arbeitsweise. Reichenbach. Es gibt Menschen, die brauchen nur kurze Zeit, um das Wesentliche zu erfassen: Andreas Föhr ist so jemand. Er war am Freitagabend im Rahmen der Krimi-Literaturtage Vogtland in der Jürgen-Fuchs-Bibliothek Reichenbach zu Gast war.

Der Krimi-Bestsellerautor hatte sich vorher ein wenig in Reichenbach umgeschaut und die Besucher der Lesung mit seiner Einschätzung verblüfft. Er erklärte den erstaunten Vogtländern: "Reichenbach ist so eine komplexe Industriestadt, wie es sie bei uns in Bayern nicht gibt. Wir haben entweder große Städte wie Augsburg und München mit Industrie oder kleinere Dörfer. Selbst Rosenheim mit rund 60.000 Einwohnern wirkt bei Weitem nicht so urban wie Reichenbach. Ich finde toll, was hier alles noch steht und renoviert wurde." Mit Föhr war einer der bedeutendsten deutschsprachigen Krimiautoren nach Reichenbach gekommen. Seine Krimis stehen regelmäßig auf Bestsellerlisten. Der Erstling "Prinzessinenmörder" wurde mit dem Debüt-Glauser ausgezeichnet. In den 1990er-Jahren schrieb er mit Thomas Letocha Drehbücher, ohne zuvor gewusst zu haben, wie das funktioniert: "Damals fingen die Privatsender gerade an, Serien zu drehen. Das war eine Goldgräberzeit." Der nahe Wasserburg lebende Wahlbayer hat sich das Anwalt-Milieu ausgewählt, in dem er sich als gelernter Jurist bestens auskennt. Die Antwort auf die Frage nach seinem Lieblingsautor beantwortete er folgerichtig mit John Grisham, der ihn auch darauf gebracht habe, eine Rechtsanwältin in den Mittelpunkt der neuen Reihe um Rachel Eisenberg zu stellen. "Grisham zeichnet die Figuren sehr schön", gefällt ihm an seinem Vorbild.

Das Buch "Eisenberg" stand im Mittelpunkt des Abends. Kein Wunder, dass viele der Gäste wissen wollen, wie es weiter geht und sich eines der Bücher signiert mit nach Hause nahmen. Die Krimis der Wallner- und Kreuthner-Reihe werden im Sommer mit dem siebten Band fortgesetzt, aus dem Föhr mit einer Kostprobe las und die Besucher begeisterte. Die Frage nach seiner bevorzugten Arbeitsweise, beantwortete Andreas Föhr mit dem Satz: "Nichts beflügelt die Kreativität so sehr wie Verlagstermine." Eine der Besucherinnen staunte, dass ein Krimi auch witzig sein kann. Sie meinte damit den besonderen Stil von Föhr, der dem Humor zwischen grausamem Mordfall und kauzigem Disput am Seziertisch eine Chance lässt.

In der Pause hatte Bibliotheks-Azubi Antje Böhm leckere Cocktails gemixt, die zum Krimi passende Namen trugen. Der Besuch der Veranstaltung blieb ein wenig hinter den Erwartungen zurück. Ein paar Reichenbacher hätten noch Platz gefunden. "Wir haben viele Leute per Mail persönlich eingeladen. Es gab kaum Reaktionen", bedauerte Melanie Schönhoff, die sich für die Bibliothek um die Vorbereitung der Veranstaltung gekümmert hatte. Nächste Veranstaltung: 22. April, 18 Uhr, Talsperre Pöhl, Krimidampfer mit Elke Pistor, Karten unter Ruf 037439 6372 oder: www.talsperre-poehl.de

Freie Presse (10.04.2017)

Klausur in Reichenbach

Die Krimi-Autorin Elke Pistor ist bereits eher zu ihren Auftritten bei den Krimi-Literatur-Tagen angereist. Im Vogtland findet die Kölnerin Ruhe für den nächsten Bestseller.

Reichenbach. Die Kölner Schriftstellerin Elke Pistor, die heute und morgen Lesungen bei den Krimi-Literatur-Tagen Vogtland bestreitet, ist schon am Dienstag angereist. Der Grund: Die Autorin nutzt die Zeit und Ruhe im Vogtland, um ihren Krimi um Annemie Engel fertigzustellen. So etwas nennen Autoren Schreibklausur - fernab vom häuslichen Alltagsstress und störenden Einflüssen. Sollte das Buch ein Bestseller werden, hätte also auch Reichenbach einen Anteil daran. "Das Wetter passt, denn es ist ein Weihnachtskrimi", verriet die Autorin. Vor der ersten Zeile hat sie deshalb jede Menge Plätzchenrezepte ausprobiert, die ihre Protagonistin, eine Bäckerin, im Buch verwendet. Die Plätzchen hat sie jedoch vor der Fahrt zum Verkosten im Verlag abgegeben. Sollte Elke Pistor zwischen dem Schreiben eine Pause an der frischen Luft benötigen, kann man sie in der Stadt treffen. Einigen kommt ihr Gesicht sicher bekannt vor. Sie war bei der Kleinen Gartenschau 2014 zu Gast und hat die Besucher im großen Festzelt mit ihrem Krimi "Kraut und Rübchen" begeistert.

Elke Pistor liest heute Abend bei Küchen Geipel in Theuma und morgen auf dem Krimidampfer der Talsperre Pöhl. Für die Veranstaltung in Theuma gibt es noch Restkarten. Aufgrund des Menüs ist Anmeldung unter Telefon 037463 83546 notwendig. Ausreichend Plätze stehen noch auf dem Krimidampfer zur Verfügung, hierbei mit telefonischer Reservierung unter 037439 6372. Beide Veranstaltungen unterscheiden sich inhaltlich vollkommen. Im Küchenstudio geht es um das Thema Katzen: Elke Pistor hat weltweit recherchiert und 111 besondere Katzen in einem Buch beschrieben. Neben symbolischen Katzen wie Schroedingers Katze, der Glückskatze aus Japan oder den beiden Minitigern von Freyas Gespann werden bereits verstorbene und lebende Katzen porträtiert, die wie Snowball einen Mörder überführten, die Staatsgeschäfte lenkten oder zu Verwicklungen führten oder wie Commissaire Mazan vom Schriftstellerehepaar mit dem Pseudonym Jean Bagnol (Nina George und Joe Kramer) in Krimis ermitteln.

Auf dem Krimidampfer zeigt sich die Schriftstellerin von ihrer kriminellen Seite. Dabei präsentiert sie einen Querschnitt durch ihr Kurzkrimi-Schaffen, für das sie bereits mehrfach für Preise nominiert war. Ruchlose Seniorinnen, verschusselte Auftragskiller und gebeutelte Lehrerinnenversprechen ein mörderisches Vergnügen während einer zweistündigen Dampferfahrt auf der Pöhl, die 18 Uhr beginnt.

Freie Presse (21.04.2017)

Weihnachtsbuch in Reichenbach beendet

Autorin Elke Pistor war bei den Krimi-Literatur-Tagen im Küchenstudio und auf der Pöhl. Sie hat aber nicht nur vorgelesen.

Reichenbach. Die Schriftstellerin Elke Pistor hat ihre Klausurwoche in Reichenbach erfolgreich abgeschlossen. Am Freitagnachmittag konnte sie das ersehnte Wort "Ende" unter ihren Weihnachtskrimi um die Bäckerin Annelie Engel setzen - in einer Gästewohnung der Wohnungsbaugesellschaft war in den letzten Tagen ein Teil des Buches entstanden. Im Küchenstudio Geipel Theuma am Abend hat die Autorin bei einem leckeren Menü ihr Katzenbuch "111 Katzen, die man kennen muss" vorgestellt. "Eine etwas andere Veranstaltung, aber genau richtig", sagte eine Besucherin.

Auf dem Krimidampfer am Samstag standen Kurzkrimis im Mittelpunkt, bei denen Elke Pistor Verschwörungstheorien, Marotten alter Herrschaften oder seltsame Methoden zur Bekämpfung von Läusen aufs Korn nahm. Bei der Geschichte aus der Kurzkrimi-Anthologie zur Criminale Anfang Mai in Graz erlebten die Gäste sogar die Premierenlesung. "Ich habe nur Positives gehört. Den Leuten hat es gefallen", erklärte mit Helmar Müller einer der beiden Kapitäne, die das Ausflugsschiff "Pöhl" gewohnt sicher über die Talsperre gelenkt hatten. Sie hatten die Besucher persönlich in den kühlen Abend verabschiedet. "Ich habe eine Weile aus dem Fenster geschaut. Sie haben es ja ganz nett hier", hatte die Autorin den Mitfahrern erklärt und einen Vergleich zur Eifel gezogen, aus der sie stammt. "Die Zeit im Vogtland war sehr inspirierend für mich. Ich habe das Buch zu Ende gebracht und den Eindruck gewonnen, dass es auch hier ganz viele katzenverrückte Menschen gibt und genau so viel kriminelle Energie wie in der Eifel", schätzt Elke Pistor ein.

Bis zur Wahrnehmung als Krimiland wie die Eifel, in der die Krimis selbst beim Fleischer angeboten werden, hat das Vogtland indes noch einen weiten Weg vor sich.

Freie Presse (24.04.2017)

Autorin liest Briefe aus der früheren DDR

Menschen jeden Alters und jeder sozialen Schicht im Osten Deutschlands schrieben einst über ihre Nöte an die BBC. Mancher musste dafür ins Gefängnis.

Reichenbach. Bereits zum fünften Mal war Susanne Schädlich Gast einer Lesung in der Vogtländischen Buchhandlung Reichenbach. Als Tochter des gebürtigen Reichenbachers Hans Joachim Schädlich ist sie keine Unbekannte in der Region. Das Thema, das sie für ihr aktuelles Buch beackert hat, war für viele der Besucher hingegen Neuland. Darauf gekommen war sie über Unterlagen des ehemaligen DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi), die auch als Grundlage für ihr Werk "Immer wieder Dezember: Der Westen, die Stasi, der Onkel und ich" dienten.

In ihren Stasi-Unterlagen hatte die Familie entdeckt, dass sie jahrelang von Hans Joachim Schädlichs Bruder mit Decknamen IM Schäfer bespitzelt worden war. In diesen Akten fand die Autorin auch den "operativen Vorgang Werfer", las die Namen Harrison, Jones und Johnson, allesamt Mitarbeiter der BBC, und den Titel der Sendung "Briefe ohne Unterschrift", für die zwischen 1955 und 1975 insgesamt 233 Ordner mit Briefen gefüllt wurden - mit anonymen Briefen, die meisten aus Ostdeutschland. In der deutschsprachigen Sendung wurden sie jeden Freitag verlesen.

Bereits bei Einstellung der Sendung habe der Wunsch bestanden, diese Briefe zu veröffentlichen, doch vor Susanne Schädlich hatte sich noch keiner an den Stoff gewagt. Drei Jahre habe sie für das Buch recherchiert, das Auszüge aus den Briefen enthält, die in allen Stimmungslagen und sogar teilweise in Versen geschrieben waren, von Menschen aus allen Klassen und Schichten, darunter auch von Schülern wie Karl-Heinz Borchardt, der dafür mit 18 Jahren in das Gefängnis ging. Denn für seine Handschrift hatte die Stasi in einem aufwändigen Vergleich mit Hausaufgaben von Gymnasiasten eine Überstimmung zum abgefangenen Brief gefunden.

Susanne Schädlich erklärte: "In den 1980er-Jahren wäre die Sendung dieser Briefe nicht mehr möglich gewesen, denn dann waren die Handschriften flächendeckend erfasst, durch handschriftlich ausgefüllte Anträge für den Personalausweis." Vor allem einigen älteren Besuchern ging ein Licht auf - hatten doch viele genau diese Anträge in ihren Stasi-Unterlagen entdeckt, ohne sich einen Reim darauf machen zu können, was die Stasi mit dem Personalausweisantrag wollte.

Mit der Veranstaltung im Rahmen der Krimi-Literaturtage hat sich die neue Inhaberin der Vogtländischen Buchhandlung, Kerstin Ullrich, vorgestellt. "Für mich das heute eine Premiere. Ich bin sehr aufgeregt", sagte sie vor der ersten Lesung in ihrer Buchhandlung. "Für mich ist jede Lesung eine Premiere", beruhigte Susanne Schädlich die neue Buchhändlerin. Gerade ihr aktuelles Buch führe immer wieder zu Überraschungen, denn oft melden sich in oder nach den Lesungen Menschen, die ebenfalls Briefe an die BBC geschrieben haben.

Freie Presse (28.04.2017)

Vom Jagdglück des Schweizers Arno Camenisch

Hof - "Schriftsteller treibt es hin und wieder hinaus aus der warmen Stube, sie jagen neue Geschichten." Diesen Satz entdeckt der Leser gleich auf der ersten Seite des Buchs "Nächster Halt Verlangen - Ein paar Kolumnen". Hof - "Schriftsteller treibt es hin und wieder hinaus aus der warmen Stube, sie jagen neue Geschichten." Diesen Satz entdeckt der Leser gleich auf der ersten Seite des Buchs "Nächster Halt Verlangen - Ein paar Kolumnen". Zum Glück verlassen Autoren ihr bequemes Sofa auch, um sich auf Lesereise zu begeben. Nürnberg, Dortmund, Dresden, Chemnitz, Köln, Hof waren die Stationen des Schweizer Schriftstellers Arno Camenisch, der auf Einladung der Krimiliteraturtage Vogtland am Donnerstag ins Galeriehaus Hof gekommen war.

"Über die Liebe lese ich eigentlich nur am Donnerstagabend - und am Montagmorgen", kündigte Camenisch verschmitzt die erste Geschichte an. Natürlich beschreibt er keinen einfachen Wochenbeginn: "Es gibt Tage, an denen man besser nicht aufsteht. Die Woche fing ja gut an, ich hatte eindeutig eine Pechsträhne. Am Wochenende war ich umgezogen, hatte dabei den Schlüssel der neuen Wohnung verloren, das Auto des Nachbarn zerkratzt, mein eigenes wurde abgeschleppt, weil ich es an der falschen Ecke geparkt hatte, und den Kühlschrank hatte ich ruiniert, weil ich das Eis mit Hammer und Schraubenzieher hatte entfernen wollen."

Der Schweizer Arno Camenisch findet seine tragisch-komischen Geschichten auf der Straße und in den Bergen, in den kleinen und eindrucksvollen Begebenheiten und Begegnungen des Alltags. Den dokumentarischen Kern der bildhaften Szenen verstärkt er durch fiktionale Elemente. Er verfügt über einen guten Blick für Details und Zusammenhänge. Mit hintergründigem Humor formuliert er seine lakonischen Texte, überzeugt mit unvorhersehbaren Wendungen, treffenden Pointen und feinen Resümees. Klare Gedanken und tiefe Gefühle sind seine Welt: "Das Spannende einer Liebe sind der Anfang und das Ende, das dazwischen muss man aushalten", heißt es zum Schluss der Geschichte "Am Montagmorgen", mit der das Buch "Die Launen des Tages" beginnt.

"Irgendwo in der Pampa" heißt die nächste Geschichte: "Sie wird Euch die Schweiz näherbringen", verspricht der 39-Jährige, vielfach preisgekrönte Autor. Fast wie ein Schauspieler trägt Camenisch das Geschriebene vor, verdeutlicht den Rhythmus und verstärkt den Ton der Texte. Zwischendurch erzählt er charmant Anekdoten. Vor allem einige Geschichten und Gedichte auf Schwyzerdütsch und Rätoromanisch machen die Lesung zu etwas Besonderem. Der Autor liebt Fußball und wirkt fast wie ein Kommentator des großen Spiels des Lebens. Die Lacher hat er von Anfang an auf seiner Seite, die Stimmung bleibt durchgängig auf hohem Niveau: "Das Leben ist doch so absurd! Und die Summe des Absurden sind wir!", ruft Arno Camenisch seinem begeisterten Publikum im Galeriehaus gut gelaunt zu, und beendete den Abend mit einer Zugabe aus "Die Kur".

Frankenpost (28.04.2017)

Mit Mundart an der Spitze

Beate Werner aus Reichenbach und Friedemann Schubert aus Neumark haben gemeinsam den Mundart-Krimiwettbewerb der KrimiLiteraturtage und des Mundartkreises der Literaturgesellschaft Julius Mosen gewonnen. Die Reichenbacherin hatte eine Geschichte von einem Einbruch erzählt, bei dem auch eine besondere Schallplatte gestohlen wurde. Der Neumarker klärte auf, warum ein Orgelspieler mehrfach ohnmächtig geworden war. Auf den dritten Platz kam Martina Dressel. Beate Werner las am Samstag in Bad Elster einen Teil ihrer Geschichte vor. In der Abschlussveranstaltung der Mundarttage kamen auch die Teilnehmer an dem mehrtägigen Treffen zu Wort.

Freie Presse (03.05.2017)

Halbzeit für die Krimitage Vogtland

Netzschkau. Die 11. Krimi-Literatur-Tage Vogtland stehen kurz vor dem Halbzeitpfiff, da beschäftigt sich das Organisationsteam des größten vogtländischen Lese- und Erlebnisfestivals vom Förderverein Schloss Netzschkau bereits mit der zwölften Auflage. "Wir waren gerade beim größten Krimi-Branchentreff für deutschsprachige Autoren. Dort wurden auch die begehrten Glauser-Krimipreise vergeben. Deshalb sind wir gedanklich schon mittendrin in den Vorbereitungen", sagte Projektverantwortliche Petra Steps nach dem Ausflug zur Criminale in Graz und macht damit bereits Appetit auf hochkarätige Lesungen im nächsten Jahr.

Aber auch für die laufende Ausgabe der Veranstaltungsreihe bilanziert Petra Steps großes Interesse. "Für viele Lesungen gibt es nur noch wenige Plätze." Das trifft auch auf die vier Veranstaltungen in dieser Woche zu: Für die Lesung (ohne Eintritt) morgen, 19 Uhr im BSW-Bildungszentrum in der Reichenbacher Altstadt "Tatort Krankenhaus: Wie ein kaputtes System Misshandlungen und Morde an Kranken fördert" gibt es zwar keine Karten. "Aber aufgrund von vielen Anfragen wissen wir, dass es eng wird." Gast ist Jeanne Turczynski, die mit Karl H. Beine ein Buch geschrieben hat, das über ein Gesundheitswesen berichtet, das an der Profitgier von Eigentümern und Konzernen krankt.

Kaum weniger spannend dürfte es am Donnerstag, 18 Uhr mit Titus Müller im Amtsgericht Auerbach werden. Der Autor liest dort aus seinem packenden Roman "Der Tag X" über den Aufstand am 17. Juni 1953 in der DDR. Petra Steps: "Dafür gibt es nur noch wenige Karten." (Nachfragen möglich unter Telefon 03744 839-301/302.) Ganze zwei Plätze gibt es noch für die Schreibwerkstatt mit Titus Müller am Samstag, 10 Uhr im Israel-Zentrum Reichenbach. Die Abendlesung an selber Stelle am Samstag, 19 Uhr ist ohne Kartenverkauf. Titus Müller trägt dann aus dem Buch "Geigen der Hoffnung" vor, das von einem israelischen Geigenbauer handelt, der Instrumente von Holocaustopfern wieder zum Klingen bringt. (gem) www.krimi-literatur-tage.de

Freie Presse (09.05.2017)

Abgründe im Gesundheitssystem

Um Gewalt in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ging es jüngst bei den Krimi-Literaturtagen. Da war nichts erfunden. Reichenbach. Mehr als 70 Gäste haben am Mittwochabend dem Vortrag von Jeanne Turczynski gelauscht: Zusammen mit dem Psychiatrie- und Psychotherapieprofessor Karl Beine hatte sie das Buch "Tatort Krankenhaus. Wie ein kaputtes System Misshandlungen und Morde an Kranken fördert" geschrieben. Der Veranstaltungsort, das Bildungszentrum für Soziales, Gesundheit und Wirtschaft (BSW), war dafür ideal. Reichlich die Hälfte der Besucher waren Auszubildende in pflegerischen und therapeutischen Berufen.

Turczynski ist Wissenschaftsredakteurin und betreut beim Bayrischen Rundfunk den Fachbereich Medizin. Vor vier Jahren besuchte sie eine Fachtagung zum Thema "Gewalt in der Pflege" und hatte dort den Professor kennengelernt. Die Autorin: "Damals ging es um Gewalt an Pflegekräften, aber auch an Patienten. Karl Beine hat mit einem Pfleger gearbeitet, der Patienten getötet hat." Gemeinsam machten sie sich an das Buchprojekt und befragten Pflegepersonal, recherchierten und besuchten Pflegekongresse. "Ich war froh, dass die Menschen mit mir gesprochen haben. Vor Kamera und Mikrofon hätten sie das nie getan", erklärte die Autorin.

5055 Menschen waren an der Studie beteiligt. Eine der Fragen: "Haben Sie schon einmal aktiv das Leiden von Patienten beendet?" 1,5 Prozent der Pfleger und 3,5 Prozent der Ärzte bejahten das. Davon gehört hatten noch mehr Beschäftigte in pflegerischen Berufen. Im weiteren gingen die Autoren der Ursache für Gewalt in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen nach und kamen zum Schluss, dass das Gesundheitssystem insgesamt ein Problem hat, weil Krankenhäuser wie Wirtschaftsbetriebe geführt werden. Pflegenotstand, Überarbeitung oder pflegefremde Arbeiten im bürokratischen System führten zu Unzufriedenheit bei Beschäftigten. Folgen stellten sich ein, die vom Erschöpfungssyndrom über Süchte bis eben zur Straffälligkeit reichten.

Turczynski ermutigte die Zuhörer vom Fach, sich zu informieren, Auffälligkeiten an die Vorgesetzten zu melden und die Kommunikation untereinander zu pflegen. Auch Angehörige von Patienten sollten aufmerksam verfolgen, was mit ihren Verwandten geschieht. Leider habe die Politik bisher nicht anerkannt, dass es ein Problem gibt. Die Autorin rechnet damit, dass das Thema gegen Jahresende wieder in die Medien kommt. Dann soll der vierte Prozess gegen "Rettungs-Rambo" Niels H. starten, der in Delmenhorst und Oldenburg Patienten getötet habe. Der Wissenschaftsjournalistin ist das Vogtland nicht fremd. Sie hat eine Weile in der Region gelebt, weil ihre Eltern als Schauspieler am Plauener Theater engagiert waren: "Ich bin mit dem Zug durch Plauen gefahren. Schade, dass ich zu wenig Zeit habe, um mir die Stadt anzuschauen." Das will sie beim nächsten Besuch in der Region nachholen. Vielleicht gibt es dann ein Nachfolgebuch. "Der Stoff eignet sich auch für einen Krimi", sagte sie. Tonja Bahlke vom BSW und die Organisatoren der Krimi-Literaturtage Vogtland als Veranstalter des Abends haben schon Interesse bekundet. Die Schüler wird das aktuelle Buch noch eine Weile begleiten. Es wird in der Bibliothek des Hauses stehen und auch Gegenstand im Unterricht sein.

Nächste Veranstaltung morgen, 19 Uhr, Bildungs- und Begegnungszentrum für jüdisch-christliche Geschichte und Kultur, Wiesenstraße 62, Reichenbach: "Geigen der Hoffnung" von und mit Titus Müller.

Freie Presse (12.05.2017)

Mein Kind reist mit mir um die Welt

Katharina Finke liest über das Glück des Loslassens

Katharina Finke hat nach der Trennung von ihrem Freund ihr Leben komplett aufgeräumt und sich buchstäblich von allem Besitz getrennt, auch von einem festen Wohnsitz. Seither jettet die Journalistin um die Welt und berichtet über Menschen, die es wirklich schwer haben. Am Mittwoch liest sie im Tanzstudio Merhaba Plauen-Steinsdorf im Rahmen der Krimi-Literaturtage aus ihrem Buch "Loslassen - Wie ich die Welt entdeckte und verzichten lernte". Gerd Möckel hatte die Frau aus Nirgendwo am Telefon.

Freie Presse: Hallo Frau Finke, Sie lesen in einem Tanzstudio. Was eint Tanz und Ihre Art des stringenten Loslassens?

Katharina Finke : Mut. Beim Tanz wie überhaupt ist das dann vielleicht mit der Einsicht verbunden, nichts Materielles zu brauchen, sondern nur sich selbst und etwas funktionalen Besitz. Das ist mit allem so und überall auf der Welt.

Haben Sie eigentlich manchmal Entzugserscheinungen, wenn Sie an ein geregeltes Leben mit seinen Sicherheiten denken?

Nein, überhaupt nicht. Natürlich gibt es anstrengende Phasen. Ich reise ja nicht nur zum Spaß. Ich bin als Journalistin unterwegs und widme mich wirklich harten Themen. (Sie schrieb auch ein Buch über eine junge Inderin, die verkauft, versklavt und zwangsverheiratet wurde.) Das ganze erlebe ich als einen Prozess, der bald um eine Facette reicher wird. Im Herbst werde ich Mama.

Ohne festen Wohnsitz ist so ein junges Glück kaum vorstellbar.

Doch. Mein Kind wird mit mir reisen. Natürlich wird es später regelmäßig schulische Bildung erfahren. Es wird anders aufwachsen als andere Kinder, überhäuft mit materiellen Dingen wird es nicht.

Sie haben Ihre Habe verschenkt, da bleibt nur die Erinnerung.

Richtig. Bis auf ein paar Kleinigkeiten, die ich in einem Schuhkarton aufbewahre. Ansonsten brauche ich vielleicht zwei Koffer, mehr nicht.

Wie fühlt sich das an?

Es ermutigt mich, es macht mich offener für alles. Man muss das aber wollen. Ich habe nichts mehr, was mich von den wirklich wichtigen Dingen des Lebens ablenkt. Auch nicht die Angst etwas verlieren zu können. Natürlich ist es nicht schön, ein kleines persönliches Geschenk zu verlieren. Das ist mit jetzt passiert. Es ist schade, wenn es passiert, mehr nicht.

Die Welt entdecken und verzichten. Die Lesung mit Katharina Finke findet am Mittwoch, 19 Uhr im Tanzstudio Merhaba in Plauen-Steinsdorf statt. Einige Restkarten gibt es noch bei Melanie Tilch: Telefon 0163 7070126.

Freie Presse (13.05.2017)

Geigen, die Knie weich werden lassen

Autor Titus Müller hat in Reichenbach aus dem Buch "Geigen der Hoffnung" gelesen. Es war nicht der einzige Auftritt des Schriftstellers.

Reichenbach/Auerbach. Gleich drei Veranstaltungen hat der Schriftsteller Titus Müller im Rahmen der Krimi-Literatur-Tage Vogtland in den letzten Tagen gestaltet. Den Höhepunkt bildete dabei die Lesung "Geigen der Hoffnung" am Samstagabend im Veranstaltungsforum der Vogtland Philharmonie in Reichenbach. Projektpartner dabei war wie bei schon mehreren Lesungen zuvor der Verein Sächsische Israelfreunde, der im Haus ein Bildungs- und Begegnungszentrum für jüdisch-christliche Geschichte und Kultur mit Ausstellung betreibt.

Ewa 90 Besucher erfuhren mit Hilfe von Bildern aus der Werkstatt und von einer Tagung in Tel Aviv etwas von dem israelischen Geigenbauer Amnon Weinstein, der 60 Geigen von Holocaustopfern restauriert und wieder zum Klingen gebracht hat. Anschließend las Titus Müller aus dem Buch über dieses Projekt, das er zusammen mit Christa Roth geschrieben hat. Während die Journalistin in Tel Aviv war und den Geigenbauer porträtierte, hat Titus Müller die Geschichte einer Geige erforscht, die erst vor etwa zwei Jahren in Weinsteins Werkstatt gekommen war. Ihr Besitzer hatte sie nach der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau einem Freund gewordenen Münchner geschenkt, der sie wie einen Schatz aufbewahrte.

Der Geiger, der aus dem Ghetto Lodz nach Dachau verschleppt wurde, hat vermutlich im Lagerorchester gespielt und mit seiner Musik den Überlebenswillen der Häftlinge gestärkt. "Ich habe seine Tochter in Amerika gefunden und mit ihr telefoniert. Erst dachte sie, ich bin ein Trickbetrüger, dann wurde es immer stiller am Telefon. Sie sagte, dass ihr die Knie zittern, weil sie nicht wusste, dass ihr Vater im Lager Geige gespielt hat, obwohl der Vater auf jedem Bild in ihrer Wohnung mit Geige zu sehen ist", erzählte der Schriftsteller von seinen Recherchen für das Buch. Zur Lesung erklangen Ausschnitte aus Telemanns Trio-Sonate a-Moll, gespielt von Dagny Lehman (Flöte), Ralf Heydenreich (Violine) und Lutz Lehmann (Klavier). Als Beispiel für Versöhnungsarbeit wurde der Film zum Handwerkerprojekt der Sächsischen Israelfreunde gezeigt.

Titus Müller schrieb nach der Lesung im Veranstaltungsforum eine Menge Autogramme in seine Bücher. Mit langem Applaus und vielen Worten drückten die Besucher ihren Dank für eine gelungene Veranstaltung aus. Nach der Lesung nutzte der Schriftsteller die Gelegenheit zu einer Besichtigung der Ausstellung. Dabei entstanden auch Ideen wie die einer thematischen Reise zu den Geigen der Hoffnung und zu Amnon Weinsteins Werkstatt in Israel. Titus Müller verriet, dass einige der Geigen im kommenden Jahr in Dachau erklingen sollen und er dazu aus seinem Buch liest.

Bereits am Morgen hatte der Autor eine mit zwölf Teilnehmern voll besetzte Schreibwerkstatt geleitet. Die Teilnehmer aus drei Generationen beschäftigten sich mit Themen wie Figuren, Perspektiven oder Szenen gestalten oder den Umgang mit Schreibhemmungen. Am Donnerstag war Titus Müller am Amtsgericht Auerbach zu Gast, wo er sich einem anderen historischen Thema gewidmet hatte. Sein Buch "Der Tag X" erzählt eine Geschichte um den 17. Juni 1953 in der DDR. "Ich habe mit drei Jahren in Auerbach gelebt, aber die wenigsten werden sich an mich erinnern. Mein Bruder ist in Rodewisch geboren", verriet der gebürtige Leipziger, der aufgrund der Pastorentätigkeit seines Vaters an vielen Orten zuhause war.

Freie Presse (15.05.2017)

Thriller-Autor radelt entspannt an

Krimi-Literatur-Tage: Der Berliner Kai Hensel ist mit dem Fahrrad angereist

Reichenbach. Sind Sie jetzt glücklich, Herr Hensel? "Naja, die Hitze hat schon genervt. Aber ich bin ganz entspannt angekommen. Ich bin öfter mit dem Fahrrad unterwegs. Und Reichenbach ist ja nicht so weit weg. Neulich hatte ich eine Lesung in Recklinghausen, das war mir dann doch zu weit", sagte Kai Hensel kurz nach seiner Ankunft gestern Nachmittag in Reichenbach. Am Abend war der Krimi-Autor im Rahmen der Krimi-Literatur-Tage Vogtland Gast in der ausverkauften Salzgrotte Reichenbach. Dort las der Berliner aus seinem Thriller "Bist du glücklich?".

Aufgebrochen war der Schriftsteller und Drehbuchautor (unter anderem "Alarm für Cobra 11" oder "Die Männer vom K3") am Dienstag in Berlin-Schöneberg. Dann ging's über teils in herrliche Landschaft eingebettete Radwege nach Wittenberg, dann über Altenburg nach Werdau. "Dort musste ich auf die Landstraße wechseln. Nicht so schön, aber dafür schneller." Und die Rückreise heute? "Mit dem Zug. Vier Tage Auszeit vom Schreibtisch müssen reichen."

Freie Presse (19.05.2017)

Viebahn zeigt "Kriminelles & Erschröckliches"

Die Krimi-Literatur-Tage gehen am Dienstag in Reichenbach auf Tour - Nächste Lesung beim Zahnarzt

Reichenbach. Sozusagen zu einer Mitmach-Aktion laden die Krimi-Literatur-Tage Vogtland für Dienstag nach Reichenbach ein: 18 Uhr ist am Autobahnpolizeirevier (einstiges Amtsgericht) an der Heinrich-Heine-Straße Start für die Tour "Kriminelles & Erschröckliches", die zum Alten Wasserwerk im Park der Generationen führt.

Heimatforscher Wolfgang Viebahn, der mit dieser Tour schon einmal viel Zuspruch erfahren hatte, erzählt unterwegs von seinen Entdeckungen zur Reichenbacher Kriminalität, die er in allen möglichen Archiven gemacht hat. Der Teilnehmerpreis beträgt zwei Euro.

Die nächste Lesung gibt es am 31. Mai, 19 Uhr in der Zahnarztpraxis Kirsten in Reichenbach. Dort liest Oliver Ménard aus seinem Krimi "Ein Fall für Christine Lenève". Einige Restkarten gibt es noch.

Freie Presse (20.05.2017)

Vogtland-Literatur vorgestellt

Im Schloss Netzschkau ist eine Sonderschau um den Schriftsteller Julius Mosen zu sehen. Besucher können sich auch über heutige Autoren informieren.

Netzschkau. Die literarisch-musikalische Veranstaltung zur Sonderausstellung "Julius Mosen & seine vogtländischen Erben" am Sonntagnachmittag im Schloss Netzschkau bot so manche Überraschung. Zudem gab es viel Lob für die Sonderschau und die Stunde rund um die Literatur.

Die größte Überraschung waren die von Bernhardt Kaufmann aus Lichtentanne vertonten Gedichte von Julius Mosen, die er, zur Gitarre singend und von Günter Franke aus Schönfels begleitet, vortrug. "Wo auf hohen Tannenspitzen ..." im rockigen Rhythmus hatte keiner der Besucher zuvor gehört. "So kann man Julius Mosen auch der Jugend nahebringen", meinte Netzschkaus Bürgermeister Mike Purfürst (Gewerbeverein). Nach der Veranstaltung wurden fleißig Kontakte ausgetauscht, unter anderem mit dem Vorsitzenden der Vogtländischen Literaturgesellschaft "Julius Mosen", Frieder Spitzner. Er bereitet anlässlich des 150. Todestages von Mosen eine Veranstaltung für den September vor.

Im zweiten Teil las Hanna Konnerth Auszüge aus Texten vogtländischer Autoren, die sich um Mosens Sehnsucht drehten: "Zu der Heimat in der Ferne zög ich heute noch so gern". Ein Stück Heimat hat der gebürtige Netzschkauer Hugo Hartung ("Ich denke oft an Piroschka") in seinem Buch "Kindheit ist kein Kinderspiel" festgehalten. Philosophisch durchdacht setzte sich der Plauener Martin Kessel mit dem Zauber der Ferne auseinander. Der dritte Teil gehörte der Mundart, der sich Doris Wildgrube verschrieben hat. Sie trug eine Auswahl von Texten verschiedener vogtländischer Mundartdichter vor. Friedemann Schubert erhielt anschließend seinen ersten Preis für den Mundart-Krimiwettbewerb, der vom Mundartkreis zusammen mit dem Förderverein ausgeschrieben wurde. Er konnte an der Veranstaltung der Mundarttage nicht teilnehmen. Nach der Veranstaltung begaben sich die Besucher in die Galerie, in der weit über 100 Bücher vom reichen literarischen Schaffen mit Vogtlandbezug zeugen. Die Ausstellung knüpft an die Sonderschau "Vogtlandbücher der Nachwendezeit" an, die Frieder Spitzner 2003 im Schloss Netzschkau gestaltet hat. Sie war Ausgangspunkt für die erste Kriminacht im Schloss und die darauf folgenden Krimitage.

Das Ausstellungsplakat hatte Spitzner dabei. "Mir gefällt die Verästelung, die sich in der Zwischenzeit entwickelt hat. Die Krimitage sind nicht mehr nur Krimi. Sogar Julius Mosen ist anlässlich seines 150. Todestages einbezogen, und das auf so ungewöhnliche Weise mit vertonten Mosen-Gedichten", sagte der Vereinschef der Literaturgesellschaft. Das sei eine Idee, die Aufmerksamkeit verdiene: "Zur Literatur gehört die Sprache und damit auch die Mundart als ein Bereich. Der Überblick über die Mundartdichter hat das Ganze abgerundet." Spitzner weiter: "Die Ausstellung ist ästhetisch, harmonisch und vielfältig. Sie hat viele Besucher verdient."

Die vogtländische Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas (CDU) bedankte sich beim Förderverein für das Engagement in Sachen Literatur. Einige Gäste hatten auch Bücher für die Leseecke mitgebracht, die kräftig aufgefüllt wurde. Eine großzügige Spende mit mehreren Exemplaren seiner Gedichthefte kam von Joachim Scholz. Siegfried Martin übergab "Das Halsgericht zu Schöneck", das seine inzwischen verstorbene Frau Wibke Martin verfasst hat. Von Spitzner stammen weitere Bücher.

Freie Presse (20.05.2017)

Kriminellen Taten auf der Spur

Einen etwas anderen Stadtrundgang in Reichenbach haben Wolfgang Viebahn und Neugierige unternommen. Die Route führte ins Mordsgässel.

Reichenbach. Der Heimatforscher Wolfgang Viebahn, mit Weste und Melone im Stil des Dr. Watson aus den Romanen um Sherlock Holmes gekleidet, zeigte am Dienstagabend Neugierigen aus Reichenbach, Fraureuth, Rodewisch, Netzschkau, Heinsdorfergrund und anderen Orten historische Schauplätze und architektonische Besonderheiten. Etwa 40 Teilnehmer waren zum Stadtrundgang "Kriminelles und Erschröckliches" im Rahmen der Krimi-Literaturtage Vogtland gekommen.

Los ging es beim ehemaligen Amtsgericht, in dem heute das Autobahnpolizeirevier untergebracht ist. Von dort ist es nicht weit zum Mordgässel am Ende der Heine-Straße. Dort starb 1944 Getraud Lehmann durch einen Pistolenschuss. Da sie schwanger war, sprechen Reichenbacher noch heute vom Doppelmord. Der Weg zwischen den Gärten ist immer noch das Mordsgässel. Auch Teilnehmer an der Tour wussten von dem Verbrechen, das der Verlobte der jungen Frau begangen hatte und für das er in Leipzig hingerichtet wurde.

In die Spalte "Erschröckliches" sind Anekdoten aus dem Gymnasium einzuordnen, wie die chemischen Experimente des Pädagogen Friedrich Hora, der mit seinen Schülern Tränengas herstellte und selbst den Mathelehrer zum Weinen brachte. Deutlich mehr kriminelle Energie brachte der Bürgermeister Wilhelm Klengel auf. Er betrog die Stadt in seiner kurzen Amtszeit von 1850 bis 1852 um 8700 Taler und brannte mit der Stadtkasse durch.

Viebahn bezog Geschehnisse aus mehreren Jahrhunderten ein. Er berichtete vom Marktplatz als Hinrichtungsplatz, vom Pranger und dem Folterkeller, von der Judenverfolgung, dem Missbrauch des Volkshauses als SS-Schutzhaftlager sowie der Verhaftung und Deportation von Jugendlichen in sowjetische Arbeitslager nach der Befreiung vom Faschismus. Zum "Erschröcklichen" zählt die Verpuffung am 29. November 1977, bei der auch das Haus des Gerichtsdirektors und Geburtshaus der Theaterreformatorin Caroline Neuber, der Neuberin, beschädigt wurde. Die jetzige Trinitatisgasse, einst ein Schlammweg, hieß einst Todtengasse, weil dort der Totengräber wohnte. Vandalismus auf dem Alten Friedhof ist bereits im Vogtländischen Anzeiger und Tageblatt vom 10. September 1924 festgehalten: "Die Klagen über allerlei Frevel, der nächtlicherweise auf dem Trinitatisfriedhof beziehungsweise an der Kirche verübt wird, wollen nicht verstummen", hieß es da. Zuvor wurde ein Denkmal zerstört, das schon einmal gestürzt und wieder aufgestellt worden war.

Die Teilnehmer stellten fest, dass es so viele Kapitalverbrechen entlang des Weges nicht gab. Es geschah eher Kleinkriminelles. Hätten die kriminellen Aktivitäten in Reichenbach auch kaum das Interesse von Boulevardzeitungsschreibern hervorgerufen, so gab es für die Teilnehmer eine Menge an Informationen. Viele bewunderten die schön restaurierten Häuser und Villen oder architektonische Details, die man beim Vorbeifahren gar nicht wahrnimmt. Der Gang durch die Stadt endete im Alten Wasserwerk, wo noch ein paar Bilder gezeigt wurden. Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit dem Verein Aqua et Natura auf die Beine gestellt.

Freie Presse (26.05.2017)